Krise im Wohnungsbau: Zinserhöhungen und Auftragsmangel gefährden die Zukunft
Heute ist der 19.10.2026 und die Stimmung im Wohnungsbau könnte nicht gedrückter sein. Laut dem Ifo-Institut hat sich die Lage im September weiter verschlechtert. Das Geschäftsklima fiel von -22,5 Punkten im August auf -25,1 Punkte. Das ist schon ein ordentlicher Rückgang. Besonders die Aussichten für die kommenden Monate werden düsterer. Unternehmen sind skeptischer als zuvor – und das hat seine Gründe.
Eine der Hauptursachen für diese Entwicklung? Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Maßnahme führt zu höheren Finanzierungskosten und sorgt dafür, dass viele Bauprojekte einfach nicht mehr wirtschaftlich sind. Die Auftragsbücher bleiben leer, und eine Belebung ist nicht in Sicht. Im September meldeten 41,3 Prozent der Unternehmen Auftragsmangel, das bleibt im Vergleich zum Vormonat unverändert. Und die Anzahl der stornierten Projekte? Die stieg von 13,4 auf 14,1 Prozent. Das sind alarmierende Zahlen, die zeigen, wie angespannt die Situation wirklich ist.
Materialengpässe und ihre Bedeutung
Ein Lichtblick? Materialengpässe spielen im Wohnungsbau weiterhin eine eher geringe Rolle. Im September waren nur 4,2 Prozent der Unternehmen betroffen, nach 2,9 Prozent im August. Das klingt zunächst positiv, doch im Vergleich zu anderen Branchen bleibt dieser Anteil niedrig. Dennoch ist es die schwache Auftragslage, die als zentrale Herausforderung gilt. Für eine nachhaltige Erholung müssen mehr Bauvorhaben tatsächlich umgesetzt werden.
Schaut man auf die übergeordneten Zahlen, wird das Bild noch düsterer: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit 2012. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf rund 185.000 neue Wohnungen prognostiziert. Das ist ein richtig harter Schlag, wenn man bedenkt, dass der jährliche Bedarf laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bei etwa 320.000 Wohnungen liegt. Die Zielvorgabe der Bundesregierung war einst sogar bei 400.000 Fertigstellungen pro Jahr. Da ist noch ein weiter Weg zu gehen!
Die Auswirkungen der Zinspolitik
Die EZB hat seit Juli 2022 den Leitzins von nahezu null auf mehr als vier Prozent erhöht, um die Inflation zu bekämpfen – ein Schritt, der unter anderem durch externe Schocks wie den Ukraine-Krieg und die gestiegenen Energiepreise notwendig wurde. Aber diese Zinserhöhungen bringen auch unliebsame Folgen mit sich. Bei einem Bauvorhaben über zehn Millionen Euro können die jährlichen Mehrkosten durch einen Zinsanstieg um zwei Prozentpunkte bis zu 200.000 Euro betragen. So wird es für viele Bauprojekte einfach unhaltbar.
Ökonom Heiner Flassbeck hat die Zinserhöhungen scharf kritisiert. Er warnt vor den möglichen negativen Folgen für die Bauwirtschaft. Und die Zahlen sprechen für sich: Im Baugewerbe lag die Insolvenzdichte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bei 44,0 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Das berührt nicht nur die großen Bauträger, sondern auch kleinere Bauunternehmen und Dienstleister, die unter den gestiegenen Kosten und der geringeren Nachfrage nach Immobilien leiden.
Die Situation ist komplex und erfordert dringend politische Maßnahmen, um die Bautätigkeit zu beleben und den Wohnraummangel zu bekämpfen. Ein verlässlicher und kontinuierlicher staatlicher Förderrahmen könnte der Branche helfen, aus dieser Krise herauszukommen. Denn der Mangel an bezahlbarem Wohnraum erschwert nicht nur die Besetzung offener Stellen in betroffenen Regionen, sondern kann auch das Wirtschaftswachstum bremsen. Ein Teufelskreis, aus dem es zu entkommen gilt.
