MAI International: Geschäftsführer Groinigg erhöht Anteil auf 49 Prozent
Bei der MAI International GmbH in Feistritz an der Drau werden die Eigentumsverhältnisse neu geordnet. Geschäftsführer Gervin Groinigg erwirbt weitere 39 Prozent und erhöht seinen Anteil damit von bisher zehn auf 49 Prozent. Raiffeisen Continuum bleibt mit künftig 51 Prozent beteiligt.
Langfristig soll MAI vollständig von Groinigg übernommen werden. An der Geschäftsführung, am Standort und an der Belegschaft ändert sich dadurch nichts. Auch der Kurs bleibt gleich: Innovation sowie Forschung und Entwicklung stehen weiterhin im Mittelpunkt.
Nachfolge mit dem Management
Raiffeisen Continuum war vor knapp drei Jahren im Rahmen eines Management-Buy-outs in die Unternehmensnachfolge eingestiegen. Damals hielt der Investor 90 Prozent der Anteile, Groinigg zehn Prozent. Der heutige Geschäftsführer war zuvor Vertriebsleiter und übernimmt nun gemeinsam mit Raiffeisen Continuum die weitere Nachfolge.
Der Schritt passt zu Raiffeisen Continuum. Die Gesellschaft mit Sitz in Wien ist auf Nachfolgelösungen für österreichische KMU spezialisiert und unterstützt bewährte Managementteams mit Eigenkapital auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Geschäftsführer Boris Pelikan bezeichnete die Beteiligung des Managements als Teil der Unternehmensnachfolge. Die Raiffeisen Landesbank Kärnten ist langjähriger Bankpartner von MAI.
Begleitet wurde die Transaktion von BDO Deal Advisory als Lead-M&A-Sell-side-Advisor der Eigentümer. BDO unterstützte die Verkäuferseite über den gesamten Prozess hinweg – von der Vorbereitung über die Käuferansprache und die Verhandlungsführung bis zum Closing. Im BDO-Team arbeiteten Christoph Ernst, Ivelin Ivanov und Florian Henkel. Veröffentlicht wurde die Deal-Card am 28. Dezember 2023.
Von Trockenmörtel bis zum Betondruck
Das 1965 gegründete Unternehmen ist im Maschinenbau zu Hause. MAI bietet seit mehr als 40 Jahren Maschinen zum Mischen, Pumpen und Fördern von Baustoffen im Hoch- und Tiefbau an. Aus dem Betrieb entwickelte sich ein Anbieter für Trockenmörtelverarbeitung, Injektionstechnik, Tunnel- und Bergbau, Geothermie, Estrich- und Schaumbeton sowie 3D-Betondruck.
International arbeitet MAI außerdem in der Verputztechnik. Die Produkte aus Kärnten werden bei Projekten in Europa, Südamerika, Australien und Japan eingesetzt. Entwickelt und produziert wird weiterhin in Feistritz an der Drau.
Am Standort beschäftigt MAI 27 Menschen, 21 davon kommen aus der unmittelbaren Umgebung. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei 17 Jahren. Das ist im Maschinenbau kein kleiner Wert – und man kann sich in der Werkhalle gut vorstellen, wie viel Erfahrung sich dort in Gesprächen, Handgriffen und vermutlich auch in den einen oder anderen alten Geschichten gesammelt hat.
3D-Betondruck verlässt das Versuchslabor
Seit 2017 arbeitet MAI intensiv am 3D-Betondruck. Das Unternehmen liefert unter anderem Mischtechnik, Dosierung und Druckköpfe für Materialhersteller, Forschungseinrichtungen und Start-ups. Nach eigener Einschätzung wechselt der 3D-Betondruck gerade vom Forschungsthema in den Markt.
Weitere Wachstumsimpulse erwartet sich MAI von Investitionen in Bergbau, Infrastruktur und Tunnelbau. Gerade dort werden robuste Maschinen und verlässliche Verfahren gebraucht – nicht bloß schöne Versuchsaufbauten. Für den Standort Feistritz bedeutet das: Die Arbeit bleibt vor Ort, während die Anwendungen weit über Kärnten hinausreichen.
Eine Übergabewelle für Österreich
Der Eigentümerwechsel bei MAI fällt in eine Zeit, in der Unternehmensnachfolge in Österreich deutlich an Gewicht gewinnt. Für die Jahre 2025 bis 2034 werden rund 52.500 übergabereife Unternehmen erwartet, Ein-Personen-Unternehmen sind dabei nicht eingerechnet. Das entspricht knapp 23 Prozent aller Arbeitgeberunternehmen; betroffen sind etwa 705.000 Beschäftigte.
Der demografische Wandel und strukturelle Veränderungen machen Nachfolgelösungen außerhalb der Unternehmerfamilie wichtiger. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) richtet deshalb gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) eine Nachfolge-Taskforce ein. Sie soll die Rahmenbedingungen für Betriebsnachfolgen systematisch analysieren, Handlungsempfehlungen und Pilotprojekte entwickeln und nachhaltige Verbesserungen bei Unternehmensübergaben anstoßen.
Das zehnköpfige Expertengremium wird für zwei Jahre berufen; eine erneute Nominierung ist möglich. Den Vorsitz übernimmt Univ.-Prof. Dr. Reinhard Prügl, Vorstand des Vienna Institute for Family Business (VIF) an der WU Wien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei der Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien, Innovation, Transformation und Nachfolge. Außerdem ist er als Vortragender, Berater sowie in Aufsichts- und Beiräten tätig.
- Mag. Dr. Katharina Alzinger-Kittel ist Geschäftsführerin des Weinguts Alzinger GmbH und weiterer Familienunternehmen in den Bereichen Handel, Immobilienverwaltung und Energieerzeugung. Wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit Konflikten in mehrgenerationengeführten Familienunternehmen während Übergabeprozessen; außerdem war sie Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Niederösterreich.
- Mag. Maria Buchegger gründete und besitzt die Praxis F R E I Raum Buchegger. Die klinische und Gesundheitspsychologin sowie eingetragene Mediatorin arbeitet unter anderem in der Familien- und Wirtschaftsmediation, besonders bei Unternehmensnachfolgen und Familienbetrieben.
- Univ.-Prof. Dr. Astrid Deixler-Hübner leitet das Projekt „Kontinuität und Bestandsicherung von Familienunternehmen“ und ist Vorsitzende der Gesellschaft für Familien- und Vermögensrecht. Sie lehrt an den Universitäten Wien und Krems und publiziert vor allem zum Zivil- und Zivilverfahrensrecht.
- Hon.-Prof. (FH) Mag. Albert Walter Huber ist Geschäftsführer und Inhaber von Camelot Consulting. Seine Schwerpunkte sind Unternehmensnachfolge, Unternehmenskauf und -verkauf, Betriebsübergaben, Unternehmensbewertung und M&A. Er ist Autor des Buches „Betriebsübergabe – Betriebsübernahme an/durch familienexterne Personen und Unternehmen“ sowie Sprecher der Experts Group Übergabe-Consultants der WKO.
- Mag. Peter Voithofer ist Institutsleiter und Mitgründer des Instituts für Österreichs Wirtschaft, Unternehmensberater, Lektor und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Er arbeitet zu Unternehmenslebenszyklus, Nachfolge, M&A, Restrukturierungen, Sanierungen und Schließungen.
- Notar Mag. Klaus Schöffmann, MBL, LLM ist öffentlicher Notar in Klagenfurt am Wörthersee und verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. Er ist unter anderem bei Unternehmensgründungen, Betriebsübergaben, Vermögensübertragungen und Erbfällen tätig und hat sich in den Bereichen Familienunternehmen, Vermögensplanung und Unternehmervorsorgevollmacht weitergebildet.
- Mag. Birgit Schwabl-Drobir leitet seit 2019 die Abteilung KMU im BMWET, mit einem Schwerpunkt auf Unternehmensnachfolge. Zuvor war sie unter anderem Chief Economist der Bundeswettbewerbsbehörde und Kabinettsreferentin.
- MMag. Dr. Verena Trenkwalder, LL.M. ist Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin sowie External Consultant bei KPMG. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Fachsenats für Steuer- und Sozialrecht der KSW und Landespräsidentin der KSW Oberösterreich. Ihre Schwerpunkte liegen im Unternehmens- und Konzernsteuerrecht sowie in der Beratung von Industriebetrieben und Gesellschaftern.
- Lukas Sprenger, MSc, BSc ist Abteilungsleiter und Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft Österreich in der WKÖ. Er verantwortet unter anderem Junge Wirtschaft, Gründerservice, Start-ups, EPU, Frau in der Wirtschaft und KMU-Service und hat die Nachfolgestrategie der Jungen Wirtschaft Österreich vorangetrieben.
Auf dem Arbeitsplan der Taskforce stehen die systematische Analyse der Unternehmensnachfolge in Österreich sowie die Untersuchung aktueller Trends, Herausforderungen und Chancen. Das Gremium soll politische Entscheidungsträger beraten, den interdisziplinären Austausch zwischen Familienunternehmen, Politik und Wissenschaft fördern und praktische Erfahrungen einbinden.
Geplant sind außerdem mehr öffentliches Bewusstsein für Unternehmensnachfolge als berufliche Option, eine stärkere Verankerung des Themas im Bildungssystem und der Blick auf internationale sowie europäische Best-Practice-Modelle. Die Taskforce soll auch an neuen Unterstützungsangeboten wie „NextGen4Austria“ mitwirken. Kontakt: KMU@bmwet.gv.at.
