Baustoffe sind ein Geschäft mit langem Atem. Das gilt bei Knauf auch für die Führung: Zum 1. Januar 2027 übernimmt Michael Roßkopf die Leitung des Gipsgeschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der DACH-Region. Er folgt auf Jan Ellringmann, der diesen Bereich bisher zusätzlich kommissarisch leitete.

Ellringmann kann sich künftig stärker auf seine übergeordnete Aufgabe als Leiter des Geschäftsbereichs Gips für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) konzentrieren. Roßkopf ist seit 2012 bei Knauf und hat in dieser Zeit verschiedene nationale und internationale Führungspositionen übernommen. Zuletzt war er Geschäftsführer von Knauf Insulation Systems, einem Teil der globalen Dämmstoffsparte.

Neue Zuständigkeit zum Jahreswechsel

Knauf-Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung Jörg Kampmeyer verweist bei der Personalie auf Roßkopfs Markt- und Kundenkenntnis, seine internationale Erfahrung und seine operative Kompetenz. Roßkopf selbst bezeichnet Deutschland, Österreich und die Schweiz als wichtige Knauf-Märkte. Gemeinsam mit Ellringmann, dem Führungsteam und den Mitarbeitenden wolle er das Geschäft weiterentwickeln.

Die nächste Übergabe steht damit in einer Führungsfolge, die bei Knauf bereits zuvor neu geordnet wurde. Christoph Dorn und Jan Ellringmann führten seit Anfang 2025 gemeinsam die Region Zentraleuropa, um den Übergang zu organisieren. Zum 1. Januar übernahm Ellringmann die operative Geschäftsführung der Knauf Gips KG.

Dorn konzentrierte sich anschließend weiterhin auf die deutschen Partnerunternehmen, das Geschäft in der Schweiz sowie auf Österreich und Slowenien. Seine Zuständigkeiten sollte er schrittweise übergeben. Bis zu seinem endgültigen Ruhestand im April 2026 unterstützte er Knauf außerdem bei Projekten und in Verbänden.

Ellringmann arbeitet seit 2021 bei Knauf. Zuvor leitete er das Geschäft der Knauf Gruppe Nordeuropa; vor seiner Zeit bei Knauf hatte er verschiedene Managementpositionen bei der Linde AG inne. In der am 1. Juli 2024 neu geschaffenen Knauf Gruppe Zentral- und Nordeuropa verantwortet er die deutschen Partnerunternehmen sowie das Gipsgeschäft in Österreich, der Schweiz, Slowenien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland.

Von Iphofen in die Welt

Nach Einschätzung von Jörg Kampmeyer prägte Christoph Dorn in den vergangenen zehn Jahren die strategische Entwicklung der Region, vor allem bei Digitalisierung, Commercial Excellence und Talententwicklung. Unter Dorns Führung entwickelten sich die Geschäfte laut Kampmeyer nachhaltig und positiv. Dorn erklärte, er habe die Region Zentraleuropa mit Stolz geführt und wolle Ellringmann während der Übergangsphase unterstützen.

Der Blick zurück führt nach Iphofen und in eine ziemlich unruhige Nachkriegszeit. Zunächst war unklar, ob die Familie Knauf ihre Betriebe zurückerhalten würde; mehrere Treuhänder und Sequester strebten die Übernahme der Unternehmen an. 1947 gründete Karl Knauf in Iphofen die Fränkische Gipswerke GmbH, um mit den unter Treuhandverwaltung stehenden früheren Betrieben zu konkurrieren und diese später zu übernehmen. 1948 wurden Betriebe in der amerikanischen und britischen Besatzungszone rückübertragen.

1950 entstand in Iphofen ein modernes Drehofen-Gipswerk, der Vorkriegsumsatz war wieder erreicht. Außerdem übernahm Knauf das wirtschaftlich angeschlagene Werk der Frankfurter Gipswerke im Frankfurter Osthafen. Zwischen 1951 und 1953 wurden die Betriebe im Saarland rückübertragen, während das Werk in Iphofen wuchs. Saarländische und fränkische Betriebe blieben zunächst rechtlich unabhängig, arbeiteten aber eng zusammen.

In den 1950er Jahren begann im Werk Perl die Produktion von Perllit-Deckenplatten und Gipsdielen. Ab 1957 stellte Knauf Spachtelgipse her, darunter Gips in der Tube. In Frankfurt und Iphofen wurden Gipsplatten gefertigt, ab Ende des Jahrzehnts auch Gipsfaserplatten. In Marktbreit entstand die Umschlagstelle Knauf am Main. Der Bauboom der Wiederaufbaujahre tat sein Übriges.

Frühe 1960er: Die Verpackungen erhielten nach dem Vorbild von Zigarrenbändern eine farbliche Kennzeichnung. Bekannt wurde vor allem der Haftputzgips Rotband, den Vorführmeister direkt auf Baustellen anpriesen. 1960 versechsfachte ein Neubau im Werk Siersburg die Produktionskapazität für Putzgips auf 210.000 Tonnen. Der Erfolg von Rotband ermöglichte die Übernahme mehrerer kleinerer Gipswerke, darunter Sartor & Engel in Trier, Früh & Co. in Saarfels, Brill in Straßburg sowie einer Anhydritgrube in Veltenheim.

Mit Brill und dessen Baustoffgroßhandel kamen Filialen in Mülheim, Nancy, Lyon und Paris hinzu. 1962 entstand in Castrop-Rauxel ein Werk für Wandplatten aus Industriegips. Die Vertriebsniederlassung in Neuss wurde in ein Wandplattenwerk umgewandelt; später produzierte man dort Fließestriche.

1964 übernahm Knauf sämtliche Anteile an einem Gipswerk in Wittershausen. Zusammen mit zwei weiteren Unternehmen entstanden die Vereinigten Gipswerke GmbH, deren Anteile Knauf später ebenfalls übernahm. In Wittershausen wurde ein neues Putzgipswerk gebaut; das alte Werk überließ man der Feuerwehr und brannte es bei einer Übung kontrolliert ab. Das mehrfach erweiterte Werk produziert heute Handputze, Maschinenputze und Stuckgips, vor allem für den Schweizer Markt.

Maschinen, Platten und der Schritt über die Grenzen

1966 entstand in Königshofen ein Gipskartonplattenwerk mit einer Jahreskapazität von 15 Mio. Quadratmetern. Die Produktion lief bis in die 1980er Jahre, danach wurde das Werk geschlossen und die Anlagen anderweitig genutzt. Weil die Putzgipsverarbeitung zunehmend vom Handwerk zur Maschine wechselte, entwickelte Knauf die Putzmaschine Gipsomat und den Maschinenputz MP 75. Putzmeister stellte die Maschinen her, Knauf besaß zehn Jahre lang den Alleinvertrieb.

1968 wurde das Werk in Iphofen umfassend erweitert und modernisiert. Das nahe Werk in Markt Einersheim, als Iphofen II modernisiert, wurde zum Schulungszentrum ausgebaut. 1969 wurden Nikolaus Knauf und Baldwin Knauf, die Söhne der Unternehmensgründer, persönlich haftende Gesellschafter; ihre sieben Geschwister wurden 1970 Kommanditisten. Die weiterhin unabhängigen saarländischen Betriebe verwaltete man Ende der 1960er und in den 1970er Jahren zunehmend zentral von Iphofen aus.

1970 erhielt das Werk in Stadtoldendorf eine Produktionsstraße für Gipskartonplatten, in Neuherberg entstand eine Produktionsstätte für Maschinenputze. Mit der Mehrheitsbeteiligung an der Deutschen Perlite GmbH in Dortmund begann die Diversifizierung in Perlitprodukte und Dämmstoffbauplatten. In Shelbyville, Indiana, wurde ein Glaswolle-Dämmstoffwerk errichtet.

Ein Jahr später ging die saarländische Gebr. Knauf Saar-Gipswerke GmbH endgültig in der Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke GmbH auf. Knauf übernahm die Frisalit-Werke in Satteldorf und Neumorschen: Satteldorf wurde für Gipsfaserplatten modernisiert, Neumorschen produzierte Maschinenputze. In Vellberg entstand ein neues Gipswerk. In Österreich begann der internationale Ausbau mit einem Gips- und Gipskartonplattenwerk in Weißenbach bei Liezen.

1972 gründete Knauf die PFT Putz- und Fördertechnik GmbH & Co. KG zur Entwicklung kontinuierlicher Mischpumpen. Das Werk in Neumorschen nahm die weltweit erste Bandkontrollwaage in Betrieb, Knauf übernahm die Mehrheit an den Kurhessischen Gipswerken in Hundelshausen, und in Belgien wurde die Gesellschaft N. et B. Knauf et Cie. gegründet.

1972/1973 startete mit einem ungarischen Partner ein Joint Venture zur Produktion von Zwischenwandplatten in Székesfehérvár. In Lauffen ob Rottweil entstand ein Gipsplattenwerk, 1974 folgte ein Putzgipswerk in Embsen. In Ehein südlich von Lüttich wurde ein belgisches Gipswerk errichtet. Die Öl- und Baukrise von 1973 ließ den Absatz der bisherigen Produkte stagnieren. Knauf diversifizierte weiter und stieg stärker in Anlagen- und Maschinenbau ein.