Caterpillar legt für kleine Bauunternehmer offenbar einen Milliardenhebel um. Am 29. September vereinbarte der US-Maschinenbauer die Übernahme der John Fabick Tractor Company, kurz Fabick Cat. Einen Tag später kündigte Caterpillar Investitionen von rund 1 Mrd. US-Dollar in North Carolina an. Geplant ist unter anderem ein neues Werk in Sanford für Kompaktraupenlader und Teleskoplader. Beide Schritte zielen auf den Bau- und Vermietungsbereich – also auf jene Kundschaft, die nicht gleich mit einer Flotte von 50 Maschinen auf der Baustelle auftaucht.

Die Caterpillar-Aktie notierte bei 826,35 US-Dollar. Das mittlere TIKR-Kursziel bis 31. Dezember 2030 liegt bei etwa 1.060 US-Dollar, der Analystenkonsens bei rund 976 US-Dollar. Das TIKR-Modell errechnet daraus eine potenzielle Gesamtrendite von ungefähr 29 Prozent, verteilt auf etwa 6 Prozent pro Jahr. Heute ist der 2.10.2026; die Zahlen sind also eine Momentaufnahme, keine Garantie für den nächsten Baggerlöffel voller Gewinne.

Kleine Käufer, große Lücke

Im zweiten Quartal 2026 setzte das Segment Construction Industries 8,346 Mrd. US-Dollar um – 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Power & Energy kam auf 8,238 Mrd. US-Dollar und wuchs um 17 Prozent. Zu diesem Bereich gehören unter anderem Generatoren für Rechenzentren. Das Baugeschäft hatte zuvor allerdings Federn gelassen: Die Bauumsätze sanken von 27,418 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 auf 25,060 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025.

CEO Joe Creed sagte am 10. September, Caterpillar habe Teile des Baugeschäfts möglicherweise nicht ausreichend bedient. Gemeint sind vor allem kleinere Käufer, die von Cat Compact angesprochen werden. Wer nur eine oder zwei Maschinen besitzt, kauft oft nur alle paar Jahre. Creed bezeichnete diesen Kundenbereich zugleich als schnell wachsenden Teil der Bauindustrie.

Der Auftragsbestand im Baugeschäft ist gestiegen. Trotzdem sind die meisten Bauprodukte nicht in gleichem Maß kapazitätsbeschränkt wie die Produkte von Power & Energy. Caterpillar fährt deshalb bestehende Werke hoch und will die Produktion stärker an den Händlerverkäufen an Endkunden ausrichten. Das Werk in Sanford soll langfristig zusätzliche Kapazität schaffen. Rund die Hälfte der Zollkosten im Baugeschäft dürfte nach Einschätzung des Unternehmens anfallen.

Für kleinere Kunden beginnt die Beziehung zum Hersteller nicht selten mit einem Mietvertrag. Laut Creed mieten sie häufig Maschinen, bevor sie ihre erste eigene kaufen. Die Mietleistungen der Händler unterscheiden sich allerdings stark: Die Händler legen ihre Preise selbst fest, und Caterpillar gibt keine Zielgröße für die Händlerflotte vor. Ein Joint Venture mit Händlern soll dem Konzern helfen, auch bei Großprojekten mitzuhalten, wenn die Flotte eines einzelnen Händlers nicht reicht.

Fabick Cat: 37 Standorte und ein Eigentümerwechsel

Fabick ist seit mehr als 100 Jahren Cat-Händler und betreut Teile von Missouri und Illinois, den gesamten Bundesstaat Wisconsin sowie die Upper Peninsula von Michigan. Das Unternehmen betreibt in diesem Vertriebsgebiet 37 Standorte. Zum Angebot gehören Cat-Maschinen für Infrastrukturarbeiten und Landwirtschaft, außerdem Hubarbeitsbühnen und Notstromaggregate.

Für Caterpillar wäre Fabick der Übergang eines Händlers in den eigenen Besitz. Der Umfang bleibt begrenzt. Caterpillar spricht von einem nahtlosen Eigentümerwechsel und will den bisherigen lokalen Support und Kundenservice fortführen. CEO Joe Creed erklärte, man wolle gemeinsam mit dem Fabick-Team den jahrhundertelangen Erfolg ausbauen, das Kundenerlebnis stärken und langfristiges Wachstum fördern.

Fabick-CEO und Chairman Jeré Fabick verwies auf die mehr als 100-jährigen Kundenbeziehungen und die Arbeit des Teams. COO Todd Stanley sagte, die Zusammenarbeit mit Caterpillar werde den Zugang zu Dienstleistungen, Technologie und Fachwissen erweitern. Ob Caterpillar den Händler langfristig selbst betreiben wird, ließ das Unternehmen offen. Finanzielle Bedingungen wurden nicht veröffentlicht.

Die Transaktion muss von den zuständigen Behörden genehmigt werden und unterliegt weiteren üblichen Abschlussbedingungen. Der Abschluss wird innerhalb von 30 Tagen beziehungsweise bis Ende Oktober erwartet. Viel Papier, viele Unterschriften – und irgendwo dazwischen die Hoffnung, dass der Kunde am Ende nicht länger auf den Servicetechniker wartet.

Caterpillar erzielte 2025 einen Umsatz und Erlös von 67,6 Mrd. US-Dollar; in den detaillierteren Prognosen wird für 2025 ein Umsatz von 67,589 Mrd. US-Dollar ausgewiesen. Das Unternehmen produziert Bau- und Bergbaumaschinen, Diesel- und Erdgasmotoren, industrielle Gasturbinen sowie dieselelektrische Lokomotiven. Die Geschäfte sind in Power & Energy, Construction Industries und Resource Industries gegliedert. Hinzu kommen ein weltweites Händlernetz und Finanzierungsangebote über Cat Financial.

Was die Aktie daraus machen müsste

Der Konsens erwartet, dass der Umsatz von 67,589 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa 99 Mrd. US-Dollar im Jahr 2028 steigt. Der normalisierte Gewinn je Aktie soll sich von 19,06 auf ungefähr 39 US-Dollar nahezu verdoppeln. Für das dritte Quartal erwartet Caterpillar laut 10-Q-Bericht ein starkes Umsatzwachstum im Baugeschäft.

Der TIKR-Konsens rechnet für den Gesamtkonzern mit rund 20,4 Mrd. US-Dollar Umsatz im dritten Quartal, etwa 16 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der erwartete bereinigte Gewinn je Aktie liegt bei ungefähr 6,92 US-Dollar. Wächst der Baubereich deutlich stärker als der Gesamtkonzern, würde das den angestrebten Wandel stützen. Fällt das Bauwachstum dagegen auf das Tempo des Konzerns zurück, könnte das auf eine nachlassende Erholung hindeuten.

Bewertet wird Caterpillar mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate von 28,75. Deere liegt bei 31,77, Cummins bei 15,74. Im mittleren TIKR-Szenario erreicht die Aktie bis Ende 2030 etwa 1.060 US-Dollar. Gegenüber 826,35 US-Dollar wären das rund 29 Prozent Gesamtrendite oder ungefähr 6 Prozent jährlich. Das klingt ordentlich, liegt aber deutlich unter der durchschnittlichen jährlichen Rendite von 33,7 Prozent aus den vergangenen fünf Jahren.

Das größte Risiko sieht TIKR bei Power & Energy. Für neue Industriekapazitäten von etwa 100 Gigawatt könnte langfristig ein Überangebot entstehen, sobald das Angebot mit der Nachfrage gleichzieht. Ein wachsendes Baugeschäft könnte diesen Übergang abfedern. Sollte sich aber auch der Bau abschwächen, wird die Luft dünner.

Vom Dampftraktor zum globalen Händlernetz

Die Geschichte des Unternehmens beginnt nicht mit gelben Baggern, sondern mit Dampf und schwerem Metall. 1889 fertigte Daniel Best in den USA Dampftraktoren. 1890 brachte sein Konkurrent Benjamin Holt ebenfalls einen Dampftraktor auf den Markt. Holt entwickelte 1904 ein Kettenlaufwerk, damit schwere Traktoren auf weichen Böden nicht versanken. 1905 verglich der Fotograf Charlie Clements die wellenförmige Bewegung mit dem Kriechen einer Raupe – „caterpillar“. Holt übernahm die Bezeichnung und ließ sie später patentieren.

1908 verkaufte Best sein Unternehmen an Holt. Bests Sohn gründete 1913 ein neues Unternehmen für Kettentraktoren unter der Marke Tracklayer. 1925 fusionierten Best und Holt zur Caterpillar Tractor Company. Danach ging es Schlag auf Schlag: 1928 übernahm Caterpillar die Russell Grader Manufacturing Company, ab 1931 wurden Motorgrader hergestellt. 1951 folgte die Übernahme der Trackson Company of Milwaukee mit der Marke Traxcavator; das Unternehmen hatte Caterpillar-Raupen bereits seit 1936 mit Räumschilden und Ladeschaufeln ausgerüstet.

Ab 1950 wurden die zuvor per Seilzug betriebenen Anbaugeräte hydraulisch gesteuert. Ab 1951 fertigte Caterpillar Rohrverleger für den Pipelinebau. 1956 begann die Produktion von Radladern, 1959 kamen die ersten Caterpillar-Radlader – zunächst mit starrer Vorderachse und lenkbarer Hinterachse. 1963 führte das Unternehmen die Knicklenkung ein. Anfang der 1970er Jahre startete die Entwicklung und Fertigung von Hydraulikbaggern.

Die Expansion führte weit über klassische Baumaschinen hinaus. 1981 übernahm Caterpillar die Gasturbinensparte Solar Turbines Industrial Division von International Harvester, 1985 den Hersteller knickgelenkter Muldenkip