Der Wohnungsbau in Deutschland gerät 2026 weiter unter Druck. Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, erwartet für das laufende Jahr weniger als 200.000 fertiggestellte Wohnungen. 2025 waren es noch 206.000. Vor allem in den Ballungsräumen fehlen Wohnungen, zugleich rechnen sich viele Neubauprojekte wegen hoher Energie- und Baukosten schlicht nicht mehr.

Demuth warnt vor einer weiteren Verschärfung der Krise und vor wirtschaftlichen Folgen politischer Vorhaben in Berlin. Der Bausektor trägt nach seinen Angaben 9 bis 12 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands bei. Ein anhaltender Abschwung würde deshalb weit über Baustellen, Maklerbüros und Wohnungsunternehmen hinausreichen.

50 bis 60 Milliarden Euro für neue Wohnungen

Die Bauindustrie fordert ein staatliches Finanzierungspaket von 50 bis 60 Milliarden Euro. Vorgesehen sind zinsgünstige Darlehen und Bürgschaften, damit Haushalte, Familien und Anleger wieder leichter an Kapital kommen. Der Kapitalmarkt verlangt zunehmend mehr Sicherheiten; ohne ausreichendes Eigenkapital sind derzeit kaum Kredite zu angemessenen Zinsen erhältlich.

„Das Finanzierungsproblem muss gelöst werden“, sagte Demuth der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein mit günstigen Krediten abgesichertes Wohnungsbauvolumen von 50 bis 60 Milliarden Euro könne eine starke Wirkung entfalten. Der Präsident betont dabei ausdrücklich: Es gehe um Darlehen, nicht um klassische konsumtive Ausgaben. Das Geld solle zurückfließen, als Sicherheit dienen und zusätzliches privates Kapital mobilisieren.

Die Krise könne innerhalb weniger Jahre entschärft werden, wenn die politischen Entscheidungen fielen. Geeignete Fördermaßnahmen hätten in früheren Jahrzehnten die Bauzahlen rasch erhöht. Demuth sieht vor allem den politischen Willen als entscheidend an. Union und SPD handelten bislang nicht ausreichend, kritisiert er.

Ein stark laufender „Baumotor“ könne 9 bis 12 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung beitragen. Auf internationale Entwicklungen wie Trump, Putin oder China habe Deutschland nur begrenzten Einfluss. Den eigenen Wohnungsbau könne das Land dagegen selbst steuern.

Berlin sorgt für Zurückhaltung bei Kreditgebern

Besonders zugespitzt ist die Lage in Berlin. Demuth macht die Vergesellschaftungspläne der Linken für erhebliche Marktverunsicherung verantwortlich. Berliner Baugesellschaften erhielten kaum noch neue Kredite. Kreditgeber verweigerten Finanzierungen, obwohl bisher kein Vergesellschaftungsgesetz beschlossen wurde. Inzwischen seien von dieser Zurückhaltung auch staatliche Akteure betroffen.

Bei der Wahl am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und nahm Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD auf. Zu ihren zentralen Wahlversprechen gehört die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin.

Die Vergesellschaftung von rund 200.000 Wohnungen würde nach Demuths Angaben 20 bis 30 Milliarden Euro kosten. Wohnungen würden dadurch weder saniert noch neu gebaut. Für die betroffenen Unternehmen sei eine Entschädigung von 40 bis 60 Prozent des Marktwerts vorgesehen.

Investoren fürchten, dass solche Modelle später auch auf Hamburg und München ausgeweitet werden könnten. Demuth verweist zudem auf die politische Sprengkraft der Wohnungsnot: In Berlin habe sie Wahlen beeinflusst und Wähler populistischen Parteien zuführen können. Das macht die ohnehin angespannte Finanzierungslage nicht gerade ruhiger.

Vonovia stoppt neue Vorhaben

Die Immobilienwirtschaft zieht bereits Konsequenzen. Vonovia-Chef Luka Mucic kündigte an, in Berlin vorerst keine neuen Wohnungsprojekte zu starten, solange die Vergesellschaftungspläne bestehen. Rund 1.000 Wohnungen, die sich bereits im Bau befinden, sollen noch fertiggestellt werden.

Vonovia besitzt zusammen mit Deutsche Wohnen rund 130.000 Wohnungen in Berlin. Für neue Vorhaben fehlt damit nicht nur Geld, sondern auch Planungssicherheit. Auf den Baustellen laufen die Maschinen weiter, andernorts bleiben Projekte vorerst liegen – und in den Wohnungssuchenden-Haushalten wächst der Druck weiter.