G7-Ölreserven sollen Heizölpreise vor der Heizsaison bremsen
Wer jetzt den Heizöltank füllen muss, spürt den Preissprung unmittelbar: Haushalte zahlen deutlich mehr als vor einem Jahr. Vor allem kleine und mittlere Einkommen geraten dadurch vor Beginn der Heizsaison unter Druck. In manchen Kellern dürfte der Blick auf die Tankanzeige deshalb für ein mulmiges Gefühl sorgen.
Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), fordert von der Bundesregierung gezielte Entlastungen bei den Energiekosten. Eine warme Wohnung dürfe kein Luxus werden, sagt die Verbraucherschützerin. Solche Hilfen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sind bislang allerdings nicht geplant.
Ölpreis steigt seit Jahresbeginn kräftig
Als Ursache der Preissteigerungen nennt der Bericht die seit Monaten stark gestiegenen Ölpreise im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent geklettert. Das wirkt sich auch auf die Inflation aus.
Die Bundesregierung setzt nun auf zusätzliche Ölmengen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte an, den G7-Beschluss zur Freigabe strategischer Ölreserven vollständig umzusetzen. Zunächst sollen Diesel und Heizöl auf den Markt kommen, später auch Rohöl. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums können bis zu 15 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte freigegeben werden.
Die G7-Staaten wollen in den kommenden vier Monaten insgesamt bis zu 100 Millionen Barrel aus strategischen Reserven bereitstellen. Vorgesehen sind Rohöl, Diesel beziehungsweise das Diesel-Vorprodukt Gasöl sowie weitere Mineralölprodukte. Wirtschaftsexperten halten den Schritt für sinnvoll und rechnen kurzfristig mit sinkenden Öl- und Kraftstoffpreisen.
Diesel bleibt der Engpass
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, verweist auf eine frühere Freigabe von 400 Millionen Barrel im Frühjahr. Das größere Angebot habe damals auch an den Tankstellen zu niedrigeren Preisen geführt. Ein ähnlicher Effekt sei nun zu erwarten, meint Stanzl.
Besonders beim Diesel könnte die Maßnahme ankommen. Die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigt den Dieseltransport weiterhin stark. Für andere Ölprodukte wurden inzwischen Alternativrouten etabliert, und der Rohöltransport aus dem Nahen Osten liegt laut Stanzl fast wieder auf Vorkriegsniveau. Beim Diesel wird dagegen nur etwas mehr als die Hälfte der Menge transportiert, die vor dem Angriff auf Iran üblich war. Die dadurch entstandenen Engpässe könnten durch die G7-Freigabe zumindest gelindert werden.
Ein praktischer Vorteil: Die strategischen Reserven liegen häufig bereits vor Ort. Die derzeit hohen Transportkosten aus dem Nahen Osten entfallen dann. Bei einem Rohölpreis von etwa 100 Dollar pro Barrel kommen laut Stanzl für Transporte vom Persischen Golf zusätzlich 30 bis 35 Dollar nach China beziehungsweise 7 bis 10 Dollar nach Europa hinzu.
Für eine nachhaltige Preissenkung müsste sich die Lage am Persischen Golf normalisieren. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnt, die Freigabe könne einen bestehenden Mangel lediglich zeitlich abmildern. Hält der Mangel an, reichen die Reserven irgendwann nicht mehr aus. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser erwartet, dass die angespannte Lage an den Rohöl- und Kraftstoffmärkten ein bis zwei Jahre dauern könnte. Ebenso lange könnte es dauern, die staatlichen und unternehmerischen Reserven wieder aufzufüllen.
Freigabeverordnung soll im Oktober kommen
Für die Versorgungssicherheit braucht es nach den Worten von Ministerin Reiche nicht nur verfügbares Rohöl. Auch funktionierende Transportwege und Raffinerien zur Herstellung von Diesel, Heizöl und Kerosin seien erforderlich. Die Bundesregierung will dem Bundesrat am 16. Oktober eine entsprechende Freigabeverordnung zur Billigung vorlegen.
Für Besitzer von Ölheizungen bleibt damit vieles offen: Die zusätzlichen Mengen können den Markt kurzfristig beruhigen, eine dauerhafte Lösung sind sie nicht. Wer seinen Tank auffüllen muss, sollte außerdem nicht jedem auffällig günstigen Angebot hinterherlaufen. Ramona Pop warnt vor Betrügern, die im Internet vermeintliche Heizöl-Schnäppchen anbieten. Vor einer Bestellung lässt sich die Vertrauenswürdigkeit eines Anbieters kostenlos mit dem „Fakeshop-Finder“ der Verbraucherzentralen prüfen. Ein paar Minuten Kontrolle sind allemal besser als ein leerer Tank und Ärger im Bauch.
