Am 25. September 2026 steht beim Lithiumprojekt Cinovec in Tschechien eine entscheidende Frage im Raum: Wann kann gebaut werden? Die Projektgesellschaft Geomet hat dafür eine staatliche Förderung aus Tschechien zugesagt bekommen. European Metals Holdings (EMH) hält 49 Prozent an Geomet, der tschechische Energieversorger ČEZ 51 Prozent. EMH bezeichnet die Unterstützung als eine der bislang größten projektbezogenen Förderungen für kritische Rohstoffe in der Europäischen Union.

An der Börse kam die Nachricht zunächst gut an. Die Aktie von European Metals Holdings legte am Donnerstag um 1,8 Prozent auf 0,1410 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Minus von 35 Prozent zu Buche. Und die Liquidität des Unternehmens war nach operativen Mittelabflüssen Ende Juni 2026 gering – ein nüchterner Hinweis darauf, dass zwischen Förderzusage und Baubeginn noch einige Bretter zu bohren sind.

Umweltverfahren rückt näher an die Baugenehmigungen

Cinovec liegt rund 100 Kilometer nordwestlich von Prag an der deutschen Grenze. Eine Hauptstraße führt am Projekt vorbei, zwei Bahnlinien liegen innerhalb eines Radius von zehn Kilometern. Auch die Nähe zu europäischen Autoherstellern und Unternehmen der Energiespeicherung spielt für die Planung eine Rolle. Das Vorkommen gilt als eines der größten bekannten Hartgestein-Lithiumvorkommen der EU; laut EMH handelt es sich sogar um das größte Hartgestein-Lithiumprojekt und die größte Lithiumressource Europas. Dazu kommt eine der größten unentwickelten Zinnressourcen weltweit.

Das Projekt ist nach dem Critical Raw Materials Act als strategisches Vorhaben eingestuft. Die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung wurden inzwischen offiziell veröffentlicht. Eine anschließende öffentliche Anhörung endete ohne neue substanzielle Einwände. Auch die zuständige Regionalversammlung hatte den Antrag zur Umwidmung des Projektareals bereits unterstützt.

Der Zeitplan hat sich dennoch verschoben: Das tschechische Umweltministerium erwartet den Abschluss des Verfahrens nun gegen Ende 2026, nachdem zuvor Mitte 2026 angestrebt worden war. Erst danach sollen die Anträge für die Bergbau- und Baugenehmigungen gestellt werden. Sie betreffen das Untertagebergwerk, ein Transferportal und eine Lithium-Chemieanlage. Für die endgültige Investitionsentscheidung müssen außerdem die Gesamtfinanzierung und die finalen Abbaurechte gesichert werden.

Altes Bergbaugebiet, neue Batteriepläne

Ganz neu ist der Bergbau in der Region nicht. Seit dem 14. Jahrhundert wurde dort handwerklich gegraben. In den 1940er-Jahren entstand ein großes Untertagebergwerk zur Wolframproduktion für den Kriegseinsatz. Unter der tschechoslowakischen Regierung wurden Bergbau und Verarbeitung ausgeweitet; neben Wolfram wurde auch Zinn gewonnen. Nach dem Ende des Kommunismus und wegen niedriger Zinnpreise war 1993 Schluss. Im Jahr 2000 wurde die alte Aufbereitungsanlage entfernt und das Gelände rekultiviert.

EMH erwarb 2014 sämtliche Explorationsrechte für das Projektgebiet sowie eine umfangreiche historische Datenbank. Danach startete ein Bohrprogramm zur Überprüfung früherer Explorations- und Entwicklungsdaten. Es umfasste 30 Diamantbohrungen mit einer durchschnittlichen Tiefe von jeweils 400 Metern. Die Bohrungen bestätigten frühere Ergebnisse, ergänzten die Daten zu den Lithiumgehalten und lieferten Proben für metallurgische Tests.

2015 schloss EMH eine Scoping Study zur Wiederentwicklung ab. Sie bewertete Größe, Gehalt und Lage der Lagerstätte als Grundlage für die weitere Planung und empfahl eine Preliminary Feasibility Study (PFS). Im April 2020 gründete EMH schließlich ein Joint Venture mit ČEZ. Der Projektumfang wurde erweitert, um die erste vertikal integrierte Batterie-Metallproduktion Europas zu ermöglichen.

Geplant ist eine Lithiumhydroxid-Anlage mit einer Kapazität von 29.386 Tonnen pro Jahr. EMH arbeitete an einer Definitive Feasibility Study (DFS); die Anlage soll weniger als neun Kilometer vom Bergwerk entfernt entstehen. Laut Projektübersicht ist Cinovec bis zu den endgültigen Investitionsentscheidungen vollständig finanziert. Das klingt beruhigend, steht aber neben der aktuellen Unternehmensliquidität und den noch offenen Genehmigungs- und Finanzierungsfragen.

Riesige Ressource, lange Zahlenkolonnen

Die Ressourcenschätzung von 2021 kam auf insgesamt 708 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 0,42 Prozent Li₂O. Das entsprach 7,39 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE). Davon entfielen 53,3 Millionen Tonnen mit 0,48 Prozent Li₂O auf die gemessene Ressource, entsprechend 640.000 Tonnen LCE. Die angezeigte Ressource umfasste 360,2 Millionen Tonnen mit 0,44 Prozent Li₂O beziehungsweise 3,88 Millionen Tonnen LCE. Hinzu kamen rund 294,7 Millionen Tonnen geschlussfolgerte Ressource mit 0,39 Prozent Li₂O und 2,87 Millionen Tonnen LCE.

Bei einer im PFS angenommenen Abbaurate von 2,25 Millionen Tonnen pro Jahr wurde eine Minenlaufzeit von mehr als 100 Jahren angegeben. Das PFS-Update vom 19. Januar 2022 rechnete mit 29.386 Tonnen batteriefähigem Lithiumhydroxid-Monohydrat (LiOH·H₂O) pro Jahr, einer Ressourcenbasis von 7,39 Millionen Tonnen LCE und einer Minenlebensdauer von 25 Jahren. Diese Lebensdauer beruhte auf 13,1 Prozent der gemessenen und angezeigten Ressource sowie 7,7 Prozent der gesamten Ressource.

Die damaligen Wirtschaftsdaten: ein Kapitalwert von 1,94 Milliarden US-Dollar, eine interne Verzinsungsrate von 36,3 Prozent und geschätzte Bauinvestitionen von 643,8 Millionen US-Dollar. Die Betriebskosten wurden mit 6.727 US-Dollar je Tonne LiOH·H₂O ohne Nebenproduktgutschriften und 5.567 US-Dollar mit Nebenproduktgutschriften angegeben. Zugrunde lag ein Lithiumhydroxidpreis von 17.000 US-Dollar je Tonne batteriefähigem LiOH·H₂O. Die PFS bezeichnete Cinovec als potenziell kostengünstigsten Hartgestein-Lithiumproduzenten weltweit. Ein ESG-Basisbericht des Unternehmens ist öffentlich einsehbar.

Die im Dezember 2025 veröffentlichte DFS bestätigt laut Projektübersicht einen langfristigen Produzenten von batteriefähigem Lithiumkarbonat. Sie nennt eine Betriebsdauer von mehr als 26 Jahren, eine Mineralressource von 747,54 Millionen Tonnen mit 0,19 Prozent Lithium beziehungsweise 0,40 Prozent Li₂O und 7,45 Millionen Tonnen LCE. Die Erzreserve wird mit 54,40 Millionen Tonnen bei 0,27 Prozent Lithium beziehungsweise 0,58 Prozent Li₂O angegeben. Darin enthalten sind 145.000 Tonnen Lithium. Für Cinovec besteht laut EMH weiteres Erweiterungspotenzial.

Auch Zinn macht die Rechnung interessanter. Hohe Zinnpreise verbessern die erwartete Wirtschaftlichkeit, weil Zinn als wesentliches Nebenprodukt anfällt. Weitere Projektoptimierungen haben zusätzliche Einsparpotenziale aufgezeigt. In einer Pilotanlage wurde aus einer angereicherten Laugelösung bereits batteriegradiges Lithiumhydroxid-Monohydrat hergestellt. Ein wichtiger Laborschritt – aber noch kein Baggerlärm am Berg.

Warum Brüssel auf Projekte wie Cinovec schaut

Die Europäische Union braucht kritische Rohstoffe für ihre Klima- und Digitalziele sowie für Vorhaben in Raumfahrt und Verteidigung. Lithium, Kobalt und Nickel werden etwa für Batterien benötigt, Gallium für Solarpaneele, Bor für Windturbinen und Titan sowie Wolfram für die Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie.

Das europäische Rohstoffgesetz soll Förderung, Verarbeitung und Rückgewinnung kritischer Rohstoffe in der EU stärken, Lieferketten sicherer und nachhaltiger machen und die Abhängigkeit von einzelnen Nicht-EU-Ländern verringern. Gleichzeitig sollen Lieferkettenpartnerschaften mit Drittstaaten entstehen. Für strategische Rohstoffe gelten bis 2030 konkrete Zielwerte: Mindestens 10 Prozent des jährlichen EU-Bedarfs sollen innerhalb der EU gefördert, 40 Prozent dort verarbeitet und 25 Prozent recycelt werden. Höchstens 65 Prozent des jährlichen Bedarfs an einem strategischen Rohstoff sollen in einem relevanten Verarbeitungsstadium aus einem einzigen Nicht-EU-Land stammen.

Dafür soll die gesamte Wertschöpfungskette wachsen – von Exploration und Abbau über Raffination und Verarbeitung bis zum Recycling. Vorgesehen sind Vor-Ort-Explorationen, einfachere und planbarere Genehmigungsverfahren sowie ein besser