A26-Ost: Kostenexplosion und Klimaschutzbedenken stoppen Baupläne in Hamburg
Die A26-Ost, eine wichtige Verkehrsverbindung im Süden Hamburgs, sorgt aktuell für Aufregung. Die voraussichtlichen Kosten für den Bau sind laut dem Bundesverkehrsministerium auf knapp 2,6 Milliarden Euro gestiegen – ein Anstieg von zuvor veranschlagten 2,4 Milliarden Euro. Eine Stellungnahme der Projektgesellschaft Deges zu diesen gestiegenen Kosten steht bisher noch aus. Deges, die öffentliche Gesellschaft für Verkehrsinfrastruktur, wird von Bund und zwölf Bundesländern getragen und hat die Aufgabe, solche Großprojekte zu realisieren.
Besonders kritisch sehen die Umweltverbände Nabu und BUND die Situation. Angesichts der Kostensteigerung fordern sie eine Überprüfung des Autobahnbaus in der geplanten Form. Dabei lehnen sie den Bau grundsätzlich ab, und sollten die Bauarbeiten nicht verhindert werden können, plädieren sie für eine alternative Streckenführung. Die A26-Ost selbst ist ein Teil der bereits abschnittsweise fertiggestellten A26 zwischen Stade und Hamburg und erstreckt sich über knapp zehn Kilometer, aufgeteilt in drei Abschnitte. Geplant ist, dass diese Strecke die A7 mit der A1 verbinden soll – ein wichtiges Anliegen der Hafenwirtschaft, die die sogenannte „Hafenpassage“ als notwendig erachtet.
Rechtsstreit und Klimaschutz
Im Dezember 2023 lag für den ersten Abschnitt bei Moorburg ein Planfeststellungsbeschluss vor, und laut Deges begannen die Bauarbeiten daraufhin. Doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erklärte diesen Beschluss im Oktober 2025 nach Klagen von Nabu und BUND für teilweise rechtswidrig. Die Richter begründeten dies damit, dass die geplante Variante als einzige hochwertige Moorböden in Anspruch nahm und alternative Trassen unter Klimaschutzaspekten unzureichend geprüft wurden. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, denn erstmals spielten bei einer Klage gegen eine Autobahn Klimaschutzbelange eine zentrale Rolle.
Das Gericht stoppte zudem den Sofortvollzug. Laut BUND und NABU führt die geplante Trasse durch wertvolle Moorböden und beeinträchtigt Lebensräume von Moorfröschen, Fledermäusen sowie gefährdeten Vogelarten. Kritisch wird auch angemerkt, dass eine kürzere und klimafreundlichere Variante nicht ausreichend gewürdigt wurde. Die Verbände fordern daher, das Projekt politisch zu beenden und durch eine naturverträgliche Lösung entlang bestehender Verkehrsräume zu ersetzen.
Folgen und zukünftige Entwicklungen
Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat weitreichende Folgen für das Projekt und verlagert die Entscheidung über die A26-Ost auf die politische Ebene. Deges rechnet, vorbehaltlich der Finanzierung, damit, den Bau 2027 fortsetzen zu können. Doch die anhaltenden Diskussionen um Kosten und Umweltschutz werfen ein Schatten auf die Zukunft des Projekts.
In einem weiteren Kontext zeigt die Organisation Transport & Environment (T&E), dass der geplante Aus- und Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen möglicherweise deutlich mehr CO₂-Emissionen verursachen könnte, als bisher offiziell angenommen. Ihre Untersuchungen legen nahe, dass die im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehenen Projekte neunmal mehr CO₂-Emissionen verursachen könnten, als angegeben. Auch hier wird deutlich, dass die Nutzen-Kosten-Analyse, die als Grundlage für solche Entscheidungen dient, überarbeitet werden muss. Ein Grund mehr, kritisch zu hinterfragen, ob solche Großprojekte wie die A26-Ost wirklich im öffentlichen Interesse sind oder ob sie sich als unwirtschaftlich herausstellen könnten.
In dieser komplexen Gemengelage aus Kosten, Umweltschutz und Verkehrsplanung bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Ob die A26-Ost je vollständig realisiert wird, ist angesichts der aktuellen Herausforderungen alles andere als sicher.
