Luzern bewilligt 81,4 Millionen Franken für die Kantonsschule Reussbühl
Die Luzerner Stimmbevölkerung hat heute, am 27.09.2026, den Sonderkredit von 81,4 Millionen Franken für den Neu- und Umbau der Kantonsschule Reussbühl klar bewilligt. 89’704 Stimmberechtigte sagten Ja, 42’961 Nein. Das entspricht einem Ja-Anteil von 67,6 Prozent bei einer Stimmbeteiligung von 48,6 Prozent.
Regierungsrätin Ylfete Fanaj zeigte sich erfreut über das Ergebnis. Mit der erweiterten Kanti Reussbühl soll ein zeitgemässes gymnasiales Angebot für Luzern und die Agglomeration entstehen. Die SVP war die einzige Partei, die den Kredit ablehnte. Sie hatte den Neubau als «Luxus-Top-5-Sterne-Hotel» bezeichnet. Ihr Nein richte sich nicht gegen Bildung oder moderne Schulinfrastruktur, sondern gegen «überdimensionierte Kosten» und einzelne Projektelemente, erklärte die Partei. Nach dem Volksentscheid fordert sie nun die Einhaltung des bewilligten Kostenrahmens, konsequente Kostenkontrolle und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.
Mehr Platz für eine wachsende Schule
Die 1970 eröffnete Kantonsschule ist 56 Jahre alt und gehört zu den grössten Kantonsschulen im Kanton Luzern. Rund 800 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Schule, dazu kommen etwa 200 Studierende der Maturitätsschule für Erwachsene. Die Anlage ist für höchstens 41 Klassen ausgelegt. Es fehlen Unterrichts- und Fachräume, Aufenthaltsbereiche, Mensaplätze und Sporthallen; Teile der Infrastruktur erfüllen die Anforderungen moderner Unterrichtsformen laut Kanton nur noch teilweise.
Auch an den Kantonsschulen Alpenquai und Musegg wird der Platz knapp. Reussbühl soll deshalb zusätzliches Wachstum auffangen. Nach dem Ausbau ist die Schule für 59 Klassen und rund 1’200 Schülerinnen und Schüler vorgesehen.
Der Erweiterungsbau bringt 18 zusätzliche reguläre Schulzimmer. Geplant sind ausserdem offene Lernlandschaften, Gruppenarbeitsräume, Begegnungszonen und Rückzugsorte. Die Räume sollen multifunktional und flexibel nutzbar sein – für individualisierte und fächerübergreifende Unterrichtsformen. Klingt nach viel Bewegung im Schulalltag, nicht nur nach neuen Wänden.
Sporthalle, Holzbau und Solardach
Im Sportunterricht ist die Lage derzeit besonders eng: Zur Verfügung stehen zwei über 50 Jahre alte Sporthallen. Weil das nicht reicht, müssen zusätzliche Hallen gemietet werden. Vorgesehen ist deshalb eine Dreifachturnhalle, die auch Vereinen offenstehen soll.
Den Architekturwettbewerb gewannen 2022 Anette Gigon und Mike Guyer. Der Neubau soll das bestehende, schützenswerte Schulgebäude berücksichtigen und in Holz-Verbundbauweise entstehen. Auf dem Flachdach ist eine grossflächige Photovoltaikanlage geplant. Die Anlage ist bereits Minergie-zertifiziert und soll diesen Standard behalten. Für die Temperaturregulierung ist ausserdem der Anschluss an Fernwärme vorgesehen.
Das Bauprojekt wird zunächst öffentlich aufgelegt. Nach den vorliegenden Angaben ist der Baustart für den Neubau im Frühling 2028 vorgesehen; bei einer Zustimmung zum Kredit hätte bereits 2027 mit dem Bau begonnen werden können. Im Herbst 2027 soll die Mensa zunächst durch einen Pavillon erweitert werden, danach beginnen die Arbeiten am Neubau. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für Ende 2030 geplant.
Bauen, während die Schule weiterläuft
Der Umbau erfolgt während des laufenden Schulbetriebs. Unterricht, Pausen, Baustellenverkehr und der tägliche Weg durch die Anlage müssen also über längere Zeit nebeneinander funktionieren. Gerade bei einer Schule mit künftig deutlich mehr Raum, aber zunächst weiterhin engem Betrieb, dürfte das organisatorisch einiges verlangen.
Mit dem Volksentscheid ist der finanzielle Rahmen von 81,4 Millionen Franken gesetzt. Jetzt folgen die öffentliche Auflage, die weiteren Planungsschritte und später die Bauphase – mit neuen Klassenzimmern, einer Dreifachturnhalle, einer erweiterten Mensa und einem Schulhaus, das für rund 1’200 Schülerinnen und Schüler gerüstet sein soll.
