In Glauchau wird die Flutrinnenbrücke neu gebaut. Dafür muss sich der Verkehr auf der B 175 auf Einschränkungen einstellen; auch die Auestraße ist betroffen. Oberbürgermeister Marcus Steinhart kündigte am Donnerstagabend im Stadtrat an, dass die Bundesstraße vom 12. Oktober bis 9. November 2026 halbseitig gesperrt werden soll.

Der Ersatzneubau ist nötig, weil die bestehende Brücke aus dem Jahr 1928 erhebliche bauliche Mängel aufweist. Rund 20 Millionen Euro sind für das Vorhaben gesichert. Der Baubeginn ist für Sommer 2026 geplant, die Fertigstellung für 2029.

Neue Brücke, veränderte Linienführung

Erneuert wird ein rund 500 Meter langer Abschnitt der B 175 zwischen den Kreuzungen B 175/Sachsenallee/Grenayer Straße und B 175/Auestraße. Die neue Brücke soll 160 Meter lang werden – 40 Meter mehr als das bisherige, 120 Meter lange Bauwerk. Grund dafür ist die veränderte Linienführung.

Optisch soll sich der Neubau grundsätzlich am bisherigen Erscheinungsbild orientieren. Unter der Fahrbahn ändert sich dennoch einiges: Die Zahl der Pfeilerreihen in der Flutrinne wird von sechs auf vier reduziert. Der bisherige Stahlbetonüberbau weicht einem modernen Spannbetonquerschnitt.

Die Arbeiten laufen in drei Phasen ab. Zunächst entsteht südlich der bestehenden Brücke der Neubau einschließlich der Straßenanschlüsse. Danach wird der Verkehr auf die neue Trasse verlegt und die alte Brücke abgebrochen. Im dritten Schritt wird das neue Bauwerk vervollständigt.

Verkehr bleibt meist möglich

Während der Bauzeit soll der Verkehr grundsätzlich aufrechterhalten werden. Für einzelne Bauabschnitte sind allerdings Vollsperrungen erforderlich. Informationen zu Sperrungen und Umleitungen sollen rechtzeitig veröffentlicht werden. Die jetzt angekündigte halbseitige Sperrung der B 175 vom 12. Oktober bis 9. November 2026 gehört zu den ersten spürbaren Einschränkungen.

Vorbereitende Arbeiten sind bereits erledigt: Leitungen wurden verlegt, Abbrüche ausgeführt und Bäume gefällt. Die Bundesrepublik Deutschland trägt als Straßenbaulastträger den Hauptanteil der Kosten. Die Stadt Glauchau beteiligt sich mit 460.000 Euro.

Der Ersatzneubau ist das erste Hauptbaulos des Gesamtprojekts „B 175 Ausbau westlich Glauchau“. Für Anwohner, Pendler und Betriebe an der Auestraße dürfte die kommende Bauzeit trotzdem Geduld kosten. Baustellenverkehr, Umleitungen, wieder ein Stück weiter – so etwas merkt man im Alltag schneller als in jeder Projektgrafik.

Brücken unter Beobachtung

Wie wichtig regelmäßige Kontrollen sind, zeigt der Blick auf die Bauwerksprüfung in Deutschland. Brücken sind als zentrale Infrastruktur hohen Belastungen ausgesetzt und werden deshalb regelmäßig von Prüfingenieurinnen und -ingenieuren aus Verwaltungen und Ingenieurbüros kontrolliert. Schäden sollen früh erkannt werden, damit die dauerhafte Sicherheit der Nutzer gewährleistet bleibt.

Bundesweit müssen rund 140.000 Bauwerke geprüft werden. Der VFIB unterstützt die Fachkräfte mit qualitätsgeprüften Lehrgängen für Brückenprüfungen nach DIN 1076 an fünf Standorten, regelmäßigen Fachtagungen sowie Informationen zum Instandsetzen, Ertüchtigen und Prüfen von Brücken. Auch Öffentlichkeitsarbeit zur Bedeutung der Bauwerksprüfung gehört dazu. Dabei arbeitet der Verband mit kommunalen Spitzenverbänden auf Bundes- und Landesebene, Kommunen, Kreisen und weiteren Verbänden zusammen.

Am 15. September 2026 wurde die Müngstener Brücke als eines der bekanntesten deutschen Ingenieurbauwerke um 1900 vorgestellt. Die Bundesingenieurkammer zeichnete sie 2025 als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ aus. Zu dieser Auszeichnung wurden eine Broschüre und ein Film veröffentlicht; die Broschüre kann kostenpflichtig bei der Bundesingenieurkammer bestellt werden.

Auch der nächste Fachtermin steht schon fest: Die 3. Fachtagung Bauwerksprüfung nach DIN 1076 findet am 22. und 23. November 2027 im Congress Center Würzburg statt. Geplant sind eine begleitende Fachausstellung und ein Get-together am ersten Veranstaltungstag. Während in Glauchau bald Bagger und Baustellenverkehr das Bild bestimmen, geht es dort um die Prüfungen, die solche Bauwerke möglichst lange sicher halten sollen.