Die Deutsche Bahn hat die 278 Kilometer lange Strecke zwischen Hamburg und Berlin seit dem 14. Juni 2026 wieder vollständig für den Zugverkehr freigegeben. Der Ersatzverkehr ist beendet. Seit dem 1. August 2025 war die wichtige Verbindung wegen der Korridorsanierung voll gesperrt – für Reisende bedeutete das Umwege, Busse und reichlich Geduld.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) kritisiert trotzdem das Tempo und die bisherigen Ergebnisse der Bahn. Besonders unzufrieden ist er mit der Sanierung des Korridors Berlin–Hamburg. Lange Sperrungen seien Pendlern schwer zu erklären, wenn sich die Lage danach nicht ausreichend verbessere. Bilger will sich nun mit allen Beteiligten beraten und anschließend die Sanierungen bewerten.

Eine Strecke unter Dauerbelastung

Durchschnittlich rund 470 Züge täglich nutzen die Verbindung, die zu den am stärksten belasteten Städteverbindungen Deutschlands zählt. Während der Vollsperrung wurden Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Berlin über Uelzen und Stendal umgeleitet. Züge nach Rostock und Stralsund fuhren über Lübeck. Im Regionalverkehr waren auf 26 Linien mehr als 170 Busse im Ersatzverkehr unterwegs.

Seit dem 15. Mai 2026 wurde der Zugverkehr schrittweise wieder aufgenommen. Der westliche Abschnitt zwischen Hamburg und Hagenow Land beziehungsweise Schwerin und Rostock war bereits an diesem Tag wieder befahrbar. Mit der vollständigen Freigabe am 14. Juni kehrte auch der Regelverkehr zwischen Hagenow Land beziehungsweise Schwerin und Berlin zurück; viele Züge konnten wieder über Wittenberge fahren. In der Anlaufphase waren allerdings Verzögerungen und Fahrplanabweichungen möglich. Gleichzeitig sorgten Bauarbeiten an der Berliner Stadtbahn für umfangreiche Anpassungen im Berliner Knoten.

Sanierungsarbeiten wurden an der Strecke, an Bahnhöfen, Stellwerken sowie an Leit- und Informationstechnik gebündelt. Bei Korridorsanierungen werden unter anderem Gleise, Weichen sowie Bahn- und Sicherheitstechnik modernisiert. Die ersten zusätzlichen Verspätungen sind laut Bilger zwangsläufig, später sollen Zustand und Zuverlässigkeit der Infrastruktur besser werden. Für Fahrgäste bedeutet das zunächst: Einschränkungen. Autofahrer müssen ebenfalls mit zusätzlichen Baustellen rechnen.

Nach der Freigabe ist nicht einfach Ruhe

Auch im September 2026 wird weiter gearbeitet. Vom 18. bis 23. September laufen Bauarbeiten zwischen Glöwen und Breddin. Zwischen Hagenow Land und Dergenthin gibt es verschiedene, teils nächtliche Arbeiten, ebenso im Bereich Wittenberge. Seit dem 5. September wird nachts zwischen Hamburg-Rothenburgsort und Büchen gebaut. Gleisarbeiten finden außerdem in Brieselang und Falkensee statt; dazu kommen nächtliche Stopfarbeiten zwischen Friesack (Mark) und Wittenberge Hafen sowie in Falkensee, Nauen und Brieselang.

In Wohltorf werden unabhängig von der Korridorsanierung Funkmasten errichtet. Nachts kann es dort deshalb lauter werden. In Schleswig-Holstein wurden ab dem 8. Juni Baustelleneinrichtungsflächen zurückgebaut. Zeitweise waren mehr Lärm und zusätzlicher Lkw-Verkehr möglich – nicht gerade Musik in den Ohren der Anwohner.

Auch an den Stationen hat sich einiges getan: 28 Bahnhöfe in der Region wurden modernisiert, 20 davon erhielten moderne Videotechnik. Das Bahnhofsgebäude in Wittenberge wurde grundlegend saniert und am 13. Juni mit einem Bürgerfest wiedereröffnet. Neue Zuganzeigemonitore hängen dort ebenfalls.

Das modernisierte elektronische Stellwerk Ludwigslust ist in Betrieb und steuert mehrere Stellwerke zwischen Ludwigslust und Dergenthin. Das Stellwerk Wittenberge war zunächst für Testzwecke wieder in Betrieb; Testfahrten wurden durchgeführt. Stellwerksarbeiten hatten zeitweise auch mehrere Nebenstrecken lahmgelegt. Mit dem Abschluss der Arbeiten am 14. Juni waren sie wieder befahrbar, darunter die Strecke Ludwigslust–Parchim.

Zusätzliche Störungen gab es rund um Uelzen und nördlich von Berlin. Wegen Bauarbeiten am Bahnhof Uelzen wurde die Ersatzverkehrshaltestelle ab dem 8. Juni vom Bahnhofsvorplatz zum ZOB in der St.-Viti-Straße verlegt. Betroffen waren die Linien RE20B, RE20X und RB47. Am 3. Juni 2026 beeinträchtigte außerdem eine Kampfmittelräumung zwischen Oranienburg und Birkenwerder den Zugverkehr nördlich von Berlin, weil auch die Strecke Rostock–Berlin im Sperrradius lag.

Mehr Züge, mehr Wettbewerb – und mehr Druck

Bilger begrüßt die Pläne des italienischen Zuganbieters Italo, künftig Verbindungen in Deutschland anzubieten. Mehr Wettbewerb im Fernverkehr könne Bahnkunden Vorteile bringen und zusätzliche Verbindungen zwischen Großstädten schaffen. Neue Angebote dürften kleinere Städte allerdings nicht schlechter anbinden und das ohnehin stark beanspruchte Schienennetz nicht zusätzlich überlasten.

Medienberichte vom 23. September 2026 richten den Blick bereits auf weitere Verbindungen zwischen Berlin und Hamburg. Flixtrain plant laut NDR ab 2027 einen Stundentakt. Auch der Deutschlandfunk berichtet über einen geplanten Stundentakt sowie Investitionen von rund 2,4 Milliarden Euro in ein eigenes Fernverkehrsnetz. Wie zusätzliche Züge, laufende Sanierungen und die Anbindung kleinerer Städte zusammenpassen sollen, ist noch offen.

Finanziell gibt es nach Bilgers Darstellung durch ein Sondervermögen größere Spielräume für die Modernisierung. Einfach aufdrehen lässt sich der Geldhahn trotzdem nicht: Planungs- und Genehmigungsverfahren, Klagen, begrenzte Baukapazitäten und die Abstimmung zwischen Bund, Bahn und Ländern bremsen die Umsetzung. Verzögerungen können die Kosten erhöhen und die Einschränkungen für Fahrgäste verlängern.

Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen lehnt Bilger ab. Er erwartet davon nur geringe Auswirkungen, eine geringe Wirkung für den Klimaschutz und eine mögliche Verärgerung vieler Menschen.

Die vorliegende PDF-Quelle zur Korridorsanierung enthält ausschließlich unlesbare PDF-Rohdaten und keine extrahierbaren Nachrichteninhalte. Auf der Strecke selbst geht es derweil weiter: nachts, abschnittsweise, mit Maschinenlärm, Umleitungen und Fahrplänen, die sich manchmal schneller verändern als einem lieb ist.