TUG setzt auf sieben Auszubildende gegen die Fachkräftelücke im Gleisbau
Die TUG Tief- und Gleisbau Brandenburg/H. GmbH ist vom Bauindustrieverband Ost als „Hervorragender Ausbildungsbetrieb der Bauwirtschaft 2026“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung fand bei der Lehrjahreseröffnung im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Holleben statt.
Vergeben wurde der Preis in der Kategorie für Betriebe mit bis zu 49 Mitarbeitenden. Für TUG-Geschäftsführer Matthias Finze ist die Auszeichnung eine Bestätigung für den Aufwand, den das Unternehmen in seine Ausbildung steckt: Zeit, Engagement und die persönliche Betreuung der Auszubildenden zahlen sich aus.
Ausbildung mit Schienen, Weichen und viel Praxis
Seit 2004 bildet TUG Tiefbaufacharbeiter mit Schwerpunkt Gleisbau aus. Derzeit beschäftigt das Unternehmen sieben Auszubildende. Auf dem Ausbildungsplan stehen unter anderem die Herstellung von Gleisbetten und Befestigungen, die Verlegung von Schienen und Weichen sowie die Instandhaltung und Sanierung von Gleisanlagen.
Wer auf der Baustelle lernt, bekommt es nicht nur mit Plänen und Vorschriften zu tun. Da wird angepackt, gemessen, angepasst und manchmal auch nachgebessert. Die Auszubildenden übernehmen bei TUG frühzeitig Verantwortung und sammeln praktische Erfahrungen im Berufsalltag. Persönliche Ansprechpartner und ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Arbeitsumfeld sollen dabei Halt geben, wenn es auf der Baustelle laut, staubig oder schlicht anstrengend wird.
Nach Angaben des Unternehmens ist der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften im Gleisbau hoch. TUG will deshalb berufliche Perspektiven schaffen und Wissen und Erfahrung weitergeben. Das klingt nüchtern, ist im Alltag aber ziemlich konkret: jemand nimmt sich Zeit, erklärt einen Arbeitsschritt noch einmal und schaut nicht gleich auf die Uhr.
Nachwuchs gegen eine wachsende Lücke
Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der das deutsche Baugewerbe massiv um Fachkräfte ringt. Nach Angaben des KOFA fehlten bundesweit im Juni 2025 rund 391.000 Fachkräfte. Im DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 meldeten 59 Prozent der Bauunternehmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Die Stellenüberhangquote im Bau liegt bei 36 Prozent – etwa jede dritte Stelle bleibt also unbesetzt.
Im Tiefbau beträgt die Engpassquote 62 Prozent. Damit liegt dieser Bereich vor Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klima mit 59 Prozent, Elektrotechnik mit 54 Prozent, Hochbau mit 48 Prozent und dem Ausbaugewerbe mit 45 Prozent. Gemeint sind offene Stellen, die länger als drei Monate oder dauerhaft nicht besetzt werden können.
Regional sieht die Lage unterschiedlich aus. Besonders hoch sind die Engpassquoten in Bayern mit 67 Prozent, Baden-Württemberg mit 64 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 61 Prozent. Ländliche Regionen sind generell stärker betroffen. Niedrigere Werte werden für Berlin mit 41 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 43 Prozent und Hamburg mit 44 Prozent genannt; Großstädte sind im Durchschnitt besser versorgt. In wirtschaftsstarken Regionen mit hoher Bautätigkeit bleibt der Wettbewerb um Fachkräfte trotzdem intensiv.
19.800 Abgänge, 12.340 neue Auszubildende
Jährlich scheiden etwa 19.800 Beschäftigte altersbedingt aus der Baubranche aus. Dem stehen rund 12.340 neue Auszubildende pro Jahr gegenüber. Unterm Strich ergibt das einen Nettoverlust von etwa 7.500 Fachkräften jährlich. Zusätzlich werden rund 40 Prozent der Ausbildungsverträge im Baugewerbe vorzeitig beendet. Als Gründe gelten körperliche Belastung, Arbeitsbedingungen und attraktivere berufliche Alternativen. Manche wechseln ins Facility Management, in die Industrie oder in den Vertrieb.
Der Druck reicht bis zu den Baustellenabläufen: Aufträge können nicht angenommen werden, Projektlaufzeiten verlängern sich und Zeitdruck kann die Qualität beeinträchtigen. Zugleich treibt der Wettbewerb um Fachkräfte die Lohnkosten nach oben. Wer schon im Team ist, muss dann oft mehr auffangen – und Überlastung kann wiederum zu weiteren Ausfällen führen. Ein ziemlich ungünstiger Kreislauf.
Für 2026 erwartet EY-Parthenon ein leichtes Volumenwachstum von 1,0 Prozent im Hochbau. Gleichzeitig rechnet das ifo Institut im ungünstigsten Fall mit nur 175.000 fertiggestellten Wohnungen; das politische Ziel liegt bei 400.000. Laut DIHK erwarten 83 Prozent der Unternehmen negative Folgen durch den Fachkräftemangel. Das Institut der deutschen Wirtschaft hält bis 2030 sogar eine Lücke von mehr als 500.000 Fachkräften im Baugewerbe für möglich.
Was Betriebe versuchen können
Als mögliche Lösung wird zunächst die Gewinnung internationaler Fachkräfte genannt. Über die Westbalkan-Regelung stehen sechs Länder und 50.000 Kontingentplätze im Raum. Laut den vorliegenden Angaben ist dafür keine Anerkennung nötig; eine direkte Festanstellung und Familiennachzug sind möglich. Das soll kurzfristig wirken – innerhalb von etwa vier bis acht Wochen.
Daneben steht das Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit einem Drei-Säulen-Modell aus Qualifikation, Erfahrung und Potenzial. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse kann je nach Fall erforderlich sein; Dauer und Kosten unterscheiden sich. Ganz ohne Papierkram geht es also nicht immer.
Die zweite Strategie setzt auf Nachwuchs und wirkt langfristig, ab etwa drei Jahren. Genannt werden übertarifliche Ausbildungsvergütung, moderne Ausstattung, digitale Tools, Kooperationen mit Schulen und Berufsberatung sowie eine sichtbare Präsenz in sozialen Medien. Genau hier zeigt sich, warum die Arbeit von Ausbildungsbetrieben wie TUG mehr ist als ein Eintrag in einer Statistik.
Für die Bindung vorhandener Mitarbeiter empfehlen die Fachleute wettbewerbsfähige Gehälter und Zusatzleistungen, Gesundheitsförderung und ergonomische Arbeitsplätze, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie eine wertschätzende Unternehmenskultur. Die vierte Möglichkeit ist die Aktivierung der stillen Reserve: Wiedereinstiegsprogramme für ehemalige Fachkräfte, Schulungen für Quereinsteiger mit Grundqualifikation, Teilzeitmodelle für ältere Mitarbeiter und Kooperationen mit der Arbeitsagentur für Umschulungen.
Als Quellen für die Einordnung werden der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, der KOFA-Fachkräftereport Bau, die ifo-Bauprognose und die Bundesagentur für Arbeit genannt. Bei TUG beginnt die Antwort auf die Lücke derweil ganz praktisch: mit sieben Auszubildenden, Gleisbetten, Schienen, Weichen – und Menschen, die ihnen zeigen, wie’s geht.
