Vandalismus am Bahnhof Gelsenkirchen legt zahlreiche NRW-Bahnlinien lahm
Am Samstagmorgen, dem 26. September 2026, steht der Zugverkehr im Großraum Gelsenkirchen still. Grund ist Vandalismus am Bahnhof Gelsenkirchen. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind in dem betroffenen Abschnitt derzeit keine Zugfahrten möglich. Für Reisende bedeutet das kurzfristig: Fahrplanänderungen, Verspätungen, Teilausfälle und komplette Zugausfälle auf mehreren NRW-Strecken.
Ein Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar. Wer heute mit der Bahn unterwegs sein muss, sollte sich unbedingt vor Fahrtantritt über die eigene Verbindung informieren – sonst wird aus einer kurzen Fahrt schnell eine unfreiwillige Rundreise.
Diese Linien sind betroffen
Der RE 1 (RRX) wird in beide Richtungen zwischen Dortmund Hbf und Düsseldorf Hbf über Essen Hbf umgeleitet. Die Zwischenhalte entfallen.
Beim RE 2 beginnen und enden die Züge aus Richtung Münster Hbf in Wanne-Eickel Hbf. Zwischen Wanne-Eickel Hbf und Essen Hbf kommt es zu Teilausfällen.
Auch der RE 6 (RRX) fährt nicht wie gewohnt: Züge aus Richtung Köln/Bonn Flughafen beginnen und enden in Oberhausen Hbf, Züge aus Richtung Minden in Dortmund Hbf. In beiden Richtungen entfallen die Halte Dortmund-Mengede, Castrop-Rauxel Hbf, Herne, Wanne-Eickel Hbf, Gelsenkirchen Hbf und Essen-Altenessen.
Beim RE 42 Münster–Essen beginnen und enden die Züge aus Richtung Münster in Haltern am See. Zwischen Haltern am See und Essen Hbf gibt es Teilausfälle. Die Verbindung RE 42 Münster–Mönchengladbach wird zwischen Haltern am See und Oberhausen Hbf in beide Richtungen ohne Zwischenhalt umgeleitet.
Die Züge der RB 46 aus Richtung Bochum West beginnen und enden in Wanne-Eickel Hbf. Zwischen Wanne-Eickel Hbf und Gelsenkirchen Hbf fallen Teilverbindungen aus. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen von Vias Bus ist eingerichtet.
Bei der RB 32 beginnen und enden die Züge aus Richtung Dortmund in Herne. Zwischen Herne und Oberhausen Hbf kommt es zu Teilausfällen. Dort fahren drei Busse von Haniqi Reisen im Schienenersatzverkehr.
Auch die S 2 aus Richtung Dortmund endet vorzeitig in Herne. Zwischen Herne und Essen Hbf fallen Teilverbindungen aus. Für diese Strecke sind sieben Busse von Aydin Reisen, BusCompany Lapok und Haniqi Reisen unterwegs.
Vandalismus mit Folgen für den Bahnbetrieb
Was am Bahnhof Gelsenkirchen beschädigt wurde, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Klar ist aber: Schon ein einzelner Eingriff an Anlagen kann den Betrieb weit über den betroffenen Bahnsteig hinaus aus dem Takt bringen. Fahrgäste müssen auf andere Züge, Busse oder die U-Bahn ausweichen, warten länger und kommen teils deutlich später ans Ziel.
Der Fall reiht sich in eine bundesweite Entwicklung ein. Laut Bundespolizei nahmen Sachbeschädigungen an Zügen und Bahnanlagen im vergangenen Jahr zu. Die Deutsche Bahn beziffert allein die jährlichen Schäden durch Graffiti auf rund 12 Millionen Euro. Besprühte Züge und Gebäude werden im Alltag häufig weniger beachtet, verursachen aber ebenfalls hohe Kosten und Einschränkungen.
Wie empfindlich die Infrastruktur reagiert, zeigte auch der S-Bahnhof Wedding: Nach einem Feuer in der Silvesternacht blieb er wochenlang gesperrt. Die Bundespolizei vermutet fahrlässige Brandstiftung durch Pyrotechnik. Das Feuer zerstörte ein Aufsichtshäuschen und technische Anlagen, der Schaden betrug laut Bahn rund 300.000 Euro. Erst seit Anfang Februar lief der Zugverkehr wieder regulär. Fahrgäste mussten auf U-Bahn oder Busse ausweichen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen.
Graffiti: hohe Kosten, selten schnelle Aufklärung
Berlin verzeichnet bundesweit die meisten Graffiti-Delikte an Zügen, Bahnhöfen und anderen Bahnanlagen. Von Januar bis Oktober 2025 registrierte die Bundespolizei dort 1.983 Fälle. Im selben Zeitraum waren es in München 872 und in Hamburg 515. Die Zahlen umfassen alle Bahnunternehmen. Meistens bleiben die Täter unerkannt.
Ein gemeinsames Fachkommissariat des Berliner Landeskriminalamts und der Bundespolizei soll die Aufklärung in Berlin verbessern. LKA-Kriminalrat Sascha Silawi berichtet, größere Tätergruppen investierten erheblichen Aufwand in die Planung und Durchführung der Graffiti-Taten. Die Tatverdächtigen seien meist männlich und zwischen 21 und 45 Jahre alt; unter ihnen seien unter anderem Handwerker, Ärzte und Schüler.
Als Motive nennt Silawi Aufmerksamkeit und Anerkennung. Eine wichtige Rolle spielten dabei Videos, die in sozialen Medien veröffentlicht werden. Der Sprayer „Fiak“ besprüht nach eigenen Angaben seit Jahren Züge und Bahnhöfe und wurde bereits erwischt. Er bezeichnet seine Tätigkeit als Kunst mit Sprühfarbe und sieht sich nicht als Kriminellen. Festnahmen würden zunächst abschrecken, manche Sprayer verbänden das Sprayen jedoch mit einer Art Sucht und würden rückfällig.
Das LKA unterscheidet laut Silawi nicht zwischen künstlerischer Aktivität und Sachbeschädigung. Für die Polizei bleibt jede Graffiti-Tat eine Sachbeschädigung. Die Bahnunternehmen müssen die Schmierereien beseitigen. Neben der strafrechtlichen Verfolgung weist die Deutsche Bahn auf Gefahren durch fahrende Züge und elektrische Spannung an Stromschienen hin. Viele Fahrgäste fühlten sich durch Graffiti belästigt und in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt, deshalb werde die Farbe möglichst schnell entfernt.
Wenn ein beschmierter Zug in die Werkstatt muss
In der Werkstatt der Niederbarnimer Eisenbahn werden zwei- bis dreimal monatlich beschmierte Züge bearbeitet. Die NEB ist vor allem im Regionalverkehr nördlich und östlich von Berlin tätig. Die Reinigung von zwei großflächig, teilweise über Fenster und Türen besprühten Waggons kostet laut Werkstattleiter Frank Galle ungefähr 5.000 Euro.
Dazu kommen die Ausfallzeit der Fahrzeuge, belegte Werkstattkapazitäten, der Transport von Ersatzzügen sowie zusätzlicher Personal- und Logistikaufwand. NEB-Leitstellenmitarbeiter Daniel Zawadsky nennt ein konkretes Beispiel: Ein Ersatzfahrzeug muss etwa nach Angermünde gebracht werden, während der beschmierte Zug zur Reparatur nach Berlin-Lichtenberg überführt wird.
Brände und Graffiti treffen damit nicht nur die Unternehmen. Auch Polizei und Fahrgäste tragen die Folgen – durch zusätzliche Kosten, Reparaturen, Zugausfälle und Einschränkungen. In Gelsenkirchen zeigt sich das heute ganz unmittelbar: Die Anzeigen ändern sich, die Busse füllen sich, und auf den Bahnsteigen wird es länger still bleiben.
