Stark Deutschland macht 20 Niederlassungen zu Flagship-Stores für den Baustoffhandel der Zukunft
Stark Deutschland stellt sein Generalistengeschäft neu auf. Im Rahmen der Strategie „Wir.Bauen.Zukunft.“ werden die 20 größten und ergebnisstärksten Niederlassungen künftig als Flagship-Stores positioniert und weiterentwickelt. Die Ankündigung fällt auf den 13.10.2026 und dürfte vor allem für das breite Standortnetz des Baustoffhändlers interessant sein.
Die ausgewählten Häuser sollen als Pilotstandorte für neue Angebote, Services und Initiativen dienen. Was dort funktioniert, bleibt nicht an der einzelnen Niederlassung hängen: Die gewonnenen Erfahrungen und Entwicklungen sollen dem gesamten Standortnetzwerk zugutekommen. „Das ist ein Ansatz, der im Alltag ankommen muss – zwischen Beratung, Warenfluss und dem schnellen Griff zum passenden Baustoff“, erklärt Dr. Marc Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stark Deutschland.
Nordisches Vorbild, deutscher Zuschnitt
Das Konzept orientiert sich am Modell der „Super Branches“ in den nordischen Ländern der Unternehmensgruppe. Laut Unternehmensmitteilung erzielen die entsprechenden Standorte dort überdurchschnittliche Umsätze und Ergebnisse im Vergleich zum gesamten Netzwerk. Zugleich unterstützen sie die Entwicklung weiterer Niederlassungen in ihrer Umgebung.
Für die 20 ausgewählten Niederlassungen liegt künftig ein besonderer Fokus auf Wachstum, Entwicklung, Ressourcen und Investitionen. Stark Deutschland will durch die beschleunigte Entwicklung dieser Standorte Impulse für das gesamte Niederlassungsnetzwerk setzen. Das klingt zunächst nach Managementsprache, wird vor Ort aber ziemlich greifbar: mehr Erprobung, mehr Tempo, mehr Material für die Frage, was Kunden im Baustoffhandel tatsächlich brauchen.
Stark Deutschland GmbH ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und hat ihren Sitz in Offenbach am Main. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet, gehört zur dänischen Stark Group mit Sitz in Kopenhagen und ist im Baustoffhandel tätig. Rund 270 Niederlassungen gibt es in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2023/24 standen 5.328 Beschäftigte und ein Umsatz von 2,209 Milliarden Euro zu Buche. Die Angaben entsprechen dem Stand vom 31. Juli 2024. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Marc Baumgartner, die Website lautet www.stark-deutschland.de.
Vom Raab-Karcher-Lager zur Plattform des Bauens
Die Geschichte reicht allerdings viel weiter zurück als bis 2019. Sie beginnt mit der Gründung von Raab Karcher im Jahr 1848. 2000 übernahm der französische Konzern Compagnie de Saint-Gobain Raab Karcher vollständig. Acht Jahre später entstand die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH, kurz SGBDD, als Dachgesellschaft verschiedener Baustoffhandelsmarken. Unter ihrem Dach wurden unter anderem Raab Karcher, Keramundo und Muffenrohr zusammengeführt.
2015 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Offenbach am Main. Zum 1. Oktober 2019 übernahm die Stark Group die SGBDD; seitdem firmiert sie als Stark Deutschland. Die Stark Group gehörte zu diesem Zeitpunkt dem Investmentunternehmen Lone Star. Im Januar 2021 wurde sie an CVC Capital Partners verkauft.
Seit 2021 wurde das Wachstum insbesondere durch Übernahmen vorangetrieben: 2021 kam Melle Gallhöfer Dach hinzu, 2022 folgten die Tröger-&-Entenmann-Unternehmensgruppe und die Waiblinger-Konz-Gruppe. Zur Unternehmensgruppe gehören eigenständige Fachhändlermarken mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Raab Karcher, gegründet 1848, steht für Baustoffhandel; Keramundo, gegründet 1993, für Fliesenfachhandel; die 1909 gegründete Balzer Gruppe für Baufachhandel, wobei Stark Deutschland eine Minderheitsbeteiligung hält; Muffenrohr, gegründet 1918, für Tiefbauhandel sowie Melle Gallhöfer, gegründet 2017, für Dach- und Fassadenhandel.
Das Sortiment und die Dienstleistungen reichen vom Roh- und Hochbau über Trockenbau, Garten- und Landschaftsbau, Baugeräte und Werkzeuge bis hin zu Arbeitskleidung, Fliesen und Bodenbelägen. Dazu kommen Dach, Fassade und Photovoltaik sowie der Tiefbau einschließlich Versorgung, Entsorgung und Oberflächenbau.
Unter den Eigenmarken finden sich Kermos mit Fliesen, Bodenbelägen, Wandverkleidungen und Akustikpaneelen für die Innenraumausstattung, Terralis mit Terrassendielen, Platten- und Pflasterserien, Zäunen sowie Verlege- und Mörtelsystemen für den Garten- und Landschaftsbau. Raw steht für professionelle Baumaterialien für Dach-, Tief-, Hoch- und Ausbau, Raptor für Werkzeuge und Ausstattung für Handwerker.
Die „Plattform des Bauens“ verbindet Baustoffhandel, Beratungsleistungen und Logistikdienste. Außerdem geht es um die Vernetzung mit Handwerksbetrieben, Energieberatern und Architekten. Hersteller, Planer, Ausführende und Bauherren sollen enger zusammenfinden – auf dem Papier eine große Klammer, im Projektalltag oft eine Frage von Lieferterminen, Zuständigkeiten und einem Telefonat zur richtigen Zeit.
Im Rahmen dieser Plattform betreibt Stark Deutschland die „Welt der Sanierung“. Sie bietet Informationen zur energetischen Sanierung, Beratung zur Beantragung von Fördermitteln und die Vermittlung zwischen Kunden und Fachunternehmen.
Baustoffe, Module und Umweltproduktdeklarationen
Auch im modularen Bauen ist das Unternehmen aktiv – sowohl auf Baustellen („Onsite“) als auch bei der Belieferung von Fertigungsstätten („Offsite“). Stark Deutschland liefert Baustoffe für vorgefertigte Bauelemente und Module, übernimmt Materialbeschaffung, Logistik und Organisation für Modulbauunternehmen, koordiniert Lieferanten, vermittelt Nachunternehmer für Montagearbeiten und begleitet Bauprojekte.
Zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stark Group gehören die Umstellung der Fahrzeugflotte auf emissionsärmere Antriebe und die Umrüstung von Standorten auf Ökostrom. Ende 2021 bezogen 95 Prozent der deutschen Niederlassungen Ökostrom. Das Konzernziel lautet Netto-Null bei den Treibhausgasemissionen bis 2050. Im November 2022 unterzeichnete die Geschäftsführung außerdem die Charta der Vielfalt.
Seit August 2024 stellt Stark Deutschland gemeinsam mit dem Institut Bauen und Umwelt (IBU) mehr als 5.000 Umweltproduktdeklarationen, kurz EPDs, im Onlineshop bereit. Darin stehen Angaben zu den Umweltauswirkungen von Baustoffen über deren gesamten Lebenszyklus. Bauherren, Planer und Handwerksbetriebe sollen damit nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards planen und staatliche Fördermittel beantragen können.
Der Blick auf die Branche erklärt, warum solche Angebote und die geplante Entwicklung der Niederlassungen Gewicht haben. Baustoff-Fachhändler reichen von Großbetrieben bis zu kleinen Betrieben und werden ebenso wie Baumärkte und Gartencenter dem DIY-Kernmarkt zugeordnet. Gehandelt werden unter anderem Dämmstoffe, Fliesen, Fassadenputze, Baumetalle, Natursteine und Bauholz – für Innen- und Außenbereiche ebenso wie für Trocken-, Tief- und Hochbau.
Die Umsätze im Baustoffhandel stiegen in den vergangenen Jahren. 2022 erreichten sie mit rund 20,4 Milliarden Euro einen bisherigen Rekordwert. Der überwiegende Teil der Umsätze wird mit gewerblichen Kunden erzielt. Veröffentlicht wurden diese Branchenangaben vom Statista Research Department am 17. Dezember 2025. Und während draußen irgendwo wieder ein Gabelstapler rückwärts piept, beginnt für die 20 künftigen Flagship-Stores nun die praktische Bewährungsprobe.
