Heute ist der 22.10.2026. Ein Blick auf die Baustellen und Baugenehmigungen in Deutschland lässt einen schnell die Sorgenfalten wachsen. Während das Land sich als einer der führenden Wirtschaftsstandorte der Welt sieht, gibt es hinter der glänzenden Fassade einige ernsthafte Herausforderungen. Die Nettoinvestitionsquote liegt nach Abschreibungen bei alarmierenden 0,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Vergleich dazu investiert die EU rund 2 %, die USA etwa 4 % und China sogar stolze 23 %! Das macht schon nachdenklich, oder?

Wirtschaftswissenschaftler bewerten die Standortattraktivität Deutschlands mit der Schulnote 3,4 – und das ist definitiv kein Grund zum Feiern. Die realen Kapitalbildungen reichen kaum aus, um den bestehenden industriellen Kapitalstock zu erhalten. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass 52 % der befragten Finanzvorstände internationaler Konzerne die Lage ihrer deutschen Tochtergesellschaften als schlecht oder sehr schlecht bewerten. 2021 waren es noch 8 %. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang ausländischer Direktinvestitionen, die 2024 das siebte Jahr in Folge gesunken sind und 46 % unter dem Höchststand von 2017 liegen.

Die Kostenfalle

Die Kosten für Industrieprojekte in Deutschland sind laut Analysen zwischen 40 % und über 250 % höher als an günstigeren globalen Standorten. Ein Beispiel gefällig? In der Halbleiterproduktion zahlen wir etwa 40 % mehr, und die Plattformen für Elektrofahrzeuge kosten deutsche und US-Hersteller das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu ihren chinesischen Konkurrenten. Was läuft hier schief?

Und es wird nicht besser: Baugenehmigungen für Nichtwohngebäude dauern hierzulande im Schnitt 200 Tage! Zum Vergleich: In den USA sind es nur 60 Tage, und in China sogar nur 40. Das macht das Planen und Bauen für Unternehmen zur echten Geduldsprobe. In der Zwischenzeit haben wir auch noch die hohen Strompreise, die in der Kernregion Rhein-Rotterdam über 150 US-Dollar je Megawattstunde liegen. Da wird einem schon ganz schwindelig.

Politische Stabilität und Unsicherheiten

Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz plant, den Standort mit Förderprogrammen und Investorengipfeln zu stabilisieren. Ein zentrales Instrument ist das kreditfinanzierte Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) mit 500 Milliarden Euro. Aber ob das den Rückgang der Industrieinvestitionen stoppen kann, hängt von den Haushaltsberatungen und der tatsächlichen Freigabe der Mittel ab. Der Sachverständigenrat drängt darauf, diese Mittel nur für produktive Zukunftsinvestitionen zu verwenden – keine Lückenfüllung im regulären Haushalt!

Und was ist mit dem Fachkräftemangel, der uns wie ein Schatten verfolgt? Deutschland hat die hohe Qualität seiner Fachkräfte und das duale Ausbildungssystem, doch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt. Viele Unternehmen klagen über fehlendes Fachpersonal – im Baugewerbe sind es 39,9 %. Das ist ein echtes Problem, das nur durch langfristige Reformen angegangen werden kann, während die Bürokratie und Regulierung uns weiter zu schaffen machen.

Ein Blick auf die Zahlen

Im Jahr 2024 betrugen die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland stolze 1.034 Milliarden Euro nach dem Konzept des direkten inländischen Investitionsobjekts (IRSA). Die Mehrheit dieser Investitionen entfällt auf westliche Bundesländer wie Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Doch die Zahlen zeigen auch, dass die Investitionen in den meisten Bundesländern um durchschnittlich 23 % gesunken sind. Einzige Ausnahmen? Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen, die Anstiege zwischen 1 % und 37 % verzeichnen konnten.

Die Unsicherheit, die durch die politische Fragmentierung und die jüngsten Wahlerfolge an den Rändern des Parteienspektrums entsteht, führt dazu, dass viele internationale Konzerne ihr Engagement in Deutschland überdenken. 71 % der Unternehmen aus Südostasien und 47 % aus Mittel- und Osteuropa planen, ihre Investitionen in Deutschland zu reduzieren. Das lässt einen schon ein bisschen frösteln.

Am Ende des Tages bleibt die Frage, ob und wie Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen kann. Die Herausforderungen sind groß, aber mit der richtigen Strategie und einem klaren Fokus auf Zukunftsinvestitionen könnte vielleicht noch etwas Bewegung ins Spiel kommen. Wenn es nur nicht so lange dauern würde, bis die Baugenehmigungen durch sind…