Familien können ab dem 1. November 2026 dauerhaft für 99,99 Euro mit der Deutschen Bahn im Fernverkehr reisen. Der Preis gilt für eine Hin- und Rückfahrt und schließt die ICE-Sitzplatzreservierung ein. Verkauft wird das Ticket ab dem 26. Oktober 2026 – zu den Konditionen, die bereits beim Sommerangebot galten.

Bahn-Chefin Evelyn Palla kündigte die dauerhafte Aufnahme des zunächst nur für die Sommerferien angebotenen Familientickets laut dpa in der „Bild am Sonntag“ an. Nach Angaben der Bahn nutzten in den Sommerferien rund 100.000 Familien mehr als im Vorjahreszeitraum die Bahn. Für Eltern, Kinder und das Urlaubsbudget klingt das erst einmal erfreulich. Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte die befristete Aktion allerdings kritisiert: Die Buchungsfrist sei zu kurz gewesen, weil Familien ihre Sommerreisen meist schon im Winter oder Frühjahr planten. Außerdem forderte der Verband ein vergleichbares Angebot für Fahrten ins benachbarte Ausland.

99,99 Euro und trotzdem keine schnelle Lösung

Beim Thema Pünktlichkeit dämpfte Palla die Erwartungen. Das Schienennetz sei über Jahre vernachlässigt worden, viele Anlagen seien zu alt, störanfällig und fielen häufig aus. Die Erneuerung könne nur Schritt für Schritt erfolgen; Versäumnisse der vergangenen Jahre ließen sich nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren aufholen.

Auch die Hitze macht der Bahn zu schaffen. Viele Anlagen seien nicht für mehrere Tage mit Temperaturen über 35 Grad ausgelegt. Unter anderem könnten Weichenantriebe bei großer Hitze ausfallen. Eine rasche Verbesserung sei deshalb nicht zu erwarten. Die Sanierung des Schienennetzes werde mindestens zehn Jahre dauern; spürbare Fortschritte seien erst zu erwarten, wenn ein großer Teil der Anlagen erneuert worden sei.

Wie zäh die Lage ist, zeigen die jüngsten Zahlen: Im September war fast jeder zweite Fernverkehrszug verspätet, die Pünktlichkeitsquote verschlechterte sich gegenüber dem Vormonat. Auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover verlängern Bauarbeiten die Fahrzeit voraussichtlich 14 Monate lang um rund 80 Minuten. Da sitzt man dann länger im Zug – mit etwas Glück wenigstens auf dem reservierten Platz.

Die Zahlen hinter dem Ärger

Im ersten Halbjahr 2026 lag die Pünktlichkeit im DB-Konzern Schiene in Deutschland bei 87,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 87,9 Prozent, im Gesamtjahr 2025 89,4 Prozent. Der DB-Schienenpersonenverkehr kam auf 87,5 Prozent nach 88,0 Prozent im ersten Halbjahr 2025 und 89,5 Prozent im Jahr 2025.

Bereich 1. Halbjahr 2026 1. Halbjahr 2025 Gesamtjahr 2025
DB Fernverkehr 58,7 % 60,1 % 63,4 %
Reisendenpünktlichkeit im DB Fernverkehr 63,2 % 65,5 % 68,7 %
DB Regio 88,2 % 88,7 % 90,2 %
DB Cargo Deutschland 64,5 % 67,7 % 67,8 %

Als Gründe nennt die Deutsche Bahn den schlechten Zustand der Anlagen: Überalterte und überlastete Infrastruktur, etwa bei Stellwerken, Gleisanlagen und Brücken, verursachte Störungen und zahlreiche Langsamfahrstellen. Dazu kam intensive Bautätigkeit. Korridorsanierungen schränkten die Kapazität ein, Umleitungsstrecken waren stark ausgelastet, Fahrzeiten verlängerten sich. Kurzfristig nötige Bauarbeiten machten den Betrieb zusätzlich kompliziert.

Auf bereits stark belasteten Korridoren bündelten sich weitere Verkehre. Zugfolgeverspätungen und die daraus entstehenden Staueffekte erreichten im ersten Halbjahr ein neues Allzeithoch. Ein kräftiger Wintereinbruch zu Jahresbeginn erhöhte bundesweit die Infrastrukturstörungen, im Juni sorgte eine Hitzeperiode unter anderem für mehr Anlagenstörungen. Nach dem schwierigen Jahresbeginn stabilisierte sich die Pünktlichkeit zunächst – bis die Hitzewelle kam.

Mehr Puffer, neue Technik, viel Arbeit

Ganz still steht die Bahn trotz der Probleme nicht. In kritischen Phasen wurde der Betrieb möglichst weitgehend aufrechterhalten, Reisende wurden unterstützt. Mit dem „Digitalen Befehl“ soll die Kommunikation zwischen Zugverkehrssteuerung und Triebfahrzeugpersonal digitalisiert werden.

Die Taskforce zuverlässige Bahn beschloss auf Grundlage der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ 22 kurzfristig umsetzbare Maßnahmen. Dazu gehört die Stabilisierung stark belasteter Knoten, unter anderem mit zusätzlichen zeitlichen Betriebspuffern. Die sogenannte Pufferminute wird seit dem Fahrplanwechsel 2025/2026 auf ausgewählten Strecken eingesetzt; ab 2027 sollen weitere Strecken folgen. Auch sogenannte Flex-Abfahrten sollen häufiger genutzt werden.

Bei der Qualitätsoffensive Hamburg–Hannover wurden zwischen Mai und Juli 2026 Bahnhöfe, Gleise, Weichen, Brücken und Oberleitungen modernisiert. Ziel war eine kurzfristige Verbesserung der Infrastruktur und der Betriebsqualität. In Bayern läuft ebenfalls ein technischer Ausbau: Seit Ende Februar 2026 ist auf der Nord-Süd-Verbindung München–Ingolstadt zwischen Petershausen und Rohrbach eine erweiterte linienförmige Zugbeeinflussung, kurz LZB, in Betrieb. Sie überwacht Geschwindigkeit und Zugabstände kontinuierlich; die zulässige Geschwindigkeit stieg dort von 160 auf 190 km/h.

Zusätzliche Einstellungen sowie mehr Ausbildung und Qualifizierung sollen außerdem Verspätungen und Angebotsausfälle wegen Personalmangels reduzieren. Bis diese Maßnahmen im Alltag ankommen, bleibt das neue Familienticket der greifbarere Teil der Nachricht: ab 26. Oktober buchbar, ab 1. November gültig, 99,99 Euro für hin und zurück – und hoffentlich ohne allzu lange Wartezeit am Bahnsteig.