Leyrer + Graf feiert 100 Jahre Baugeschichte zwischen Tradition und Zukunft
Ein Jahrhundert Baugeschichte steckt in Leyrer + Graf: 1926 gründete Dipl.-Ing. Anton Leyrer in Gmünd, Niederösterreich, einen regionalen Bau- und Zimmereibetrieb. Heute zählt das Unternehmen zu den führenden Bauunternehmen Österreichs. Rund 3.000 Mitarbeitende arbeiten an 19 Standorten. 2026 steht deshalb ganz im Zeichen des 100-jährigen Bestehens.
Gefeiert wurde unter dem Motto „Gestern. Heute. Morgen“ mit einer Gala in Grafenegg im Bezirk Krems. Rund 400 Gäste kamen, darunter Auftraggeber, Geschäftspartner, Wegbegleiter und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Im Rahmen der Feier fand außerdem eine Jubiläumszeremonie der Familie Graf statt.
Vom Zimmereibetrieb zum Baukonzern
In den Anfangsjahren prägten handwerkliche Präzision, Verlässlichkeit und regionale Verbundenheit den Betrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Franz Graf in das Unternehmen ein. 1947 begann er als technischer Lehrling, 1954 legte er mit 23 Jahren die Baumeisterprüfung ab – als damals jüngster Baumeister Österreichs.
Während des Wiederaufbaus übernahm Graf zunehmend Verantwortung. Nach dem Tod des Firmengründers Anton Leyrer führte er das Unternehmen ab 1964 allein. Der Name „Leyrer“ blieb aus Verbundenheit zum Firmengründer erhalten. Aus dem regionalen Betrieb wurde ein überregional tätiges Unternehmen: Das Leistungsspektrum wuchs von Wohnhäusern auf Gewerbeobjekte und Infrastrukturprojekte, neue Standorte entstanden unter anderem in Wien, Horn und Schwechat, erste Aktivitäten wurden in Tschechien aufgenommen.
Auch eigene Produktionsstätten für Beton, Asphalt und Holz kamen hinzu. Das Produktportfolio wurde breiter, die Wege länger. Franz Graf trieb die Entwicklung über Jahrzehnte voran und baute die Geschäftsfelder aus.
2013 übergab er die Geschäftsführung an seinen Sohn BM Dipl.-Ing. Stefan Graf. Unter dessen Leitung positionierte sich Leyrer + Graf strategisch neu und entwickelte sich zu einem breit aufgestellten Komplettanbieter, der Bauprojekte von der Planung bis zur Umsetzung begleitet. Digitalisierung, neue Technologien, Prozessoptimierung, moderne Organisationsstrukturen sowie datengestützte und ressourcenschonende Bauprozesse rückten stärker in den Mittelpunkt. Nachhaltige Unternehmensführung gehört ebenfalls zu den Schwerpunkten.
Wachstum mit persönlicher Nähe
In den vergangenen 15 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Mitarbeitenden. Die Unternehmensgruppe nennt durchschnittlich rund 2.750 Beschäftigte an 18 Standorten in Österreich und Tschechien, während andere Angaben von rund 3.000 Mitarbeitenden und 19 Standorten sprechen. Die Jahresbauleistung liegt bei rund 630 Millionen Euro. Damit zählt Leyrer + Graf zu den zehn größten österreichischen Bauunternehmen.
Trotz dieser Größe will die Gruppe die persönliche Nähe zu Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern bewahren. Langjährige Beschäftigte und die Förderung junger Talente sind wichtige Teile der Personalstrategie. Leyrer + Graf versteht sich heute nicht nur als Baukonzern und Arbeitgeber, sondern auch als Impulsgeber und Innovationspartner.
Die größte Herausforderung bleibt, Innovation und Tradition zusammenzubringen. Stefan Graf bezeichnete das Jubiläum als besonderen Moment und zeigte sich froh und stolz darüber. Mikl-Leitner sagte, Bauen richte den Blick nach vorne. Ausbildung stehe für Vertrauen in die nächste Generation, und 100 Jahre Verantwortung gäben Anlass, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.
Das Jubiläumsjahr wird von Veranstaltungen, internen Initiativen sowie Print- und Digitalkampagnen begleitet. Unternehmensgeschichte, die beteiligten Menschen und aktuelle Projekte sollen dabei sichtbar werden. Zum Jubiläum wurde außerdem ein Pressekit mit Pressetext, Unternehmens-Timeline und Bildmaterial angekündigt. Der Anspruch dahinter: Verantwortung für kommende Generationen übernehmen und die Zukunft des Bauens mitgestalten.
Eine Branche zwischen Flaute und neuen Projekten
Der Zeitpunkt passt zu einer österreichischen Bauwirtschaft, die gerade vorsichtig wieder Tritt fasst. Nach einem Rückgang des realen Bauvolumens um 0,5 Prozent im Jahr 2025 wird für 2026 ein Anstieg um 0,6 Prozent erwartet. Der Hochbau dürfte sich erholen, vor allem durch mehr Wohnungsbau. Der Tiefbau bleibt wichtig, verliert gegenüber den Vorjahren aber an Wachstumsdynamik. Impulse kommen vor allem von Bahnprojekten, Wärme- und Kältenetzen sowie vom Recycling von Baustoffen. Bis 2027 wird insgesamt nur eine geringe Wachstumsdynamik prognostiziert.
Die Europäische Kommission erwartete im Frühjahr 2025 für Österreich einen Anstieg der Bauinvestitionen um 1,0 Prozent für 2025 und um 2,2 Prozent für 2026. Das Niveau von 2023 dürfte allerdings frühestens 2027 wieder erreicht werden.
Die Entwicklung des realen Bauvolumens zeigt, wie zäh die Erholung ist: Hoch- und Tiefbau zusammen gingen 2023 um 1,2 Prozent und 2024 um 1,8 Prozent zurück; für 2025 wurden plus 0,7 Prozent prognostiziert. Im Hochbau insgesamt standen minus 2,0 Prozent im Jahr 2023 und minus 2,6 Prozent 2024 einem erwarteten Plus von 1,0 Prozent 2025 gegenüber. Der Wohnungsbau verzeichnete minus 3,0 Prozent, minus 3,3 Prozent und plus 0,7 Prozent. Beim sonstigen Hochbau lauteten die Werte minus 0,7 Prozent, minus 1,7 Prozent und plus 1,3 Prozent. Der Tiefbau wuchs 2023 um 2,8 Prozent und 2024 um 2,1 Prozent, sollte 2025 aber um 0,6 Prozent schrumpfen.
Hohe Material- und Energiepreise, teure Tarifabschlüsse und eine schwache Nachfrage setzten der Branche zu. Strengere Kreditvergaben und hohe Zinsen bremsten zusätzlich. Seit 2022 wurden Umsatzzahlen stark von Preissteigerungen beeinflusst; weil das Preiswachstum inzwischen langsamer wird, sind reale Veränderungsraten wieder aussagekräftiger.
Nominal stiegen die Umsatzerlöse der österreichischen Bauwirtschaft von 60,9 Milliarden Euro im Jahr 2021 über 67,9 Milliarden Euro 2022 auf 72,3 Milliarden Euro 2023 – ein Plus von 6,5 Prozent. Die Bruttowertschöpfung erhöhte sich von 21,3 Milliarden Euro 2021 auf 25,9 Milliarden Euro 2023, was 2023 einem Zuwachs von 13,1 Prozent entsprach.
Wohnbau, Finanzierung und große Vorhaben
Beim Wohnungsneubau gibt es erste Lichtblicke. 2024 wurden 55.306 Gebäude fertiggestellt, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal 2025 wurden 14.992 Neubauten registriert, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das WIFO erwartete für 2025 insgesamt 35.400 Genehmigungen für Um-, Neu- oder Zubauten von Wohnungen – 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr – und für 2026 rund 35.600 Bewilligungen. Eine Genehmigung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass bald Bagger anrollen.
Die KIM-Verordnung mit ihren strengen Vorgaben für Wohnbaukredite lief Ende Juni 2025 aus. Feste Grenzen für Eigenkapitalanteil und maximale Kreditrate entfielen, Banken können Finanzierungen individueller prüfen. Für Selbstständige und Personen mit unregelmäßigem Einkommen wurde mehr Flexibilität möglich, auch Kreditlaufzeiten von mehr als 35 Jahren können vereinbart werden. Seit Anfang 2025 sinkt zudem das Zinsniveau, was die Baufinanzierung erleichtert. Branchenportale rechnen mit einer Stabilisierung oder Fortsetzung dieses Trends.
Der Baupreisindex stieg 2024 nur noch um 1,3 Prozent. In den beiden Vorjahren hatte das Preiswachstum noch 5,1 beziehungsweise 9,8 Prozent betragen. Die Abschwächung betraf Hoch- und Tiefbau.
Im Tiefbau bieten Verkehrswege sowie der Ausbau von Energieerzeugung und -infrastruktur langfristige Projekte. Gleichzeitig dürfte der Staat wegen der notwendigen Konsolidierung des Budgets zurückhaltender investieren; 2025 leitete die EU ein Defizitverfahren gegen Österreich ein. Für öffentliche Vorhaben sind insbesondere Asfinag für Autobahnen und Schnellstraßen, die Bundesimmobiliengesellschaft BIG und die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB relevant.
Die Liste der Großprojekte ist trotzdem lang: Der Brenner-Basistunnel kostet 10,5 Milliarden Euro, davon entfallen 8,5 Milliarden Euro auf die Errichtungskosten. Im Sommer 2025 waren 200 von 230 Kilometern Tunnel ausgeb
