Krefelds Museumsbahn Schluff vor dem Aus: Letzte Planfahrt beendet eine Ära
Der „Schluff“ hat am 27. September 2026 seine offiziell letzte Planfahrt absolviert. Für viele Fahrgäste war die Fahrt damit eine Abschiedsfahrt – vorerst jedenfalls. Die historische Krefelder Museumsbahn gehört nach Angaben der Betreiber zu den ältesten Privatbahnen Deutschlands und prägt seit Jahrzehnten das Bild zwischen Krefeld, St. Tönis und dem Hülser Berg.
Regulär fuhr der Schluff sonntags drei Mal zwischen Krefeld St. Tönis und dem Hülser Berg. Nun ist der Fahrplan beinahe leer: Als nächste offizielle Fahrten sind derzeit nur Nikolausfahrten geplant. Fotos von der letzten Planfahrt sowie ergänzende Bilder früherer Regelfahrten dokumentieren den Abschied.
Hohe Kosten, schwierige Zukunft
Die Stadtwerke Krefeld (SWK) haben letztlich die Entscheidungsbefugnis und sind für den Betrieb verantwortlich. Der historische Zug selbst gehört einem Verein. Unterstützt wird der Schluff derzeit von verschiedenen Initiativen, doch laut dem Bericht verfügen die SWK nicht über ausreichende finanzielle Mittel, um den Betrieb fortzuführen.
Nach der laufenden Saison soll die Museumsbahn ihren Betrieb einstellen. Die Saison 2026 begann Anfang Mai, der Zug soll noch bis Dezember fahren. Der Grund liegt vor allem in den hohen Betriebskosten und einer bevorstehenden Sanierung der Schienen. Diese würde nach Angaben der Krefelder Stadtwerke mehrere Millionen Euro kosten.
Auch die laufenden Einnahmen helfen nicht genug. Ticketverkäufe und Mitgliedsbeiträge reichen nicht zur Kostendeckung. Wie teuer die Unterhaltung historischer Fahrzeuge werden kann, zeigte bereits eine vergangene Hauptuntersuchung: Sie kostete rund 800.000 Euro und musste zunächst über einen Kredit finanziert werden. Da kommt selbst bei einem gut besuchten Sonntag schnell Ernüchterung auf.
Gespräche über den Erhalt der Museumsbahn laufen. Möglich wäre ein neuer Betreiber, entschieden ist aber noch nichts. Verschrottet werden soll der Schluff jedenfalls nicht. Stattdessen ist vorgesehen, den Zug als stehendes Denkmal zu erhalten. Wo dieses Denkmal künftig stehen könnte, ist noch nicht festgelegt.
Ein Platz unter Deutschlands Museumsbahnen
Der Blick auf die deutsche Museumsbahnlandschaft zeigt, wie unterschiedlich solche Projekte organisiert sind. In Nordrhein-Westfalen fährt etwa die Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth in Gütersloh auf 600 Millimetern Spurweite; sie wird seit 1973 mit Dampf und Diesel betrieben. Der Teuto-Express auf der Teutoburger Wald-Eisenbahn bringt es auf 93 Kilometer und verkehrt auf den Strecken Ibbenbüren–Bad Laer, Bad Laer–Gütersloh und Gütersloh–Hövelhof.
Die Mindener Kreisbahnen bedienen die Abschnitte Hille–Minden und Minden–Kleinenbremen. Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen liegen die Ruhrtalbahn zwischen Dahlhausen, Hagen und Ennepetal-Altenvoerde, die Hespertalbahn zwischen Essen-Kupferdreh und Haus Scheppen sowie die Sauerländer Kleinbahn zwischen Herscheid-Hüinghausen und Plettenberg-Köbbinghauser Hammer.
Mit dem Schluff, der auf der Strecke Tönisvorst–Krefeld–Hülser Berg eine Spurweite von 1.435 Millimetern hat, Dampf nutzt und seit 1980 als Museumsbahn betrieben wird, ist auch Krefeld in dieser Übersicht vertreten. Als Betreiber ist SWK Mobil angegeben. Die Selfkantbahn fährt auf 1.000 Millimetern zwischen Geilenkirchen-Gillrath und Gangelt-Schierwaldenrath; in Wuppertal erinnert das Bergische Straßenbahnmuseum mit elektrischen Fahrzeugen an den früheren Straßenbahnbetrieb.
Andere Strecken kämpfen mit ganz ähnlichen Problemen. Bei der Landshut–Rottenburg-Bahn ist wegen Oberbaumängeln kein Museumsverkehr möglich; der Betrieb lief dort bis 2020. Auf der Wiehltalbahn ist die Strecke wegen Arbeiten derzeit nur bis Wiehl befahrbar. Uchte–Rahden wird seit 2020 nicht mehr betrieben, während die Brückenbergbahn Zwickau seit 2018 keinen Betrieb mehr hat.
Von der Schmalspur bis zum Ringwagen
Wie breit das Spektrum ist, zeigt ein Streifzug durch die Bundesländer. In Baden-Württemberg reicht es von der 5,7 Kilometer langen, meterspurigen Strecke des Albbähnle zwischen Amstetten und Oppingen bis zur 40,8 Kilometer langen Dreiseenbahn zwischen Seebrugg, Titisee-Neustadt und Löffingen. Dort wird in Seebrugg ein Museumsbahnhof aufgebaut. Die Härtsfeldbahn zwischen Neresheim und Katzenstein befindet sich im Wiederaufbau beziehungsweise Neubau.
Die Achertalbahn zwischen Achern und Ottenhöfen im Schwarzwald fährt auf Normalspur, bietet Dampfbetrieb und hat Museumsbetrieb seit 1968; der Achertäler Eisenbahnverein e. V. war bis 2013 Betreiber. Ebenfalls in Baden-Württemberg liegen unter anderem die Albtalbahn, die Kaiserstuhlbahn, die Kandertalbahn, die Krebsbachtalbahn, die Strecke Amstetten–Gerstetten, das Öchsle, die Strohgäubahn, die Tälesbahn, die Trossinger Eisenbahn, die Schwäbische Waldbahn und die Wutachtalbahn, auch „Sauschwänzlebahn“ genannt.
Die Details sind dabei höchst verschieden: Das Öchsle zwischen Warthausen und Ochsenhausen misst 19 Kilometer, ist 750 Millimeter schmal und wird seit 2001 von der Öchsle Bahn Betriebs-GmbH betrieben. Die Trossinger Eisenbahn nutzt 600-Volt-Gleichstrom auf fünf Kilometern. Die Stuttgarter Straßenbahnwelt betreibt die elektrischen Oldtimerlinien 21 und 23 zwischen Straßenbahnwelt Stuttgart, Stadtmitte und Fernsehturm.
In Bayern finden sich ebenfalls viele Spielarten. Die Chiemsee-Bahn zwischen Prien Bahnhof und Prien Stock ist nur 1,9 Kilometer lang, 1.000 Millimeter schmal und verkehrt im Sommer täglich im Linienbetrieb. Die Ilztalbahn von Passau nach Freyung kommt dagegen auf 49,5 Kilometer. Die Dampfbahn Fränkische Schweiz fährt zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle, das Rhön-Zügle zwischen Mellrichstadt und Fladungen. Auf der historischen Straßenbahn Nürnberg führt die Ringlinie 15 vom Historischen Straßenbahndepot St. Peter über Plärrer, Tiergärtnertor, Hauptbahnhof und Dokumentationszentrum zurück nach St. Peter.
Es gibt auch stillgelegte oder veränderte Beispiele: Dollnstein–Rennertshofen wurde bis 1993 betrieben, danach wurde die Strecke abgebaut. Fünfstetten–Monheim endete 1997, die Strecke ist ebenfalls abgebaut. Nördlingen–Dombühl hatte Museumsbetrieb bis 2018, seit 2019 ist der Abschnitt bis Wilburgstetten wieder befahrbar. Der Wachtl-Express zwischen Kiefersfelden und Wachtl fährt auf 900 Millimetern mit 1.200-Volt-Gleichstrom.
Viele Wege, viele Träger
In Niedersachsen reicht die Liste von der Museumspferdebahn Spiekeroog mit 1.000 Millimetern Spurweite bis zur 51 Kilometer langen Meppen–Haselünner Eisenbahn. Die Pferdebahn wird seit 1999 vom Museumsverein Spiekeroog betrieben. Der Deutsche Eisenbahn-Verein zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf gilt mit Museumsbetrieb seit 1966 als älteste Museumsbahn Deutschlands. Der Abschnitt ist 7,8 Kilometer lang und meterspurig.
Daneben stehen die Hümmlinger Kreisbahn, die Küstenbahn Ostfriesland, Jan Harpstedt, die Bremen-Thedinghauser Eisenbahn, die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya, die Wittlager Kreisbahn, die Verden-Walsroder Eisenbahn, die Böhmetal-Kleinbahn mit Draisinenbetrieb, die Warnetalbahn und die Extertalbahn. Auch der Moorexpress zwischen Bremen Hbf und Stade sowie die Strecke Bremerhaven–Bederkesa sind in der Übersicht sowohl Bremen als auch Niedersachsen zugeordnet. Hinzu kommen Feld- und Moorbahnen wie die Moorbahn Ahlenmoor in Wanna, die Moorbahn Burgsittensen in Tiste und die 600 Millimeter breite Strecke Deinste–Lütjenkamp.
Berlin hat mit der Britzer Museumsbahn und der Zehlendorfer Eisenbahn der AG Märkische Kleinbahn zwei Einträge. Brandenburg nennt unter anderem die Heidekrautbahn der Berliner Eisenbahnfreunde, die Buckower Kleinbahn, die Niederlausitzer Museumseisenbahn und die Pollo-Museumseisenbahn zwischen Lindenberg und Mesendorf. In Bremen fahren die Historische Straßenbahn als Ringlinie 16, der Moorexpress sowie die Museumsbahn Bremer
