In Sparrows Point im US-Bundesstaat Maryland soll eine neue Werft entstehen, die es in dieser Größe seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Die US Navy und Anduril Industries planen dafür 6,6 Milliarden US-Dollar. Am 6. Oktober 2026 kündigten US-Präsident Donald Trump und Kriegsminister Pete Hegseth das Projekt am künftigen Standort an, der zum Industriekomplex Tradepoint Atlantic gehört.

Der Name der Anlage: „Arsenal-2“. Sie soll Bauteile für nuklear angetriebene U-Boote der Virginia-Klasse, autonome Unterwasserfahrzeuge und weitere Unterwassersysteme herstellen. Die Genehmigungs- und Erschließungsarbeiten sollen sofort beginnen, der eigentliche Bau nach Erteilung der erforderlichen Genehmigungen. Betriebsbeginn ist für 2030 vorgesehen.

Milliarden für eine langsam gewordene Werftindustrie

Anduril wird die Anlage bauen und betreiben. 3,7 Milliarden US-Dollar kommen vom Rüstungsunternehmen, 2,9 Milliarden steuert die US Navy bei. Auf einem 187 Acre großen Gelände sollen mehr als 2 Millionen Quadratfuß Nutzfläche entstehen. Das entspricht ungefähr 185.800 Quadratmetern. Geplant sind ein 1.200 Fuß langes Trockendock, hohe Montagehallen, angrenzende Fertigungsbereiche und anpassbare Produktionslinien.

Der Hintergrund ist wenig glamourös, aber entscheidend: Die US-Marine kämpft seit Jahren mit Verzögerungen und Kostenüberschreitungen beim Bau von Virginia-U-Booten und anderen Schiffen. Material kommt zu spät, qualifizierte Fachkräfte fehlen. Ein Bericht des US Government Accountability Office stellte im Juli fest, dass diese Faktoren zu einem Rückgang bei den Auslieferungen der Virginia-Boote beigetragen haben.

Derzeit bauen die USA etwa 1,3 atomgetriebene Angriffs-U-Boote pro Jahr. Das liegt unter dem Ziel von zwei Einheiten jährlich. Zusätzlicher Druck auf die Lieferkette wird durch das trilaterale AUKUS-Abkommen mit Großbritannien und Australien erwartet. Die Navy und die Industrie wollen deshalb die US-Schiffbauindustrie wiederaufbauen, Löhne erhöhen, Werften modernisieren und Lieferketten stabiler machen.

Admiral Daryl Caudle erklärte Anfang 2026 vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses, die Industrie könne voraussichtlich ab 2032 jährlich zwei Virginia-U-Boote ausliefern. Arsenal-2 soll dabei nicht die bestehenden Werften ersetzen, sondern ihre Kapazitäten ergänzen. Anduril sagt, eine zusätzliche Produktionsstätte könne den Bau von mehr U-Booten ermöglichen.

Vom Torpedorohr bis zum kompletten Schiffsabschnitt

Zunächst geht es um kleinere Teile wie Torpedorohre. Später soll die Fertigung auf komplexere Konstruktionen und schließlich bis hin zu vollständigen Schiffsabschnitten ausgeweitet werden. Das Werftlayout führt Fertigung, Montage, Tests und Systemintegration räumlich zusammen. Transporte und Zwischenlagerungen, die bei herkömmlichen Werftabläufen Zeit und Geld verschlingen, sollen dadurch sinken.

Die Fertigung betrifft Komponenten für die Virginia-Klasse ebenso wie autonome Unterwasserfahrzeuge. Arsenal-2 soll außerdem Andurils Industriesoftware „ArsenalOS“ als digitales Produktionssystem einsetzen. Die Plattform verbindet Fertigungsabläufe, Ausrüstung, Materialtransport, Inspektionen und Dokumentation in einem System. Digitale Arbeitsanweisungen, integrierte Qualitätskontrollen, Sensoren und Automatisierung sollen Beschäftigten und Produktionsleitern zeigen, was gerade in der Halle passiert.

Unterstützt werden damit Tätigkeiten im Schweißen, Rohrbau, in der Elektrotechnik, im Schiffbau und bei Inspektionen. Das klingt trocken, ist in einer Werft aber der Unterschied zwischen einem Bauteil, das irgendwo herumliegt, und einem Bauteil, das tatsächlich rechtzeitig im Schiff landet.

Sparrows Point bringt dafür Straßen-, Schienen- und Schiffsverbindungen mit. Sie sollen den Zugang zu Zulieferern und zu den beiden wichtigsten bestehenden US-U-Boot-Werften erleichtern. Anduril nennt die vorhandene Infrastruktur und die Nähe zu maritimen Lieferwegen als Gründe für die Standortwahl. Früher war Sparrows Point bereits ein bedeutender Industrie- und Schifffahrtsstandort.

Für Maryland werden 3.100 direkte Arbeitsplätze erwartet. Landesweit sollen mehr als 11.000 indirekte Arbeitsplätze entstehen. Die jährliche Wirtschaftsleistung wird auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt, darunter etwa 312 Millionen US-Dollar an jährlichen Löhnen. Hegseth ordnete das Vorhaben der Regierungsinitiative „arsenal of freedom“ zur Stärkung der US-Verteidigungsindustrie zu.

Kalifornien soll den Start vorbereiten

Parallel errichtet Anduril in Orange County, Kalifornien, eine 160.000 Quadratfuß große Produktionsanlage. Dort sind Testeinrichtungen und Komponenten für Virginia-U-Boote vorgesehen, ebenfalls einschließlich Torpedorohren. Die kalifornische Anlage soll auch Qualifizierungsarbeiten für die Fertigung nach SUBSAFE-Anforderungen unterstützen.

Der Betrieb in Kalifornien soll vor Arsenal-2 beginnen und rund zwei Jahre lang Fertigungsmethoden, Produktionsabläufe und Qualitätssysteme entwickeln. Außerdem sollen dort die ersten Beschäftigten für Maryland rekrutiert und geschult werden. Ist Arsenal-2 in Betrieb, soll Orange County die maritime Fertigung von Anduril weiter unterstützen.

Anduril vergleicht das Vorgehen mit Arsenal-1 im Raum Columbus, Ohio. Dort wurden Produktionsverfahren und personelle Kapazitäten aufgebaut, bevor die Serienproduktion hochgefahren wurde. Arsenal-2 soll Teil eines größeren Produktionsnetzwerks werden. Dazu gehören Arsenal-1 in Ohio, eine maritime Fabrik in Quonset Point, Rhode Island, ein Produktionsstandort für „Ghost Shark“ in Sydney, Australien, und eine Raketenmotorenfabrik in McHenry, Mississippi.

Warum die Virginia-Klasse so wichtig ist

Die Virginia-Klasse ist eine Klasse nuklear angetriebener U-Boote der US Navy. Ihre Entwicklung begann in den 1990er-Jahren, der Bau 1999. Ursprünglich waren bis zu 30 Einheiten geplant, die im 21. Jahrhundert das Rückgrat der US-U-Boot-Flotte bilden sollten. Entstanden ist die Klasse aus dem NSSN-Programm („New Attack Submarine“) als Ersatz für frühe Boote der Los-Angeles-Klasse.

Der Weg dorthin hatte mehrere Gründe: Die teure Seawolf-Klasse war auf drei Einheiten begrenzt finanziert worden, der Kalte Krieg war beendet, und die militärischen Einsatzkonzepte änderten sich. Die Virginia-Klasse war die erste US-U-Boot-Klasse, deren Entwicklung gezielt auf die geopolitischen Bedingungen nach dem Kalten Krieg ausgerichtet wurde. Die Boote werden wieder fortlaufend ab SSN-774 nummeriert, nachdem die Seawolf-Boote als SSN-21 bis SSN-23 geführt worden waren.

Am Bau beteiligt sind General Dynamics Electric Boat und Newport News Shipbuilding, eine Tochter von Huntington Ingalls Industries. Electric Boat fertigt große Rumpfabschnitte, Maschinenräume und das Kontrollzentrum. Newport News baut unter anderem Bug, Heck, Turm und Torpedoräume. Anschließend werden die Module zusammengefügt und zu Wasser gelassen. Electric Boat ist die ausführende Bauwerft; die Aufträge werden zwischen EB und NNS grundsätzlich im Verhältnis 50:50 geteilt.

Die Klasse sollte ursprünglich eine kostengünstigere Alternative zur etwa zwei Milliarden US-Dollar teuren Seawolf-Klasse sein. Computerisierung, Vernetzung und standardisierte Bauteile nach einer „Open System Architecture“ sollten sparen. Eine Vereinbarung zwischen Navy und Werften sollte zugleich die wirtschaftliche Auslastung von Electric Boat und Newport News sichern. Die Kosten stiegen dennoch auf bis zu 2,6 Milliarden US-Dollar pro Boot. Für spätere Einheiten wurden etwa vier Milliarden US-Dollar für zwei Boote pro Jahr in Preisen von 2005 angestrebt.

Das Gesamtprogramm hatte ein Budget von 81,3 Milliarden US-Dollar. Die ersten vier Einheiten wurden 1998 bestellt, eine weitere Bestellung folgte im August 2003, fünf weitere im Januar 2004. Im Januar 2005 wurde wegen des US-Haushaltsdefizits eine Kürzung angekündigt. Im Dezember 2008 bestellte die Navy acht weitere Boote; das letzte davon wurde planmäßig 2019 ausgeliefert. Ab 2011 wurde die Baugeschwindigkeit auf zwei Boote pro Jahr erhöht, langfristig war eine Jagd-U-Boot-Flotte von 48 Einheiten vorgesehen.

Ganz ohne Stolperer ging es schon früher nicht. Im Dezember 2007 wurde bekannt, dass Arbeiter von Newport News im nichtnuklearen Bereich entgegen den Navy-Vorgaben unterschiedliche Hartlote an zusammenhängenden Schweißnähten verwendet hatten. Das führte zu Verzögerungen bei der vierten Einheit, verzögerte das Gesamtprogramm aber