Wer am Samstag, 26. September 2026, in Saarbrücken oder im Umland mit der Saarbahn unterwegs sein will, braucht Geduld. Seit den frühen Morgenstunden wird erneut gestreikt. Fahrgäste müssen mit Wartezeiten und möglichen Ausfällen rechnen – und sollten vor Fahrtantritt aktuelle Hinweise prüfen sowie mehr Zeit einplanen.

Am späten Nachmittag dauerte der Ausstand nach Angaben eines Sprechers der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) noch an. Wann der Streik endet, blieb offen. Die GDL hatte ihre Mitglieder und weitere Saarbahn-Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Stadtbahn, Busse und Verbindungen ins Umland betroffen

Die Auswirkungen können über einzelne Stadtbahnfahrten hinausgehen. Die Saarbahn betreibt nach eigenen Angaben die Stadtbahn- und Buslinien in Saarbrücken; ihr Nahverkehrsnetz erstreckt sich auch auf die Region. Entsprechend können Verbindungen in der Landeshauptstadt und im Umland beeinträchtigt sein.

Für Pendler heißt das: Abfahrtsanzeigen prüfen, Alternativen suchen und besser nicht auf die allerletzte Verbindung setzen. Eine genaue Angabe zum Ende des Streiks gibt es derzeit nicht.

Tarifkonflikt um TramTrain-Fahrer

Hintergrund ist ein festgefahrener Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Saarbahn beziehungsweise dem Verkehrsunternehmen. Die Gewerkschaft fordert einen eigenen Tarifvertrag für TramTrain-Fahrer. Die Saarbahn und der kommunale Arbeitgeberverband Saar wollen die Tarifpartnerschaft mit der GDL dagegen nicht fortsetzen.

Der Streit passt in ein größeres Bild im öffentlichen Nahverkehr. ver.di verhandelte bundesweit für Beschäftigte in knapp 150 kommunalen ÖPNV-Unternehmen sowie in Berlin, Hamburg und Bremen. Zuvor waren in 15 Bundesländern die Flächentarifverträge für den ÖPNV gekündigt worden, außerdem die Haustarifverträge der Hamburger Hochbahn und der VHH.

Arbeitsalltag unter Druck

Beschäftigte berichten dabei von zunehmender Arbeitsverdichtung, vollen Arbeitszeitkonten und Personalmangel. Mechaniker Andre Page aus Dortmund fordert mehr Personal und Entlastung. Der demografische Wandel und die Unterfinanzierung erschwerten die Lage zusätzlich.

Busfahrer Ronny Schlie aus Ludwigslust-Parchim schildert einen Arbeitsalltag, der sich kaum gemütlich anhört: Rund 90 Prozent der Dienste seien geteilt, mit Arbeit am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Unbezahlte Unterbrechungen führten zu 12- bis 13-stündigen Arbeitstagen. Stadtbusfahrer säßen acht bis neun Stunden am Steuer und hätten kaum Pausen. Arbeitszeitkonten könnten die Beschäftigten nicht selbst steuern. Gefordert werden kürzere Arbeitszeiten und Dienste von mindestens sechs Stunden.

Auch Trambahnfahrerin Julia Riemer aus München kritisiert die Bedingungen. Wegezeiten zwischen Einsatzorten würden nicht als Arbeitszeit angerechnet. In Tarifrunden würden Arbeitsbedingungen gegen Entgeltfragen ausgespielt, sagt sie, und fordert deshalb eine Trennung von Mantel- und Lohntarifvertrag. Ihre Forderung: 35 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich.

Bei 38,5 Wochenstunden führten Dienstpläne häufig zu ungünstigen Arbeitszeiten und einzelnen freien Tagen zwischen fünftägigen Arbeitsblöcken. In den Werkstätten ihres Unternehmens gelten zudem unterschiedliche Tarifverträge. Der bessere Tarifvertrag erschwere die Personalgewinnung im anderen Bereich – ein Detail, das im Alltag vermutlich ordentlich Sand ins Getriebe streut.

Tarifverträge regeln Arbeitszeit und Entlohnung

ver.di bezeichnet attraktive Arbeitsbedingungen als entscheidend, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Als Probleme nennt die Gewerkschaft ungünstige Arbeitszeiten, Schichtdienste, kurze Pausen und zu geringe Zuschläge. Ziel der Tarifrunde ist es, Belastungen zu verringern oder auszugleichen.

Zu den zentralen Forderungen in mehreren Bundesländern gehören kürzere Wochenarbeitszeiten, kürzere Schichtzeiten, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

Die meisten kommunalen ÖPNV-Unternehmen unterliegen landesweiten Tarifverträgen Nahverkehr, den TV-N. Außer in Hamburg werden diese mit den jeweiligen Kommunalen Arbeitgeberverbänden verhandelt. Sie regeln Arbeitsbedingungen und Entlohnung. In acht Ländern ist die Entgeltentwicklung unmittelbar an den TVöD gekoppelt: Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

In den übrigen Ländern bestehen eigenständige TV-N-Entgelttarifverträge mit teilweise unterschiedlichen Laufzeiten. Die Manteltarifverträge wurden bei ihren Laufzeiten synchronisiert und sind deshalb gleichzeitig kündbar und verhandelbar. Welche konkreten Forderungen auf dem Tisch liegen, legen die jeweiligen Tarifkommissionen für die einzelnen Landestarifverträge fest.

In Saarbrücken bleibt für Fahrgäste heute zunächst nur der Blick auf die aktuellen Verkehrshinweise – und ein wenig zusätzliche Zeit im Fahrplan.