Zwischen Jettingen und Burgau wird es Anfang Oktober unruhig: Vom 4. bis 7. Oktober erneuert die Deutsche Bahn die Schienen auf der freien Strecke zwischen den beiden Bahnhöfen. Gearbeitet wird ganztägig, auch am Sonntag und in der Nacht. Für Anwohner kann das ordentlich an die Nerven gehen – vor allem dann, wenn gerade Ruhe einkehren soll und draußen Warnsignale zu hören sind.

Die Maßnahme dient der Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit. Weil die Arbeiten in einem konzentrierten Zeitraum gebündelt werden, sollen die Beeinträchtigungen für die Umgebung und den Eisenbahnverkehr möglichst kurz bleiben. Ganz ohne Lärm, Licht und Staub wird es in diesen Tagen allerdings nicht abgehen: Die Bahn rechnet mit erhöhten Schall- und Staubemissionen, außerdem kann die Nachtruhe der Anwohner gestört werden.

Gleis gesperrt, Warnhörner im Einsatz

Während der Arbeiten werden die Gleise gesperrt. Zur Sicherung der Baustelle kommt ein automatisches Warnsystem zum Einsatz. Dazu gehören Warnhörner sowie Licht- und Schallsignale. Gerade nachts dürfte das ungewohnte Geräuschbild rund um die Strecke deutlich auffallen.

Nach landesgesetzlicher Regelung besteht für die Arbeiten keine Anzeige- oder Genehmigungspflicht. Arbeiten an Schienenwegen von Eisenbahnen des Bundes sind von den Betriebszeitbeschränkungen ausgenommen. Die Deutsche Bahn informiert die Anwohner dennoch – im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Wer sich über die Arbeiten beschweren oder eine Rückmeldung geben möchte, kann sich an die DB InfraGO AG, Regionalbereich Süd, wenden: Richelstraße 1, 80634 München, E-Mail: sued.fahrweg.dbinfrago@deutschebahn.com.

Lärmschutz bleibt eine Daueraufgabe

Die kurze Baustelle zwischen Jettingen und Burgau steht in einem größeren Zusammenhang. Die Deutsche Bahn bezeichnet die Entlastung von Anwohner:innen vom Schienenverkehrslärm als Voraussetzung dafür, dass mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden kann. Gemeinsam mit dem Bund soll der Schienenverkehrslärm deshalb weiter sinken.

Bis 2030 sollen mehr als 800.000 betroffene Anwohner:innen entlastet werden. Damit will die Bahn mehr als die Hälfte der Menschen erreichen, die derzeit an belasteten Strecken wohnen. Bis 2050 sollen alle betroffenen Anwohner:innen von einer Lärmminderung profitieren. Das klingt nach einem langen Atem – und nach vielen Baustellen, bei denen es vorübergehend eben auch lauter werden kann.

Um diese Ziele umzusetzen, gelten Richtlinien und Arbeitsanweisungen. Sie regeln unter anderem die Durchführung von Projekten, Lärmschutzmaßnahmen und die Öffentlichkeitsbeteiligung. Wie stark Menschen vom Lärm betroffen sind und welche Schutzmaßnahmen infrage kommen, wird rechnerisch anhand von Schallgutachten und einer immissionsschutzrechtlichen Bewertung ermittelt.

Die Beteiligung der Betroffenen findet je nach Projekt auf unterschiedliche Weise statt: in Planrechtsverfahren, etwa bei Erörterungsterminen zu Neu- und Ausbauvorhaben, bei Öffentlichkeitsveranstaltungen zu Lärmsanierungsprojekten oder über Beiräte. Ein Beispiel dafür ist das hochbelastete Mittelrheintal, wo sich Politik und Gesellschaft regelmäßig über einen Beirat austauschen.

Die Lärmschutzziele verfolgt die Bahn mit einer Zwei-Säulen-Strategie: Maßnahmen an der Infrastruktur und Maßnahmen an den Fahrzeugen. An der Strecke zwischen Jettingen und Burgau stehen jetzt erst einmal die Schienen selbst im Mittelpunkt – begleitet von Staub, Licht und dem einen oder anderen nächtlichen Warnhorn.