US-Inflation zieht an: Energiepreise und teure Kredite setzen Haushalte und Bauwirtschaft unter Druck
Steigende Preise machen den Alltag in den USA erneut spürbar schwerer. Ein Bericht des US-Arbeitsministeriums zeigt für September einen Verbraucherpreisanstieg von 0,6 Prozent – den stärksten monatlichen Zuwachs seit mehreren Monaten. Im Jahresvergleich lagen die Preise 3,7 Prozent höher.
Für Haushalte ist das vor allem an der Tankstelle zu merken. Benzin verteuerte sich im September um 9,1 Prozent und war laut dem Bericht für fast die Hälfte des gesamten Preisanstiegs verantwortlich. Heizöl wurde sogar 15,3 Prozent teurer, der stärkste Anstieg seit März. Wer den Tank füllt oder den Heizkessel versorgt, spürt die Zahlen nicht nur auf dem Papier.
Energie wird zum politischen Prüfstein
Donald Trump sagte, Öl sei derzeit günstiger als unter Joe Biden. Der Artikel verweist allerdings auf die Entwicklung der vergangenen Jahre: Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stieg der Rohölpreis 2022 kurzfristig auf knapp 140 US-Dollar pro Barrel. Der Benzinpreis stabilisierte sich bis Ende 2022 bei etwa 3,20 US-Dollar pro Gallone und blieb laut Artikel bis zu Trumps Amtsantritt auf diesem Niveau.
Inzwischen liegt der nationale Durchschnittspreis für Benzin dem Bericht zufolge bei 4,33 US-Dollar pro Gallone. Eine erkennbare Strategie der Trump-Regierung gegen die steigenden Preise nennt der Artikel nicht. Das Weiße Haus veröffentlichte im Juni die Botschaft „Vertraut Trump“, später folgte „Vertraut dem Prozess“. Für Menschen, die an der Zapfsäule stehen, ist das freilich keine Preisanzeige.
Zusätzlichen Zündstoff liefert die Außenpolitik. Trump soll vor den Zwischenwahlen neue Angriffspläne gegen den Iran angefordert haben, falls diese nötig würden. Der Artikel führt den Einmarsch in den Iran und neue Zölle als Entscheidungen an, die zur wirtschaftlichen Lage beigetragen hätten.
Löhne verlieren, Kredite werden teurer
Während die Preise nach oben klettern, kommen die Einkommen nicht hinterher. Nach Angaben der „New York Times“ sanken die Stundenlöhne im August um 0,5 Prozent. Im Jahresvergleich gingen sie um 0,7 Prozent zurück und lagen damit ungefähr auf dem Niveau zu Beginn von Trumps erster Amtszeit.
Das Ergebnis ist unerquicklich: Die Löhne stagnieren, die Preise steigen weiter. Für viele Familien bedeutet das weniger Spielraum beim Einkauf, beim Tanken und bei größeren Anschaffungen. Auch am Bau kann so etwas schnell durchschlagen, wenn Material, Transport und Finanzierung gleichzeitig mehr kosten.
Analysten erwarten, dass die US-Notenbank Ende Oktober über eine erneute Zinserhöhung diskutieren könnte – kurz vor den Zwischenwahlen. Höhere Zinsen sollen die Nachfrage bremsen und damit die Inflation dämpfen. Sie machen Kredite aber zugleich teurer. Das trifft Unternehmen ebenso wie private Haushalte, die etwa ein Haus finanzieren oder Investitionen verschieben müssen.
Keine schnelle Entspannung in Sicht
Eine kurzfristige Trendwende bei Preisen, Inflation und Löhnen ist nach Einschätzung des Artikels nicht absehbar. Zwischen politischen Entscheidungen, Energiepreisen und der Geldpolitik hängt derzeit vieles zusammen. Und irgendwo dazwischen versucht der normale Haushalt, mit dem Monatsbudget auszukommen – Tankrechnung inklusive.
Quelle: Rolling Stone
