NRW genehmigt mehr Wohnungen – doch günstige Mietangebote bleiben Mangelware
In Nordrhein-Westfalen geht es beim Wohnungsbau wieder etwas schneller voran. 2025 stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen – ein Signal, das Ministerpräsident Hendrik Wüst als mögliche Trendwende wertet. Für ein Land mit rund 18 Millionen Einwohnern, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands, ist das keine Nebensache.
Bezahlbarer Wohnraum ist allerdings seit Jahren knapp. Die Nachfrage wächst, während das Angebot vielerorts nicht hinterherkommt. Neubauprojekte hängen zudem teilweise mehrere Jahre in bürokratischen Verfahren fest. Das merkt man nicht nur in Statistiken, sondern auch bei der Wohnungssuche: Besichtigungen, lange Wartelisten, Absagen. Für viele gehört das inzwischen zum Alltag.
Mehr Genehmigungen, aber noch keine Entspannung
Nach Angaben Wüsts wurden seit 2025 etwa 45.000 Wohnungen genehmigt – rechnerisch eine Genehmigung alle zwölf Minuten. Hinzu kommen 13.000 geförderte Wohnungen. Wüst bezeichnet die Gesamtzahl als Höchststand seit 2009.
Als Gründe gelten ein digitalisiertes Genehmigungsverfahren und die Genehmigungsfiktion. Dabei gilt ein vollständig und fristgerecht beantragter Verwaltungsakt automatisch als erteilt, wenn die Behörde innerhalb der gesetzlichen Frist nicht entscheidet. Das klingt trocken, kann für Bauherren aber einen gewaltigen Unterschied machen.
Der Wohnungsmarkt bleibt trotzdem angespannt. Laut Wohnungsmarktbericht 2025 der NRW.BANK reicht das Mietwohnungsangebot vielerorts nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Besonders öffentlich geförderte und günstige Wohnungen sind knapp. Rund 63 Prozent der Menschen in NRW wohnen zur Miete. Die Eigentumsquote liegt bei 32 Prozent, bundesweit bei 39 Prozent.
Auch die Preise erzählen ihre eigene Geschichte: Im ersten Halbjahr 2025 stieg die durchschnittliche Angebotsmiete auf 9,84 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Gleichzeitig wurden Mietwohnungen durchschnittlich nach 19 Tagen vermietet. Das sind vier Tage weniger als im Vorjahreszeitraum. Wer eine passende Wohnung findet, sollte also besser nicht erst noch gemütlich den Küchentisch ausmessen.
Was die Zahlen vor Ort bedeuten
Die NRW.BANK hat auf ihrer Homepage die Dashboards „Rahmenbedingungen“ sowie „Mieten & Kaufpreise“ veröffentlicht. Sie zeigen jeweils die Daten des aktuell verfügbaren Jahres und außerdem die Entwicklung über zehn Jahre. Abrufbar sind die Angaben auf kommunaler Ebene, für Kreise und für ganz NRW.
Im Dashboard „Rahmenbedingungen“ finden sich zusätzlich monatliche Kennzahlen der Bauwirtschaft. Dazu gehören das Geschäftsklima, Zinssätze und Auftragsstornierungen im Wohnungsbau. Auch die Ergebnisse des kürzlich veröffentlichten Wohnungsmarktbarometers sind dort enthalten.
Das Dashboard „Mieten & Kaufpreise“ bildet die Preisentwicklung bei Mietwohnungen, Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäusern ab. Das aktualisierte Dashboard „Wohnungsangebot“ enthält außerdem die jüngsten Fortschreibungsergebnisse zur Bevölkerungsentwicklung auf Grundlage des Zensus 2022.
Die Übersicht ist damit nicht nur etwas für Zahlenmenschen. Wer wissen will, ob sich die Lage im eigenen Ort verändert, kann dort auf mehreren Ebenen nachsehen – vom einzelnen kommunalen Markt bis zur Entwicklung in ganz Nordrhein-Westfalen. Die Dashboards sind über die Homepage der NRW.BANK abrufbar. Gekennzeichnet sind sie mit 20.4.1.2-001/002 und GVP 28.
Für den Wohnungsbau in NRW bleibt damit ein eigenartiges Bild: Auf dem Papier geht es bei den Genehmigungen kräftig voran, während draußen weiterhin günstige Mietwohnungen fehlen und neue Angebote schnell wieder verschwinden. Der Bauantrag mag digital unterwegs sein. Die Wohnungssuche läuft vielerorts noch immer im Sprint.
