27. September 2026, Bauwirtschaft: Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) will den Wohnungsbau mit niedrigeren Baukosten wieder stärker in Gang bringen. Ihrer Einschätzung nach ist das möglich, ohne dass die Qualität darunter leiden muss. Bauen sei zu teuer geworden, sagte Hubertz beim Gewerkschaftstag der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Kassel. Gleichzeitig gebe es Möglichkeiten gegenzusteuern.

Wie das aussehen kann, zeigt aus ihrer Sicht ein Modellprojekt in Hamburg. Dort prüfen Beteiligte aus Wirtschaft, Politik und verschiedenen Baugewerken gemeinsam, wo sich sparen lässt. Im Mittelpunkt stehen weniger Ausstattung und effizientere Prozesse: keine Tiefgarage, etwas schmalere Wände und Balkone, die nicht an das Gebäude angemauert, sondern davor aufgestellt werden. Der Gedanke dahinter ist schlicht, aber nicht ganz ohne Tücken: Handlungsspielräume nutzen, während die Gesamtqualität erhalten bleibt.

Weniger Aufwand, nicht weniger Qualität

Für Hubertz ist die Bauwirtschaft weit mehr als ein einzelner Teil des Immobilienmarkts. Rund 2,6 Millionen Menschen arbeiten in der Branche – dreimal so viele wie in der Automobilindustrie. Außerdem fließt jeder zweite in Deutschland investierte Euro in den Bau. Wenn dort die Kosten steigen oder Projekte ausgebremst werden, spürt das also schnell das ganze Land.

Ein weiterer Ansatz liegt im seriellen und modularen Bauen. Diese Bauweisen gelten als schnelle, kostengünstige und zugleich qualitätsvolle Möglichkeit, die steigende Wohnungsnachfrage zu bedienen. Die Baukostensenkungskommission identifizierte sie als mögliche Antwort auf den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Vorgefertigte Elemente, wiederholbare Abläufe – auf dem Papier klingt das nüchtern, auf der Baustelle kann es Zeit und Geld sparen.

Rahmenvertrag ebnete den Weg

Beim Wohngipfel am 21. September 2018 bestätigten Bund, Länder und Kommunen im Rahmen der gemeinsamen Wohnraumoffensive das Ziel, serielles und modulares Bauen weiter voranzutreiben. Mit maßgeblicher Unterstützung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) wurde noch 2018 der GdW-Rahmenvertrag für seriellen und modularen Geschosswohnungsbau abgeschlossen.

Nach Angaben der Bauwirtschaft schuf dieser Vertrag eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Produktionskapazitäten auszubauen. Die Wohnungswirtschaft begann, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Wenige Monate nach Abschluss der Vereinbarung war ein erstes Projekt fertiggestellt, weitere Vorhaben sind in Planung.

Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) trat der Rahmenvereinbarung mit Unterstützung des BMI bei. Sie plant, Wohnungen für Bundesbedienstete ebenfalls seriell und modular zu errichten. Begleitet wird die Umsetzung durch Kommunikation mit Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen und der Öffentlichkeit sowie durch Expertengremien.

Erfahrungen sollen weiterwandern

Das BMI evaluiert die Umsetzung im Rahmen seiner Ressortforschung. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse sollen unter anderem auf den bundeseigenen und kommunalen Wohnungsbau übertragen werden. Für die Praxis heißt das: Nicht jedes Gebäude muss gleich aussehen, aber Abläufe, Bauteile und Kosten lassen sich womöglich besser planen.

Zwischen schmalerer Wand, aufgestelltem Balkon und industriell gefertigten Bauteilen bleibt allerdings die alte Baustellenfrage bestehen: Was kann weg, ohne dass am Ende etwas Wichtiges fehlt? Genau dort treffen sich die Hamburger Erprobung und der serielle Wohnungsbau – beim Versuch, schneller und günstiger zu bauen, ohne die Gesamtqualität aus dem Blick zu verlieren.