Mitten in Đà Lạt wird am Hồ Xuân Hương gebaut, repariert und aufgeräumt. Der See liegt im Zentrum der Stadt, ist beliebter Treffpunkt und wichtige Touristenattraktion – für viele zugleich das Wahrzeichen, ja das „Herzstück“ von Đà Lạt. 1988 wurde er zum nationalen Landschaftsschutzgebiet erklärt.

Heute, am 28.09.2026, zeigt sich allerdings auch die weniger hübsche Seite des Gewässers. Ein Abschnitt des Uferdamms ist abgesackt und hat ein großes Loch. Nach rund 15 Jahren seit den letzten Verstärkungsarbeiten sind viele Damm- und Böschungsabschnitte beschädigt oder abgesackt; an mehreren Stellen klaffen Lücken.

Mehr als 92 Milliarden VND für die Ufer

Das Projektpaket Nr. 9 umfasst die Instandsetzung, Instandhaltung und Sanierung der Ufer- und Böschungssysteme rund um den See. Vorgesehen sind Bau- und Ausrüstungsarbeiten mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 92 Milliarden VND. Verantwortlich ist die Investitions- und Bauprojektmanagementbehörde der Region Da Lat. Der Abschluss ist bis November 2028 vorgesehen.

Das Uferbefestigungssystem wurde ab 1998 errichtet und 2010 erstmals repariert und verstärkt. Nun soll ein 5.120 Meter langer Uferschutzdamm instandgesetzt werden. Hinzu kommt der 510 Meter lange Schutzdamm zwischen den Inseln Thuy Ta und Bich Cau. Auch das Grundablass-Schleusentor wird repariert und erneuert.

Neue Schleusentore sollen gefertigt und installiert werden, damit die Regulierung des Wasserstands wieder funktioniert. Während der zunächst etwa zweijährigen Bauarbeiten sollte der Wasserstand konstant gehalten werden; eine vollständige Entleerung des Sees sei zunächst nicht erforderlich gewesen. Nach den damaligen Angaben hätten die Arbeiten weder die Wasserregulierungsfunktion noch das Erscheinungsbild der Umgebung wesentlich beeinträchtigt.

Inzwischen muss der Investor den See jedoch vollständig entwässern, um die Bauarbeiten durchführen zu können. Das ist ein deutlicher Eingriff – und einer, den man am „Herzstück“ der Stadt nicht einfach nebenbei erledigt.

Ein verschmutztes Reservoir speist den See

Parallel dazu hat Đà Lạt 48 Milliarden VND für die Sanierung des Hồ Lắng 2 genehmigt. Das Projekt soll von 2026 bis 2028 umgesetzt werden. Das Reservoir liegt nahe der Kreuzung der Straßen Trần Quốc Toản, Nguyên Tử Lực und Trạng Trình und mündet in den Hồ Xuân Hương.

Laut lokalen Behörden ist der Hồ Lắng 2 stark mit Sediment und Abfällen belastet. Derzeit ist das Gebiet trocken; Vegetation und Trümmer bedecken Teile des Reservoirs. An einigen Stellen fließt übel riechendes Wasser in den See und bildet sichtbaren weißen Schaum. Kein Anblick, bei dem man lange stehen bleiben möchte.

Geplant ist, einen Hektar des Reservoirs auszubaggern und einen umgebenden Deich zu bauen. Außerdem soll eine 400 Meter lange Uferstraße entstehen. Die Entwässerung in den umliegenden Wohngebieten wird modernisiert, Beleuchtung und Geländer werden installiert.

Die Stadtregierung verbindet die Maßnahmen mit einer besseren Wasserqualität, dem Schutz des Sees und der Verbesserung der städtischen Umwelt. Bei starken Regenfällen soll das Überschwemmungsrisiko in tiefer gelegenen Stadtgebieten sinken. Zugleich geht es um weiteres Tourismuswachstum – ein nachvollziehbarer Spagat an einem Ort, an dem Wasserwirtschaft, Stadtleben und Ausflugsbetrieb auf engem Raum zusammenkommen.

Zwischen Schutzmauer und Schwammstadt

Wie viel Natur an einem Stadtgewässer möglich ist, hängt stark von Hochwasserschutz, Bebauung und Flächennutzungsdruck ab. Gewässerrenaturierung ist in Städten deshalb oft nur eingeschränkt möglich. Trotzdem können auch kleinere Maßnahmen ökologisch etwas bewegen und die Lebensqualität verbessern.

Konzepte wie „Schwammstadt“, naturbasierte Lösungen und grün-blaue Infrastruktur versuchen, Stadtentwicklung mit Natur und Wasser zu verbinden. Naturnahe Fließgewässer können helfen, klimatische Veränderungen abzufedern. Attraktiv gestaltete Gewässer werten das Wohnumfeld auf und können die Stadtentwicklung unterstützen. Traditionelle Nutzungen wie Transport und Stromproduktion lassen sich dabei teilweise erhalten.

Das klingt weit weg vom trockengelegten Hồ Lắng 2, ist aber genau die Frage, die sich auch in Đà Lạt stellt: Soll ein Gewässer nur funktionieren – Wasser ableiten, Pegel halten, Ufer sichern – oder darf es zusätzlich Lebensraum und öffentlicher Ort sein? Urbane Gewässer müssen auf engem Raum Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge leisten, Wasserqualität und Hygiene sichern, Regen- und Schmutzwasser ableiten und erreichbar sein. Dazu kommen Freizeitangebote wie Liegewiesen, Badestellen, Grill- und Spielplätze sowie Fuß- und Radwege.

Die Ansprüche konkurrieren. Eine frühzeitige Einbindung von Kommunen, Wasserwirtschaft, Anwohnern und weiteren Interessengruppen kann helfen, Konflikte zu lösen und Synergien zu nutzen. Gerade bei einem See, an dem täglich Menschen unterwegs sind, wäre es schade, wenn solche Gespräche erst beginnen, nachdem Bagger und Bauzäune längst da sind.

Mehr als Beton am Ufer

Bauliche Veränderungen sind in Siedlungsbereichen häufig nur begrenzt möglich. Verbesserungen der Gewässerdurchgängigkeit sowie von Sohle und Ufern sind jedoch in vielen Fällen umsetzbar. Hinweise dazu bietet die DWA in den Merkblättern M 609-1 und M 609-2.

Querbauwerke dienen unter anderem dem Hochwasserschutz, der Schifffahrt und der Wasserkraftnutzung. In ihren Staubereichen können sich Sedimente ablagern, zugleich wird die Durchgängigkeit beeinträchtigt. Rückbau oder Auf- und Abstiegshilfen können den Transport von Geschiebe sowie die Wanderung und Ausbreitung von Tieren und Pflanzen ermöglichen. Hochwasser- und Gebäudeschutz sowie gegebenenfalls die bestehende Wasserspiegellage müssen dabei berücksichtigt werden.

Bei Durchlässen und Verrohrungen sind eine durchgängige Sohle und naturnahe Strukturen wichtig. Störsteine und Lichtschächte können die Durchwanderbarkeit überbauter oder dunkler Abschnitte verbessern. Auch die Ufer selbst müssen nicht zwangsläufig aus vollständig abgedichteten Pflasterungen oder betonierten Böschungen bestehen. Ingenieurbiologische Bauweisen, etwa mit Holz, oder offene Bauweisen wie Trockenmauern sind möglich – vorausgesetzt, die Standfestigkeit bleibt auch bei starker Strömung erhalten.

Viele urbane Flüsse und Bäche verlaufen in technischen Profilen mit verbauter Sohle. Strukturreiche Sohlen fördern dagegen naturnahe Entwicklung und die Vernetzung von Lebensräumen. Wenn eine Erweiterung über die Ufer hinaus nicht möglich ist, kann zumindest die Sohle naturnäher gestaltet werden: Naturstein-Sohlenriegel, Buhnen und Störsteingruppen erhöhen Struktur- und Strömungsvielfalt; selbst in technischen Profilen können Kies und Vegetation Wirkung zeigen.

Manchmal ist der einfachste Schritt der unspektakulärste. Eine naturnahe Gewässerunterhaltung gilt als vergleichsweise einfache und kostengünstige Maßnahme. Standorttypische Wasserpflanzen dürfen wachsen, Totholz kann im Gewässer bleiben, Böschungen lassen sich seltener, abschnittsweise und einseitig mähen.

Beispiele gibt es bereits: In Bad Neuenahr-Ahrweiler ersetzten größere Steine und Blöcke den massiven Sohlverbau. In einem überbauten Bach wurden Störsteine und Lichtschächte eingebaut. Ein technisches Gewässerprofil wurde durch Kies und Vegetation an der Sohle aufgewertet. Die renaturierte Murg bei Rastatt veränderte sich sechs Jahre nach den Maßnahmen von 2012 eigendynamisch.

Am Hồ Xuân Hương geht es zunächst um Dämme, Schleusentore, Sediment und Wasserstand. Zwischen Straßenkreuzungen, Ufermauern und touristischem Trubel bleibt aber Raum für die grundsätzliche Frage, wie ein See mitten in der Stadt künftig aussehen und sich anfühlen soll.