Münchener Pilotprojekte zum Gebäudetyp E: Innovative Ansätze für kostengünstiges Bauen in Österreich
Heute ist der 22.10.2026 und wir blicken nach München, wo eine Delegation der ARGE Eigenheim Niederösterreich unter der Leitung von Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zwei Tage lang auf Erkundungstour war. Das Hauptaugenmerk lag auf den deutschen Pilotprojekten zum „Gebäudetyp E“ – einem Konzept, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich an Bedeutung gewinnt. In einer Zeit, in der die Baukosten durch die Decke gehen und die Anforderungen an Planung und Bau ständig steigen, ist das Thema aktueller denn je. Gemeinsam mit dem Verband der deutschen Wohnungswirtschaft (VdW Bayern) wurden verschiedene innovative Ansätze beleuchtet, die möglicherweise auch für den österreichischen Wohnbau von Interesse sind.
Besichtigt wurden unter anderem das Münchner Kreativquartier und der Stadtteil Laim – Orte, die für ihre zukunftsweisenden Bauprojekte bekannt sind. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr war ebenfalls Teil dieser spannenden Reise. Hier zeigt sich, dass Österreich und Deutschland vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Steigende Baukosten, technische Standards, hohe Anforderungen und die Komplexität des Wohnbaus sind nur einige der Probleme, die es zu lösen gilt. Das Ziel des „Gebäudetyp E“ ist es, Freiräume für einfachere und kreativere Lösungen bei Planung und Bau zu schaffen.
Der Gebäudetyp E im Fokus
Der „Gebäudetyp E“ ist kein standardisierter Gebäudetyp, sondern ein Ansatz, der die Möglichkeit bietet, auf nicht zwingend erforderliche Standards zu verzichten, ohne dabei die wichtigen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen außer Acht zu lassen. Pilotprojekte, die wissenschaftlich von der Technischen Universität Braunschweig begleitet werden, untersuchen, welche technischen Standards möglicherweise vereinfacht werden können, um relevante Kosteneinsparungen zu erzielen. In den deutschen Projekten wurden beeindruckende Baukosteneinsparungen von etwa 11 bis 16 Prozent erzielt – ein Anreiz, der auch für die Baupraxis in Österreich von Bedeutung sein könnte.
Die Initiative geht auf einen Vorschlag der Bayerischen Architektenkammer zurück und wird von verschiedenen Akteuren unterstützt. Sie zielt darauf ab, innovative und individuelle Lösungen für klima- und ressourcenschonendes Bauen zu finden. Ein weiteres Ziel ist es, das Planen und Bauen einfacher, günstiger und schneller zu gestalten. In diesem Kontext hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) am 20. November 2025 gemeinsame Eckpunkte zum Gebäudetyp E veröffentlicht. Diese sollen es den Vertragsparteien ermöglichen, rechtssicher einen Gebäudetyp-E-Vertrag abzuschließen.
Die Herausforderungen in Österreich
In Österreich plant die ARGE Eigenheim, gemeinsam mit gemeinnützigen Bauvereinigungen ein ähnliches wissenschaftlich begleitendes Pilotprojekt umzusetzen. Dabei sollen nicht nur die Münchner Erfahrungen, sondern auch die spezifischen Gegebenheiten in Österreich berücksichtigt werden. Der Ansatz hebt hervor, dass eine bloße Übertragung des deutschen Modells nicht ausreicht. Insbesondere sind rechtssichere Regelungen für die zivilrechtliche Seite von großer Bedeutung. Wohnbauträger dürfen nicht mit zusätzlichen Anforderungen konfrontiert werden, wenn sie bereits ordnungsgemäß nach der Bauordnung planen und ausführen.
Das Konzept des Gebäudetyp E könnte auch für Bestandsbauten Anwendung finden, etwa bei Aufstockungen oder Hinterhofbebauungen. Die Herausforderung bleibt, den Balanceakt zwischen notwendigen Bauanforderungen und der Vermeidung unnötiger Komplexität zu meistern. Der Architekt Florian Nagler hat bereits in drei Forschungshäusern in Bad Aibling einfachere und kostengünstigere Bauweisen untersucht. Die gesammelten Erkenntnisse aus 19 Pilotprojekten in Bayern zeigen, dass es durchaus Potenziale für Erleichterungen gibt, die auch in Österreich von Interesse sein könnten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Diskussion um den Gebäudetyp E zeigt deutlich, dass die Suche nach Lösungen für bezahlbaren Wohnraum nicht nur eine Frage des Bauens an sich ist, sondern auch rechtliche und wirtschaftliche Aspekte im Blick behalten muss. Das Bundesjustizministerium schätzt das mögliche Einsparpotenzial auf bis zu 8 Milliarden Euro jährlich. Gleichzeitig gibt es Bedenken, dass durch solche Vereinfachungen die Wohnstandards leiden könnten. Gleichzeitig wird diskutiert, ob die neuen Regelungen auch für private Bauherren von Bedeutung sein könnten – ein Thema, das noch viel Raum für Debatten lässt.
Eines ist klar: Die Herausforderungen im Wohnungsbau sind groß, aber die Ansätze, die in Deutschland und Österreich verfolgt werden, könnten der Schlüssel zu einem besseren und bezahlbareren Wohnraum sein. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Projekte entwickeln und welche Lehren daraus gezogen werden können.
