Heute ist der 23.10.2026 und die Nachrichten aus der Bauwirtschaft in Deutschland sind durchwachsen. Im August dieses Jahres wurden in unserem Land 20.600 Wohnungen genehmigt, was einen Anstieg von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet. Allerdings bleibt die Genehmigungszahl weiterhin deutlich hinter den Zielvorgaben der Bundesregierung zurück. Der Deutsche Wohnungsverband hat am 22. Oktober 2026 gewarnt, dass der Wohnungsmangel sich verschärfen könnte, insbesondere in städtischen Ballungsräumen wie Berlin, München und Frankfurt.

Um die Situation etwas genauer zu beleuchten: Im August 2026 stieg die Zahl der Genehmigungen für Neubauwohnungen um 4,2 Prozent auf 16.500. Zudem gab es 4.200 Genehmigungen für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, was einem Anstieg von 18,2 Prozent entspricht. Betrachtet man den Zeitraum von Januar bis August 2026, so wurden insgesamt 169.400 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 12,1 Prozent oder rund 18.300 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei den Gebäudetypen zeigt sich ein starkes Wachstum bei Zweifamilienhäusern, die um 21,7 Prozent zulegten, und Mehrfamilienhäusern mit einem Anstieg von 14,5 Prozent auf 90.600 Wohnungen.

Das Klima im Wohnungsbau

Doch trotz dieser vermeintlichen Erfolge bleibt das Geschäftsklima im Wohnungsbau angespannt. Laut ifo Institut fiel der Geschäftsklimaindex im September 2026 auf minus 25,1 Punkte, nach minus 22,5 Punkten im August. Fast die Hälfte der Unternehmen – genauer gesagt 41,3 Prozent – berichten von einem Auftragsmangel. Die Stornoquote stieg von 13,4 Prozent im August auf 14,1 Prozent im September. Auch die Materialengpässe sind ein wiederkehrendes Thema, 4,2 Prozent der Betriebe meldeten Probleme. Klaus Wohlrabe, ein ifo-Experte, merkt an, dass die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank die Zuversicht dämpfen könnten und die schwache Auftragslage die zentrale Hürde bleibt.

Ein besonders besorgniserregender Trend kommt aus der Richtung von Vonovia. Der Konzern hat angekündigt, dass 2027 in Deutschland nahezu keine neuen Mietwohnungen mehr gebaut werden. Die Gründe dafür sind hoch angesiedelt: steigende Bau- und Materialkosten sowie restriktive Finanzierungskonditionen. Infolgedessen könnte sich die Wohnungsknappheit in den großen Städten noch weiter verschärfen.

Baugeldzinsen und Baukosten

Die Baugeldzinsen, die 2026 von 3,6 Prozent im März auf 4,5 Prozent im Oktober stiegen, tragen ebenfalls zur Verunsicherung bei. Ein Anstieg um einen Prozentpunkt kann bei einer zehnjährigen Zinsbindung und einem Kreditvolumen von 250.000 Euro zusätzliche Kosten von rund 25.000 Euro verursachen. Laut LBS Süd sind die Baukosten jedoch überwiegend durch Material- und Lohnkosten sowie staatliche Auflagen bedingt, nicht durch die Zinsen. Dennoch bleibt der Druck auf Unternehmen hoch. IVD-Präsident Dirk Wohltorf betont, dass bei vielen Angeboten weiterhin Verhandlungsspielraum besteht.

Ein Blick auf die tatsächliche Bautätigkeit zeigt, dass diese hinter den Genehmigungszahlen zurückbleibt. Im Jahr 2025 wurden lediglich 206.586 Wohnungen fertiggestellt, was einem Rückgang von rund 18 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Das ist das zweite Jahr in Folge, in dem die Fertigstellungen sinken. Der Rückgang betrifft alle Gebäudetypen, und die Zahlen liegen nur knapp über dem Tiefstand von 2009. Es gibt also viel zu tun, um die Lücke zwischen Genehmigungen und tatsächlichen Fertigstellungen zu schließen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Prognosen für 2026 deuten darauf hin, dass kein deutlicher Anstieg der Fertigstellungen zu erwarten ist. Eine mögliche Entspannung könnte frühestens ab 2027 in Sicht sein. Politische Maßnahmen wie der Bau-Turbo, der Gebäudetyp E und Ergänzungen der KfW-Förderung sollen helfen, den Wohnungsbau zu beschleunigen, doch die Auswirkungen dieser Maßnahmen werden sich in den aktuellen Zahlen noch nicht widerspiegeln.

Insgesamt steht die Bauwirtschaft in Deutschland vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Die steigenden Kosten, der Mangel an geeigneten Bauflächen und die sinkenden Fertigstellungszahlen sind nur einige der Themen, die es zu bewältigen gilt. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob und wie sich die Lage verbessern kann.