Im Großraum Gelsenkirchen sind in der Nacht an mehreren Stellen Kabel an Bahngleisen durchtrennt worden. Signale und Steuerungsanlagen fielen dadurch aus. Am Gelsenkirchener Hauptbahnhof stand der Bahnverkehr seit der Nacht vollständig still – für Reisende bedeutete das lange Wartezeiten, verpasste Anschlüsse und ziemlich viel Ungewissheit.

Die Polizei ermittelt gegen bislang unbekannte Täter wegen des Verdachts auf Kabeldiebstahl. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten am Mittag fuhren erste Züge wieder. Ganz rund lief es damit aber noch nicht: Die Deutsche Bahn rechnete bis in den Nachmittag hinein mit weiteren Störungen. Bis zum Mittag waren rund 300 Züge betroffen. Die Meldung wurde am 26. September 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Reparaturen bringen den Verkehr nur langsam zurück

Für die Reparaturteams ging es zunächst darum, die beschädigten Leitungen zu sichern und die ausgefallenen Signal- und Steuerungsanlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Erst nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, konnten erste Züge den Bereich wieder befahren. Bei einem solchen Eingriff reicht ein einzelnes repariertes Kabel freilich nicht aus – der Bahnbetrieb muss Schritt für Schritt wieder anlaufen.

Der Fall in Gelsenkirchen steht dabei nicht völlig allein. Auf Bahnanlagen in Deutschland häufen sich Sabotagefälle: Signalkabel werden durchtrennt, Stellwerke in Brand gesetzt, Strecken gesperrt. Züge fahren verspätet oder fallen aus; teils ist der Bahnverkehr tagelang beeinträchtigt. Für Fahrgäste klingt das zunächst nach einer Störung im Betriebsablauf, für die Infrastruktur kann ein solcher Angriff aber weitreichende Folgen haben.

Wer hinter Angriffen steckt, bleibt oft offen

Der Grünen-Sicherheitspolitiker Konstantin von Notz erklärte, einige Angriffe seien mit hoher Sachkenntnis und großer Wirksamkeit ausgeführt worden. Einen Zusammenhang mit hybriden Maßnahmen gegen Europa hält er für möglich. Das Bundesinnenministerium warnte zugleich davor, zu früh konkrete Verdächtige zu benennen.

Der Bundesverfassungsschutz beobachtet bereits länger eine zunehmende Zahl russischer Aktivitäten. Sinan Selen, der künftige Verfassungsschutzpräsident, sagte, Russland nutze ein breites Instrumentarium. Dabei seien sogenannte „Low-Level-Agents“ vor allem für Spionage und Sabotage relevant. Gemeint sind laut dem Artikel häufig unpolitische oder finanziell unter Druck stehende Personen, die von ausländischen Nachrichtendiensten gegen Bezahlung zu Straftaten angestiftet werden.

Innenminister Alexander Dobrindt bezeichnete diese Entwicklung als neue Bedrohung. In München müssen sich derzeit drei Männer vor dem Oberlandesgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, im Auftrag Russlands Sabotageaktionen in Deutschland geplant zu haben. Unter anderem sollen sie eine Bahntrasse zerstören wollen, über die Rüstungsgüter aus Deutschland in die Ukraine transportiert werden.

Viele Täter von Sabotagefällen werden allerdings nicht gefunden. Bei Anschlägen auf die Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf im August verwies NRW-Innenminister Herbert Reul auf ein Bekennerschreiben auf einer linksextremistischen Plattform. Deshalb hielt er es für wahrscheinlich, dass militante Linksextremisten verantwortlich waren. Der Bundesverfassungsschutz beschreibt als Motiv linksextremistischer Angriffe auf die Bahn die Ablehnung der Deutschen Bahn als größtes Logistikunternehmen der „kapitalistischen Profitwirtschaft“.

Auch Kupferdiebe kommen als Täter infrage

Im Fall Gelsenkirchen ist die Ermittlungsrichtung bislang eine andere: Die Polizei geht dem Verdacht eines Kabeldiebstahls nach. Als mögliche Tätergruppen gelten neben russischen Auftraggebern und angeworbenen „Low-Level-Agents“ auch militante Linksextremisten, gewöhnliche Kriminelle, die Signalkabel wegen des Kupferwerts stehlen, sowie Personen, die Vandalismus betreiben. Ob am Ende Geld, politische Motive oder bloße Zerstörungswut dahinterstecken, ist derzeit offen.

Für die Bahn spielt der Grund zunächst kaum eine Rolle: Wenn Kabel fehlen oder beschädigt sind, bleiben Signale dunkel, Steuerungsanlagen fallen aus und Züge kommen nicht weiter. Die EU hat deshalb neue Regelungen beschlossen. Betreiber kritischer Infrastruktur müssen ihre Schutzmaßnahmen gegen Sabotage ausweiten.

Konstantin von Notz fordert außerdem eine engere Zusammenarbeit der zuständigen Behörden von Bund und Ländern sowie regelmäßige öffentliche Lagebilder zu Angriffen und möglichen Verantwortlichen. In Gelsenkirchen mussten die Reisenden am 26. September 2026 trotzdem erst einmal abwarten, während an den Gleisen repariert wurde und der Bahnhof nur langsam wieder in Bewegung kam.