Arsenal-2: Anduril baut in Maryland eine softwaredefinierte U-Boot-Werft für Milliarden
US-Präsident Donald Trump hat am 6. Oktober den Baubeginn einer neuen Werft in Sparrows Point im US-Bundesstaat Maryland bekannt gegeben. Das Projekt soll „Arsenal-2“ heißen und bei Tradepoint Atlantic im Sparrows-Point-Komplex entstehen. Heute, am 7. Oktober 2026, steht damit ein Bauvorhaben im Mittelpunkt, bei dem selbst die Milliardenbeträge schnell durcheinandergeraten.
Allein Anduril Industries will 3,7 Milliarden US-Dollar investieren. Die US-Marine steuert zunächst weitere 2,9 Milliarden US-Dollar bei. Trump bezeichnete Arsenal-2 als größtes neues Werftprojekt in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Die amerikanischen Steuerzahler sollen nach seiner Darstellung 40 Prozent der Anteile an der neuen Werft besitzen.
Eine softwaredefinierte Werft für U-Boote
Auf rund 2 Millionen Quadratfuß Fläche soll eine hochmoderne, softwaredefinierte Produktionsanlage entstehen. Vorgesehen sind die nächste Generation amerikanischer U-Boote, autonome U-Boote und Torpedorohre. Außerdem soll Arsenal-2 wichtige Komponenten für Angriffs-U-Boote der Virginia-Klasse herstellen.
Die US-Marine könnte künftig Beschaffungsverträge im Wert von bis zu 21 Milliarden US-Dollar mit der Werft abschließen. Maryland und Baltimore County erwarten, dass das Projekt mehr als 14.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt unterstützt. Mehr als 3.100 neue dauerhafte Stellen sollen entstehen. Jährlich könnten dadurch über 2 Milliarden US-Dollar Wirtschaftsleistung und schätzungsweise 312 Millionen US-Dollar an Lohnsumme erzeugt werden.
Für Maryland wäre Arsenal-2 laut Mitteilung die größte Einzelinvestition eines privaten Unternehmens in der Geschichte des Bundesstaats und zugleich der größte Arbeitsplatzschaffer seit mehr als zehn Jahren. Anduril-CEO Brian Schimpf sagte, sein Unternehmen werde an diesem Standort den großmaßstäblichen Schiffbau wieder aufnehmen.
Der Ort ist dafür nicht zufällig gewählt. Sparrows Point hat eine lange Geschichte im Stahl- und Schiffbau; während des Zweiten Weltkriegs wurden dort unter anderem Schiffe für die US-Verteidigung gebaut. Heute bietet Tradepoint Atlantic eine strategische Lage an der US-Ostküste, einen Tiefwasserhafen sowie Bahn- und Interstate-Anbindungen. Auch der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften zählt zu den Argumenten.
Viele Jobs, aber Fördermittel müssen noch durch
Maryland und Baltimore County wollen bis zu 13 Prozent der erwarteten privaten Investition über bestehende Förderprogramme und neue Mittel bereitstellen. Die dafür nötigen Bewilligungen müssen allerdings noch von der Maryland General Assembly und dem Baltimore County Council genehmigt werden. Das staatliche Förderpaket soll unter anderem den Bau eines Ausbildungs- und Kompetenzzentrums für Arbeitskräfte finanzieren. Wo genau dieses Zentrum bei oder nahe Tradepoint Atlantic stehen wird, ist noch offen.
Zusätzlich will Maryland für die Region die bundesstaatliche Einstufung als „Maritime Prosperity Zone“ anstreben. Baltimore County verweist auf einen Arbeitskräftepool von mehr als fünf Millionen Menschen im Umkreis von 60 Meilen. Straßen, Bahnstrecken, Hafen und Flughäfen liegen ebenfalls in Reichweite – für ein Werftprojekt klingt das nach einer ziemlich gut gepackten Werkzeugkiste.
Seit dem Amtsantritt von Gouverneur Wes Moore hat Maryland laut Mitteilung mehr als 17 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen angezogen. AstraZeneca investiert 2 Milliarden US-Dollar in Produktionsstandorte in Frederick und Gaithersburg und unterstützt damit 2.600 Arbeitsplätze. Ein neues Sphere-Veranstaltungszentrum in National Harbor soll 8.000 Arbeitsplätze unterstützen und eine wirtschaftliche Entwicklung von 1,5 Milliarden US-Dollar auslösen.
Samsung Biologics eröffnete in Rockville seine erste US-Produktionsstätte und sicherte mehr als 500 lokale Arbeitsplätze. Tradepoint Atlantic selbst begann mit dem Bau eines Containerterminals in Sparrows Point. Vorgesehen sind 1,2 Milliarden US-Dollar Kapitalausgaben und 1.100 neue Gewerkschaftsarbeitsplätze.
Der große Schub für die U-Boot-Industrie
Arsenal-2 soll die amerikanische U-Boot-Industriebasis erweitern und zusätzliche Produktionskapazitäten für die Anforderungen der Virginia-Klasse der US Navy schaffen. Trump erklärte außerdem, der US-Verteidigungshaushalt solle in diesem Jahr auf 1,5 Billionen US-Dollar steigen. Zuvor habe er bei mehr als 1 Billion US-Dollar gelegen.
Die Größenordnung fügt sich in einen ohnehin gewaltigen Markt ein. Im Fiskaljahr 2025, das vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 lief, gaben die USA gut 920 Milliarden US-Dollar für das Militär aus. 2024 entfielen laut SIPRI 37 Prozent der weltweiten Militärausgaben auf die Vereinigten Staaten. 2025 machten die Verteidigungsausgaben rund 13 Prozent der Bundesausgaben und gut 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
Für das Fiskaljahr 2026 beantragte die Trump-Regierung eine Erhöhung des laufenden Militärbudgets um rund 13 Prozent. Damit könnte erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschritten werden. Der Schwerpunkt der US-Sicherheitspolitik liegt zunehmend auf der asiatisch-pazifischen Region und der militärischen Abschreckung Chinas. Unter Trump setzte sich diese Ausrichtung trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine fort; Russland werde vor allem als europäisches Problem betrachtet.
Erwartet werden steigende Ausgaben für Marine und Luftwaffe, vor allem für Flugzeuge, Schiffe, Raketen und Drohnen. Für die Landstreitkräfte werden dagegen nur leicht steigende oder stagnierende Budgets erwartet. Der Bedarf an Panzern und Artillerie soll zurückgehen. Projektstreichungen im Heer könnten insbesondere für mittelständische und auf Nischen spezialisierte Unternehmen problematisch werden, während die großen Rüstungskonzerne den Wegfall einzelner Vorhaben eher ausgleichen können.
Ein Markt mit hohen Hürden
Die staatliche Beteiligung an Arsenal-2 steht in einem größeren politischen Zusammenhang: Die US-Regierung greift verstärkt in Unternehmen und Projekte ein, die sie als strategisch wichtig einstuft. Laut „The Hill“ hält die Regierung inzwischen Anteile an mehr als 30 Unternehmen, darunter 9,9 Prozent an Intel und 10 Prozent direkt an Trilogy Metals.
Die US-Verteidigungsindustrie umfasste 2021 rund 60.000 Unternehmen mit 1,1 Millionen Beschäftigten. Im Fiskaljahr 2023 erhielten diese Unternehmen Aufträge des Verteidigungsministeriums im Umfang von 440 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte entfiel auf Ausrüstung und Verbrauchsgüter, weitere 37 Prozent auf Dienstleistungen. Das Pentagon bezifferte seine Aufträge für das Fiskaljahr 2025 auf 334 Milliarden US-Dollar, verteilt auf rund 3 Millionen Einzelaufträge.
Der größte Anteil entfiel auf die Marine, einschließlich erheblicher Ausgaben für die ihr zugerechnete Luftwaffe. Für die Beschaffung von Fluggeräten waren 2025 über alle Teilstreitkräfte hinweg 73 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Bei Arsenal-2 passt also vieles zusammen: Schiffbau, U-Boote, Drohnen, Software und eine Marine, deren Bedeutung im Budget weiter wächst.
Fünf Unternehmen dominieren die US-Verteidigungsindustrie: Lockheed Martin, Boeing, RTX, General Dynamics und Northrop Grumman. Laut Kongressbericht vereinten sie in den vergangenen Jahren rund ein Drittel aller Aufträge auf sich. Bei drei Vierteln aller Beschaffungen großer Waffensysteme war mindestens eines dieser Unternehmen Hauptauftragnehmer.
| Unternehmen | Aufträge im Fiskaljahr 2022 | Umsatz 2024 |
|---|---|---|
| Lockheed Martin | 44,5 Milliarden US-Dollar | 71,0 Milliarden US-Dollar |
| RTX | 25,4 Milliarden US-Dollar | 80,7 Milliarden US-Dollar |
| General Dynamics | 21,5 Milliarden US-Dollar | 47,4 Milliarden US-Dollar |
| Boeing | 14,2 Milliarden US-Dollar | 23,9 Milliarden US-Dollar für „Boeing Defense, Space & Security“ |
| Northrop Grumman | 12,8 Milliarden US-Dollar | 41,0 Milliarden US-Dollar |
Weitere große Anbieter sind Huntington Ingalls im Schiffbau, AM General im Fahrzeugbau sowie Amentum und Booz Allen Hamilton im Dienstleistungsbereich. Auch Microsoft und IBM gehören zu den genannten großen Anbietern.
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