Alter Einkaufsbon zeigt: 13 Lebensmittel kosten in Lilienthal heute 56 Prozent mehr
Ein alter Kassenbon kann ganz schön nachhallen. Die Redaktion hat einen Einkauf aus dem Jahr 2016 wiederentdeckt und für einen Inflationsvergleich genutzt. Damals standen 13 Produkte für 18,08 Euro auf dem Bon. Am 6.10.2026 wurden dieselben oder vergleichbare Waren in einem Discounter in Lilienthal erneut gekauft – diesmal für 28,36 Euro.
Rund 56 Prozent mehr also. Das passt zum größeren Bild: Das Statistische Bundesamt verzeichnete bei Lebensmitteln in Deutschland von 2020 bis Ende 2025 einen Preisanstieg von rund 37 Prozent. Laut einer Verbraucherzentrale-Umfrage von 2025 verzichteten gut 45 Prozent der Befragten wegen hoher Preise auf bestimmte Lebensmittel. Beim Blick auf den neuen Bon fällt außerdem auf: Produkte für unter einen Euro sind im Vergleich zu 2016 kaum noch dabei.
Obst, Gemüse und Milchprodukte ziehen an
Bei Obst und Gemüse wurden Kilopreise, Saison und jeweils das günstigste Angebot berücksichtigt. Die Gurke kostete 2016 noch 0,59 Euro, beim Nachkauf waren es 0,89 Euro – rund 50 Prozent mehr. Helle kernlose Weintrauben lagen ebenfalls etwa 50 Prozent höher. Besonders deutlich wurde es bei den Strauchtomaten: Aus 1,70 Euro pro Kilogramm wurden 3,49 Euro pro Kilogramm. Mehr als doppelt so viel.
Auch im Kühlregal wurde es teurer. Butter verteuerte sich von 0,79 auf 1,79 Euro und kostete damit mehr als doppelt so viel. Philadelphia-Frischkäse stieg von 1,29 auf 2,29 Euro – ein Plus von 77 Prozent. 400 Gramm Gouda kosteten 2016 1,69 Euro, heute 2,45 Euro.
Der niedrige Milchpreis von 2016 hatte allerdings einen konkreten Hintergrund: Laut Statistischem Bundesamt waren die Preise damals wegen des Wegfalls der Milchquote und eines Überangebots gesunken. Der Vergleich startet also nicht aus einer völlig normalen Marktlage – der Bon zeigt trotzdem ziemlich anschaulich, was heute an der Kasse hängen bleibt.
Hackfleisch, Brot und Schokolade
Beim Fleisch fiel der Anstieg beim 400-Gramm-Päckchen Hackfleisch mit 2,29 auf 2,79 Euro vergleichsweise moderat aus: 21 Prozent mehr. Die „Pommersche Gutsleberwurst“ von Rügenwalder Mühle kostete 2,69 Euro und damit 73 Prozent mehr als 2016.
Ein Roggenbrot legte von 1,29 auf 1,65 Euro zu. Gewürzspekulatius stieg von 0,89 auf 1,69 Euro und kostete damit fast doppelt so viel. Bei den Knabberartikeln kletterten Salzstangen von 0,39 auf 0,69 Euro. Eine Tafel Milka-Schokolade verteuerte sich von 0,99 auf 1,99 Euro.
Mit der an diesem Tag angebotenen App hätte die Schokolade weiterhin 0,99 Euro kosten können. Die Redaktion zahlte allerdings den regulären Preis. So landet der Rabatt nicht nur auf dem Handydisplay, sondern macht beim Kassenbon gleich einen Euro Unterschied.
Zu den Produkten mit dem geringsten Anstieg gehörte neben dem Roggenbrot der Honig. Sein Preis erhöhte sich von 2,29 auf 2,69 Euro – 17 Prozent mehr.
Was die amtliche Statistik misst
Für die Einordnung solcher Preisvergleiche nutzt die amtliche Statistik Preisindizes. Sie dienen der Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der Verbraucherpreisindex ist dabei eine zentrale Kennzahl für die Geldwertstabilität in Deutschland; der harmonisierte Verbraucherpreisindex ist die international angepasste Form dieses Verbraucherpreisindex und wird zur Beurteilung der Inflation in Deutschland verwendet.
Die Preisstatistik bildet die Preisentwicklung im Zeitablauf ab. Ihre Ergebnisse werden üblicherweise als Messzahlen beziehungsweise Indizes dargestellt. Zusammenfassende Informationen zum deutschen System der Preisstatistik gibt es unter „Preisstatistik im Überblick“. Ein einzelner Einkauf in Lilienthal ersetzt diese Berechnungen nicht, macht die Zahlen aber greifbar: 18,08 Euro damals, 28,36 Euro heute.
Frischepreise im Blick behalten
Eine weitere Perspektive liefert die Verbraucherforschung der AMI. Für den Verbraucherpreisspiegel ermittelt sie die Preise für etwa 700 Lebensmittel und Produktspezifikationen. Unterschieden wird dabei zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Produkten. Der Schwerpunkt liegt auf frischen Lebensmitteln wie Fleisch, Geflügel, Eiern, Molkereiprodukten, Obst und Gemüse.
Die Produkte werden unter anderem nach Angebotsform, Herkunft und Gewichtsklasse weiter differenziert. Die ermittelten Verbraucherpreise sind absolute Durchschnittspreise im Einzelhandel und basieren auf tatsächlichen Einkäufen. Außerdem werden sie bereits für die jeweils vorherige Woche ermittelt – nicht irgendwann, wenn die Erinnerung an den Einkauf schon verblasst ist.
Der AMI-Frischeindex ist ein Verbraucherpreisindex zur Darstellung der Preisentwicklung im Frischebereich. Mit ihm lässt sich die Teuerung gegenüber dem Vorjahr und dem Vormonat untersuchen, sowohl für frische Lebensmittel insgesamt als auch für einzelne Warengruppen in Deutschland. Die Lebensmittelpreise können als Tabellen und Diagramme aufbereitet und durch eine Kommentierung der Marktlage ergänzt werden. Für Informationen zur Preisentwicklung frischer Lebensmittel auf Verbraucherebene können die Marktexperten der AMI-Verbraucherforschung kontaktiert werden.
Der alte Bon bleibt derweil ein Stück Papier mit erstaunlich viel Aussagekraft. Gurke, Butter, Brot, Schokolade – lauter ganz gewöhnliche Dinge. Nur die Summe am Ende ist heute eine andere.
