GDL-Streik legt Saarbahn lahm: Tarifkonflikt um TramTrain-Fahrer eskaliert
Fahrgäste der Saarbahn müssen heute, am 26.09.2026, mit Einschränkungen rechnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder und weitere Beschäftigte der Saarbahn zum Streik aufgerufen. Beginn sollte um 3 Uhr nachts sein; wie lange der Ausstand dauert, war zunächst unklar.
Hintergrund ist ein festgefahrener Tarifkonflikt zwischen der GDL und dem Verkehrsunternehmen. Die Gewerkschaft fordert einen eigenen Tarifvertrag für TramTrain-Fahrer. Die Saarbahn und der kommunale Arbeitgeberverband Saar wollen die Tarifpartnerschaft mit der GDL dagegen nicht fortsetzen.
Streit um das Ende der Tarifpartnerschaft
Am 27. August 2026 schrieben KAV-Saar-Geschäftsführer Stefan Spaniol und Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel an die GDL. Ihr Vorschlag: ein „geordnetes und wertschätzendes Auslaufen der Tarifpartnerschaft“ zwischen Saarbahn und GDL.
In ihrer Antwort verweist die GDL auf mehrere Punkte aus diesem Schreiben. Genannt werden unter anderem Bestandssicherungen für GDL-Mitglieder, die Anwendung des § 4a TVG (Tarifeinheitsgesetz), die Direktvergabe der Saarbahn-Leistungen im Jahr 2029 sowie Veränderungen bei den tariflichen Bedingungen und der Beschäftigtenstruktur.
Die Gewerkschaft stellt sich gegen die Vorstellung, dass die Arbeitgeber über den künftigen Tarifpartner entscheiden könnten. Allein die Arbeitnehmer bestimmten durch ihre Gewerkschaftszugehörigkeit, wer sie tariflich vertrete, erklärt die GDL. Bei einer Urabstimmung hätten laut Gewerkschaft 100 Prozent der Beschäftigten für Streiks gestimmt. Bis dahin habe es mehr als 650 Streikstunden in 23 Streikmaßnahmen gegeben – jeweils mit 100-prozentiger Beteiligung.
GDL sieht Koalitionsfreiheit berührt
Den Vorschlag zum Ende der Tarifpartnerschaft wertet die GDL als Missachtung dieser Entscheidung und als Eingriff in die grundgesetzlich garantierte Koalitionsfreiheit. Die Verweigerung von Verhandlungen führe zu weiteren Streiks und gefährde das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des öffentlichen Personen- und Schienenverkehrs in der Region Saarbrücken.
Nach Darstellung der Gewerkschaft würden zugleich hohe Steuergeldbeträge gegen die tariflichen Forderungen der Beschäftigten eingesetzt, statt diese Mittel dafür bereitzustellen. Die Arbeitgeber hätten sich in ihrem Schreiben wiederholt als „attraktiven Arbeitgeber“ bezeichnet. Attraktivität, entgegnet die GDL, müsse sich durch konkrete Maßnahmen zugunsten der Beschäftigten zeigen.
Auch eine nach dem Tarifabschluss 2026 nachverhandelte Ergänzung des TV-N Saar ändere daran nichts. Die sogenannten Bestandssicherungen schlössen eine Absenkung des Tarifniveaus nach Ansicht der GDL nicht aus. Sie seien nur bei einer Absenkung erforderlich, wirkten jeweils nur im betreffenden Zeitpunkt und erfassten spätere Verbesserungen nicht – etwa eine weitere Arbeitszeitverkürzung oder Stufenaufstiege. Dadurch verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen. Einer solchen Entwicklung könne die GDL ihren Mitgliedern gegenüber nicht zustimmen.
Vom Bekenntnis zum Abbruch der Verhandlungen
Die Gewerkschaft spricht von einem Richtungswechsel. Noch am 19. Juni 2026 hätten sich die Arbeitgeber zur Tarifpartnerschaft mit der GDL bekannt und damals die Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes ausgeschlossen. Anschließend seien die dritten Tarifverhandlungen laut GDL ohne sachlichen Grund abgebrochen worden.
Die Arbeitgeber verwiesen wiederholt auf besondere Bedingungen der Saarbahn und leiteten daraus einen Anspruch auf Tarifverträge mit geringerem Niveau ab. Die GDL hält dagegen: Die Saarbahn nehme nicht am Wettbewerb teil, während andere GDL-Tarifpartner dies müssten und dabei erfolgreich seien. Entscheidend seien die konkreten Arbeitsbedingungen der Lokomotivführer.
Ob „Saarbahn-Fahrer“ oder „TramTrain-Fahrer“ – unabhängig von der Bezeichnung handele es sich um Lokomotivführer und damit um Beschäftigte, die zum Kernbereich der GDL gehörten. Für Lokomotivführer gebe es bundesweit einheitliche tarifvertragliche Regelungen. Einen Grund, Saarbahn-Beschäftigte tariflich geringer zu bewerten als Lokomotivführer in anderen Unternehmen, sieht die Gewerkschaft nicht.
Auswirkungen auf Saarbrücken und die Region
Die GDL lehnt das „Auslaufen der Tarifpartnerschaft“ ab und fordert die Arbeitgeber auf, die Tarifverhandlungen fortzusetzen. Diese sollten von Einigungswillen, Anerkennung und Wertschätzung der Beschäftigten sowie leistungs- und verantwortungsgerechten Arbeitsbedingungen für Lokomotivführer geprägt sein. Unterzeichnet wurde die Antwort von GDL-Bundesvorsitzendem Mario Reiß und Thomas Gelling, Geschäftsführer der Tarifabteilung.
Die Saarbahn betreibt nach eigenen Angaben die Stadtbahn- und Buslinien in Saarbrücken. Ihr Nahverkehrsnetz reicht außerdem in die Region. Für Fahrgäste heißt das heute: ein Blick auf die Verbindung lohnt sich, bevor es zur Haltestelle geht – und ein wenig Zeitreserve kann vermutlich nicht schaden.
