Erik Riss holt dritten Langbahn-WM-Titel trotz einer wilden Baustelle auf zwei Rädern
Erik Riss ist zum dritten Mal Langbahn-Weltmeister. Beim Saisonfinale in Marmande reichte dem 31-Jährigen der dritte Platz im Finale, um den Titel nach 2014 und 2016 erneut zu holen. Acht Punkte Vorsprung auf Dave Meijerink standen am Ende zu Buche. Für Riss war es allerdings kein ruhiger Meisterschaftstag, eher eine ziemlich wilde Baustelle auf zwei Rädern.
Mit zwei souveränen Laufsiegen kam der Deutsche zunächst stark in den Wettbewerb. Gegen Chris Harris gab er einen Punkt ab, gewann danach aber gleich den nächsten Lauf und schien direkt auf Finalkurs. Dann kam Heat 19. Riss startete nur als Dritter, überholte Dave Meijerink und Anthony Chauffour und übernahm die Führung. In der zweiten Runde war plötzlich Schluss: ein technischer Defekt.
Defekte, Reparaturen und ein schwer erarbeiteter Titel
Ein Schraubenkopf zerstörte im letzten Vorlauf den Antriebszahnriemen. Riss fiel dadurch in der Zwischenwertung vom ersten auf den vierten Platz zurück. Lukas Fienhage gewann den letzten Vorlauf vor Harris und drängte ihn damit endgültig aus den drei direkten Finalplätzen. Meijerink, Harris und Fienhage waren direkt qualifiziert, Riss musste in den Last-Chance-Lauf.
Auch dort blieb ihm Ärger nicht erspart. Auspuffkrümmer und Auspuff rissen, zusätzlich brach der Schleifschuh. Der gesamte Abgastrakt wurde ausgebaut, damit keine Teile auf die Bahn fielen und Riss womöglich ausgeschlossen worden wäre. Trotz der Schäden gewann er den Last-Chance-Heat vor Kenneth Kruse Hansen. Der Däne wurde später wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert.
Während des Laufs hatte Riss außerdem einen deutlichen Geschwindigkeitsverlust bemerkt. Danach wurde die Kupplung repariert – und vor dem Finale stellte sich heraus, dass sie schon wieder verschmort war. Viel mehr Pech passt kaum in einen Renntag. Trotzdem rollte Riss ans Startband.
Harris gewinnt, Riss hält Fienhage auf Abstand
Im Finale ließ der bereits als Weltmeister feststehende Riss Chris Harris und Dave Meijerink zunächst ziehen. Harris setzte sich vom inneren Startplatz vor Meijerink durch und gewann das Rennen. Riss wurde langsamer, Lukas Fienhage kam ihm mehrfach näher. Der Deutsche verteidigte den dritten Platz aber knapp und machte damit den Titel endgültig fest.
Harris erhielt 26 WM-Punkte und überholte in der Gesamtwertung Lukas Fienhage und Zach Wajtknecht. Der Sieg in Marmande brachte ihn auf Rang drei der Weltmeisterschaft. Fienhage hätte Harris mit einem Punkt mehr noch verdrängen können, wenn er Riss im Finale überholt hätte.
Wegen Punktgleichheit wurde kein Stechen um Silber oder Bronze ausgetragen. Harris’ Tagessieg entschied zugunsten von Zach Wajtknecht und gegen Fienhage. Wajtknecht, Weltmeister von 2025, hatte zuvor im zweiten Last-Chance-Lauf gegen Jesse Mustonen verloren und dadurch sowohl das Finale als auch eine WM-Medaille verpasst.
Die Ergebnisse von Marmande
| Platz | Fahrer | Land | WM-Punkte | Vorlaufpunkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Chris Harris | GB | 26 | 18 |
| 2 | Dave Meijerink | NL | 24 | 16 |
| 3 | Erik Riss | D | 22 | 19 |
| 4 | Lukas Fienhage | D | 20 | 16 |
| 5 | Jesse Mustonen | FIN | 18 | 18 |
| 6 | Zach Wajtknecht | GB | 16 | 17 |
| 7 | Mika Meijer | NL | 15 | 17 |
| 8 | Kenneth Kruse Hansen | DK | 14 | 13 |
| 9 | Tero Aarnio | FIN | 13 | 13 |
| 10 | Jake Mulford | GB | 12 | 13 |
| 11 | William Kruit | NL | 11 | 12 |
| 12 | Tino Bouin | F | 10 | 10 |
| 13 | Patrick Kruse | DK | 9 | 10 |
| 14 | Anthony Chauffour | F | 7 | 8 |
| 15 | Glenn Moi | N | 6 | 6 |
| 16 | Niek Meijerink | NL | 5 | 5 |
| 17 | Darryl Ritchings | GB | 4 | 4 |
| 18 | Ashton Vale | GB | 3 | 3 |
| 19 | Jan Hlacina | CZ | 2 | 2 |
| 20 | Theo Ugoni | F | 1 | 0 |
| 21 | Noah Urda | F | nicht gestartet | – |
Neue WM-Plätze für Aarnio und Meijer
Tero Aarnio und Mika Meijer rückten in die Top 8 der Gesamtwertung vor und sicherten sich damit einen WM-Platz für das kommende Jahr. Patrick Kruse und William Kruit fielen nach Platzierungen außerhalb der Top 10 in Marmande aus den Top 8.
Mit seinem dritten Titel zog Riss im Medaillenspiegel mit Ivan Mauger, Egon Müller, Kelvin Tatum und Martin Smolinski gleich. Auf der Bahn in Marmande roch es dabei wohl weniger nach großer Ehrung als nach heißem Motor, Abgas und Reparaturstress. Riss dürfte das egal gewesen sein. Der Pokal ist da.
