Heute ist der 19.10.2026 und die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Die Diskussion um die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände gestaltet sich kompliziert. Vonovia, Berlins größter Vermieter, hat sich klar gegen diese Pläne positioniert. Man bezweifelt die Verfassungsmäßigkeit der Initiative, die vorsieht, Bestände privater Unternehmen ab 10.000 Wohnungen in Gemeineigentum zu überführen. Laut Vonovia-Sprecherin Nina Henckel ändert das Sondierungsergebnis zwischen Linken, Grünen und SPD nichts an der Unternehmensposition. Sie hält die Vergesellschaftung für verfassungswidrig und glaubt nicht, dass sie einer gerichtlichen Prüfung standhalten würde.

Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ sieht die Grenze von 10.000 Wohnungen als viel zu hoch an. Das ist der Punkt, an dem sowohl die Initiative als auch die künftige Koalition unter Druck stehen. Vonovia hingegen argumentiert, dass eine Enteignung das Problem der hohen Mieten nicht löst und auch keine neuen Wohnungen schafft. Ein bundesweiter Wohnraummangel von rund 1,4 Millionen Wohnungen, davon etwa 100.000 in Berlin, ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird deutlich, dass erhebliche private Investitionen nötig sind, um diesen Missstand zu beheben. Vonovia fordert daher ein stabiles Investitionsumfeld mit Verlässlichkeit und Rechtssicherheit.

Die Zahlen sprechen für sich

In Berlin besitzt Vonovia rund 130.000 Wohnungen, im Umland sind es sogar etwa 138.000. Der Marktanteil liegt bei 7,7 Prozent. Die durchschnittliche Kaltmiete in den Beständen beträgt 8,26 Euro pro Quadratmeter, während bei Neuvermietungen im Durchschnitt 10,80 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. In den letzten fünf Jahren sind die Bestandsmieten im Schnitt um 1,74 Prozent pro Jahr gestiegen. Dies steht im Kontrast zu den Vergleichsmieten, die von Vonovia auf 15 bis 21 Euro pro Quadratmeter beziffert werden. 37 Prozent der Neuvermietungen gingen an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein. Die Wohnungen befinden sich vor allem in Spandau, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Neukölln.

Vonovia bleibt jedoch optimistisch und investiert weiterhin in Neubauprojekte. Für 2026 sind Investitionen von 539 Millionen Euro in Berlin geplant. Mehr als 300 Wohnungen sind bereits fertiggestellt, und über 1.000 sind im Bau. Das Unternehmen hat seit 2013 nach eigenen Angaben etwa 20.000 Wohnungen gebaut, von denen mehr als 6.000 in Berlin entstanden sind. Dennoch kommt der Druck von der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, die die Einigung der Parteien grundsätzlich begrüßt, aber als Rückschritt ansieht. Ihre Sprecherin Bana Mahmood kritisiert, dass die Parteien vom Volksentscheid 2021 abweichen und hinter ihrem demokratischen Auftrag zurückbleiben.

Politische Hürden und finanzielle Belastungen

Auf Bundesebene droht der Initiative das Aus, da sich die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsausschuss darauf geeinigt haben, Vergesellschaftungen großer privater Mietwohnungsbestände durch Landesgesetze künftig zu verhindern. Der private Wohnungsbau solle nicht gefährdet werden, so die Begründung. Es läuft jedoch ein formelles Verfahren auf Landesebene weiter. Die Initiative bereitet einen Antrag auf ein Volksbegehren vor, um einen rechtlich bindenden Volksentscheid zu erwirken. Innerhalb von sechs Monaten müssen dafür 20.000 Unterschriften gesammelt werden. Ein anschließender Volksentscheid würde voraussichtlich erst nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2026 stattfinden.

Die finanziellen Dimensionen einer möglichen Vergesellschaftung sind enorm. Der Rechnungshof Berlin schätzt die Gesamtkosten auf rund 36 Milliarden Euro. In den ersten zehn Jahren könnten jährliche Zuschüsse von 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro anfallen. Eine Studie des IW Köln schätzt die zusätzlichen jährlichen Kosten durch eine erhöhte Risikoprämie bei der Finanzierung auf rund 400 Millionen Euro für das Land Berlin. Zum Vergleich: Der Berliner Jahreshaushalt beläuft sich auf 45 Milliarden Euro, während der Schuldenstand bei 68 Milliarden Euro liegt. Die geschätzten Entschädigungskosten wären mehr als sechsmal so hoch wie die Berliner Schulbauoffensive in Höhe von rund 5,5 Milliarden Euro.