Artà auf Mallorca will beim Tourismus deutlich auf die Bremse steigen. Der Gemeinderat stimmte am 28. Oktober mehrheitlich für eine Änderung des kommunalen Bau- und Flächennutzungsplans. Vorgesehen ist, die örtlichen Regeln an den mallorcaweiten Interventionsplan für Tourismusgebiete, kurz PIAT, anzupassen und die Zahl der Gästebetten Schritt für Schritt zu verringern.

Bürgermeister Manolo Galán rechnet damit, dass in den kommenden Jahren rund 20 Prozent der derzeitigen Gästebetten verschwinden. Für den Antrag votierten PSIB und El Pi, während sich Més per Mallorca und PP enthielten. Grundsätzlich waren sich alle Fraktionen einig, dass der Tourismus stärker geregelt werden soll. Gestritten wurde allerdings über das Ausmaß der Einschränkungen – und darüber, wie denkmalgeschützte Gebäude geschützt werden können.

Weniger Betten, keine neuen Kapazitäten

Die neuen Obergrenzen sollen zunächst verhindern, dass weitere Gästebetten hinzukommen. Bestehende Plätze müssten abgebaut werden, wenn sie über den künftig zulässigen Höchstwerten liegen. Nach Galáns Berechnungen könnten etwa 660 Plätze auf ausgewiesenem Bauland und weitere 200 Plätze im ländlichen Raum wegfallen.

Rund 100 Plätze dürften außerdem verschwinden, sobald die jeweils fünf Jahre gültigen Lizenzen für Ferienvermietungen in Mehrfamilienhäusern auslaufen. Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen. Dazu kommen mögliche Streichungen durch Kontrollen des Inselrats gegen illegal betriebene Ferienunterkünfte. Auch Eigentümer könnten ihre Immobilien freiwillig wieder dauerhaft als Wohnraum nutzen und ihre touristischen Angebote abmelden.

„Artà hat bei der touristischen Kapazität die Obergrenze erreicht“, erklärte Galán. Als Gründe nannte er den Wohnungsmangel, die touristische Überlastung und den Erhalt des Ortscharakters. Gerade im Wohnungsbau ist das ein empfindlicher Punkt: Wo Feriengäste mehr Platz beanspruchen, wird es für Menschen, die dauerhaft dort leben, oft schlicht enger.

Die Stadtverwaltung hatte eine Studie zur aktuellen touristischen Situation in Auftrag gegeben. Untersucht wurden die Verteilung der bestehenden Unterkünfte, ihre Auswirkungen auf die Wohnbevölkerung und die Belastung der einzelnen Ortskerne. Im Juli 2025 zählte Artà laut Studie 4.336 offiziell registrierte Touristenunterkünfte: 3.540 Privatunterkünfte und 796 Unterkünfte in Beherbergungsbetrieben.

Der Druck verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig. Einige Küstenorte sind stärker belastet als andere. Deshalb soll für jeden Ort und auch für die ländlichen Gebiete eine eigene maximale touristische Kapazität gelten. Wo die Grenze bereits erreicht oder überschritten ist, soll das Wachstum begrenzt werden; in einzelnen Fällen kann die Zahl bestehender Unterkünfte sinken. Neue touristische Unterkünfte in Wohngebieten sollen schwerer genehmigt werden.

Konkrete Grenzen für die einzelnen Orte

Die vorgeschlagene Raumordnung geht teilweise über die Vorgaben des Consell de Mallorca hinaus. Die Kapazitäten sollen stärker an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Auf ausgewiesenem Bauland gelten nach dem Entwurf folgende Obergrenzen:

Ort Maximale Zahl touristischer Plätze
Artà höchstens sechs Touristenplätze pro Hektar, insgesamt 588 Plätze
Colònia de Sant Pere 152 Plätze
Montferrutx 293 Plätze
s’Estanyol 90 Plätze
Betlem 160 Plätze
Sant Pere 174 Plätze

Rechnerisch läge die zulässige Zahl auf Bauland damit 661 Plätze unter dem heutigen Bestand. Für ländlichen Grund ist eine Obergrenze von 2.000 Touristenplätzen vorgesehen – ebenfalls weniger als aktuell vorhanden. Zwei Jahre lang sollen Genehmigungsverfahren und Lizenzen ausgesetzt werden, die mit den neuen Vorschriften nicht vereinbar sind.

Der Vorschlag war bereits den zuständigen informativen Ausschüssen vorgestellt worden und wurde nun dem Gemeinderat zur vorläufigen Entscheidung vorgelegt. Nach der ersten Zustimmung liegt der Entwurf 45 Werktage öffentlich aus. In dieser Zeit können Einwände eingereicht werden. Parallel holt die Gemeinde Stellungnahmen der zuständigen Behörden ein. Danach folgen die vorläufige Zustimmung des Gemeinderats und die endgültige Entscheidung durch den Inselrat, den Consell de Mallorca.

Ein Plan, dessen Umsetzung Fragen aufwirft

Der PIAT wurde im Juli 2020 beschlossen, als MÉS per Mallorca an der Regierung des Consell de Mallorca beteiligt war. Sein Ziel: die touristische Aktivität räumlich zu ordnen und ihr Wachstum zu begrenzen. Der Plan sieht auch eine Höchstzahl touristischer Plätze vor.

Am 22. August 2026 warf MÉS dem Consell de Mallorca in Palma allerdings Versäumnisse bei der Umsetzung vor. Die Partei reichte neue Fragen ein, um zu prüfen, was sechs Jahre nach der Verabschiedung tatsächlich umgesetzt wurde. Hinweise auf eine Begrenzung reichten angesichts des zunehmenden touristischen Drucks und der Sorgen über Überfüllung nicht aus, erklärte MÉS.

Gefragt wurde unter anderem nach kommunalen Planungen, Plänen zur umfassenden touristischen Sanierung, Projekten zur Verbesserung der Landschaft und besonderen Regelungen für Strandzugänge. Außerdem wollte MÉS wissen, wie viele Gemeinden ihre städtebaulichen Planungen fristgerecht an den PIAT angepasst haben und welche Maßnahmen der Consell ergriffen hat, wenn das nicht geschehen ist.

Weitere Fragen betreffen den im PIAT vorgesehenen Inselplan für touristische Mobilität. MÉS erkundigte sich auch nach den Pflichten von Mietwagenunternehmen, vor allem danach, ob sie über ausreichend private Stellflächen für ihre Fahrzeugflotten verfügen. Zudem verlangt die Partei Informationen über neue touristische Plätze und Betriebe, die den PIAT-Vorgaben entsprechen müssen.

Eine von Präsident Llorenç Galmés mehrfach angekündigte Senkung der Obergrenze sei bislang nicht umgesetzt worden, kritisierte MÉS. Catalina Inés Perelló, Sprecherin der Partei im Consell de Mallorca, fordert eine Kontrolle jedes touristischen Platzes und jedes Betriebs. In Artà beginnt diese Kontrolle nun zumindest auf dem Papier mit neuen Zahlen, neuen Grenzen und einem Verfahren, das noch einige Runden drehen muss, bevor es endgültig gilt.