Die Deutsche Bahn gibt sich ein neues Gesicht. Seit dem 1. September 2026 führt der Konzern ein überarbeitetes Markendesign ein, das heute, am 26. September 2026, an immer mehr Kontaktpunkten sichtbar wird. Logo und rote Farbwelt bleiben unangetastet. Der bekannte „DB-Keks“ bleibt also, wo er ist.

Neu ist vor allem das grafische Herzstück: Der bisherige „Puls“, eine wiederkehrende rote Linie der Peter Schmidt Group, wird durch die „Schwelle“ ersetzt. Entwickelt wurde die Neuausrichtung von der Strategieagentur of Unicorns&Lions und der Brandingagentur Strichpunkt Identity; Strichpunkt verantwortet die weitere Ausarbeitung, Umsetzung und Implementierung. Den Auftrag für das Corporate Design hatte die Agentur bereits im Sommer 2023 erhalten.

Die Schwelle ersetzt den Puls

Das neue Element orientiert sich an den Bahnschwellen des Schienennetzes. Es besteht aus vertikalen Balken und kann je nach Anwendung ganz unterschiedlich auftreten: als Rhythmus auf Plakaten, als Übergang in Bewegtbildern oder als strukturierender Hintergrund. Die Schwellen sollen Dynamik und den Weg der DB nach vorn darstellen – und zugleich den Anspruch sichtbar machen, täglich besser für die Kundinnen und Kunden zu werden.

Aus der Form entstehen außerdem sogenannte „Signature Graphics“. Diese Symbole und Grafiken können je nach Kontext verschiedene Aufgaben übernehmen, etwa ein Reiseziel darstellen oder als Piktogramm dienen. Das Schwellenmuster verbindet die unterschiedlichen Kommunikationsmittel optisch miteinander. Ergänzend bleiben die grundlegende Typografie, das DB-Logo und die bisherige Farbwelt zentrale Bestandteile der Marke.

Typografisch tritt die Bahn künftig kräftiger auf. Headlines werden im extrafetten Schnitt „DB Neo Head ExtraBlack VF“ gesetzt. Die bisher verwendete Schrift „DB Neo Screen Head Black“ wird dafür ersetzt. Dazu kommen reduzierte Icons, unter anderem für Bahnhöfe und Orientierungspunkte, sowie das Leitmotiv „MACHEN“.

„Die Macher:innen“ im Mittelpunkt

Die neue Markenpersönlichkeit trägt den Namen „Die Macher:innen“. Gemeint sind Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen umsetzen und Verbesserungen vorantreiben. Diese Haltung soll nicht bloß auf Plakaten stehen, sondern in Werbung, digitalen Angeboten und an Bahnhöfen spürbar werden. Auch die neuen Schwellen verweisen auf die Beschäftigten, die sich jeden Tag für eine bessere Bahn einsetzen.

Das Erscheinungsbild soll laut Unternehmen „klar, entschlossen, kraftvoll und dynamisch“ wirken. Der Konzern will damit ein einheitliches Markenerlebnis schaffen – über Werbemittel und Messeauftritte, digitale Plattformen und Produkte wie Speisekarten in Zügen hinweg. Mitarbeitende finden die neuen Vorlagen direkt in Word und PowerPoint; passende E-Mail-Signaturen und Teams-Hintergründe stehen ebenfalls bereit.

Hinter dem neuen Auftritt steht der 2025 eingeleitete Konzernumbau. Im Zentrum stehen Verlässlichkeit, Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Das Redesign soll diesen laufenden Transformationsprozess sichtbar machen. Weil die Deutsche Bahn im öffentlichen Alltag ständig präsent ist, wird das Rebranding nicht irgendwo im Kleingedruckten verschwinden: Es taucht an Bahnhöfen, in Zügen und in digitalen Anwendungen auf.

Schritt für Schritt in den Alltag

Die Einführung erfolgt schrittweise an ausgewählten Kundenkontaktpunkten. Erste Anwendungen sind in Kampagnen für die BahnCard und die S-Bahn Berlin zu sehen. Ebenfalls auf Plakaten zu Direktverbindungen zwischen deutschen Großstädten ist das neue Erscheinungsbild bereits angekommen. Erste digitale Anwendungen wurden schon umgestellt, darunter die Website deutschebahn.com.

Parallel werden die Konzernwebsite und das Intranet DB Planet angepasst. Nach dem Start wurde das Design auch im DB-Markenportal unter einer eigenen Unterseite implementiert. Die Fachmesse InnoTrans Ende September 2026 soll der erste öffentliche Messeauftritt im neuen Erscheinungsbild sein.

Jens-Oliver Voß, seit September 2023 Leiter Kommunikation und Marketing der Deutschen Bahn, begründet die Neuausrichtung mit unterschiedlichen Designlösungen innerhalb des Konzerns. Diese hätten zusätzlichen Aufwand und Kosten verursacht. Künftig sollen deshalb keine gestalterischen Sonderlösungen mehr zugelassen werden. Ein einheitlicher Auftritt, weniger Reibungsverluste – klingt zunächst trocken, dürfte sich aber auf unzähligen kleinen Flächen bemerkbar machen.

Neue Optik im Reformkurs

Für Martell Beck, seit Juni 2024 Chief Marketing Officer der Deutschen Bahn und Nachfolger von Jürgen Kornmann, steht die „Schwelle“ für Bewegung und den Weg nach vorn. Je nach Einsatzbereich kann sie unterschiedlich gestaltet und verwendet werden. Das macht sie flexibler als ein starres Muster, bringt aber auch eine gewisse Spannung mit: Wiedererkennung soll entstehen, ohne dass jede Anwendung gleich aussieht.

Die Neubesetzungen von Martell Beck und Jens-Oliver Voß stehen im Zusammenhang mit dem von Bahn-Chefin Evelyn Palla vorangetriebenen Modernisierungs- und Reformkurs. Das neue Design soll dabei als sichtbares Zeichen des Konzernumbaus dienen. Ob es auch dazu beiträgt, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. An Bahnhöfen, in Zügen und auf den Bildschirmen der Reisenden beginnt dieser Test jedenfalls schon – Balken für Balken.