ECHT JETZT: Junge Fotografie zieht ins KIT – Studierende machen Düsseldorfs Ausstellung zum Gesprächsraum
Beim Deutschen Jugendfotopreis 2026 sind in Düsseldorf 40 Preise vergeben worden. Die Jury wählte die Preisträgerinnen und Preisträger aus mehr als 8.000 eingereichten Arbeiten aus. Ausgezeichnet wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von fünf bis 25 Jahren, die aus elf Bundesländern kommen. Insgesamt gingen 14.000 Euro Preisgeld an die jungen Fotografinnen und Fotografen.
Der Wettbewerb besteht seit mehr als 60 Jahren und gibt jungen Menschen eine Plattform für ihre fotografischen Perspektiven. Die Bilder erzählen von Alltagssituationen, Familie, zwischenmenschlichen Beziehungen und Fluchterfahrungen – also von Dingen, die nicht weit weg passieren, sondern mitten im Leben.
Preise für freie Sichtweisen und Experimente
Auszeichnungen gab es in den Kategorien „Freie Themenwahl“, „Experimente“ und zum Jahresthema „Ein Haus, Ein Boot, Ein Auto“. In der letztgenannten Kategorie erhielt Melek Ayla Reinalda den Hauptpreis.
Bei der „Freien Themenwahl“ wurden Hauptpreise nach Altersgruppen vergeben: Kaddy Darboe gewann in der Altersgruppe bis zehn Jahre, Mizgin Frotscher bei den Elf- bis 15-Jährigen, Minze Gaus bei den 16- bis 20-Jährigen und Meret Eberl bei den 21- bis 25-Jährigen. In der Kategorie „Experimente“ wurde Pha Croissant für ein experimentelles Fotoprojekt mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.
Gruppenpreise gingen an die Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule in Berlin, die Fotografie-AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Bad Harzburg, die Fotogruppe Sammarro aus Düsseldorf und das Kollektiv Strukturlos aus Bergisch Gladbach.
Zum zweiten Mal fand die Preisverleihung in Düsseldorf statt. Die prämierten Arbeiten sind nun unter dem Titel „ECHT JETZT“ im KIT – Kunst im Tunnel zu sehen. Erstmals in der mehr als 60-jährigen Geschichte des Wettbewerbs ist die Ausstellung in einem kompletten Ausstellungshaus eingerichtet. Geöffnet bleibt sie bis zum 15. November 2026.
Studierende bauen den Ausstellungsraum
Konzipiert und produziert wurde „ECHT JETZT“ von Studierenden der Peter Behrens School of Arts an der Hochschule Düsseldorf. Die Leitung hatten Mareike Foecking und Morgaine Schaefer. Im Seminar von Prof. Mareike Foecking und Morgaine Schäfer entwickelten die Studierenden das Ausstellungskonzept; seit Beginn des Sommersemesters 2026 beschäftigten sie sich intensiv mit den Arbeiten der Preisträgerinnen.
Beteiligt waren Studierende aus Kommunikationsdesign, Exhibition Design und Object Design: Ahmed Shukur, Anna Brener, Brian Zillig, Bruno Steinhauer, Carola Morhart, Cosmo Caspers, Einat Danino, Felix Weißenbacher, Helena Reister, Henri Kral, Jakob Tils, Jennifer Schilling, Julie Ambrose, Lena Rüschmann, Lina Kaliske, Louis Peerlings, Lucia Shafei, Madlen Schrumpf, Malou Tremblay, Philipp Mauss und Sara Milic.
Inhaltlich kreist die Schau um Fragen, Beziehungen und Perspektiven junger Menschen. Dazu sind begleitende Workshops, Themenführungen, Gesprächsformate und eine Finissage geplant. Es dürfte also nicht bei der stillen Betrachtung von Bildern bleiben – im KIT wird geredet, nachgefragt und vielleicht auch gestritten.
Auch an der Kunstakademie Münster lief im Sommersemester 2026 ein Seminar, geleitet von Prof. Dr. Sarah Hübscher. Dort ging es um die Frage, wie Wettbewerbe wie der Deutsche Jugendfotopreis dazu beitragen können, Ausstellungsräume als offene Räume für die Aushandlung gesellschaftlicher Fragestellungen zu verstehen.
Das Lehr-Lernprojekt entwickelte gemeinsam mit dem Deutschen Jugendfotopreis (DJF) und dem KIT Anknüpfungspunkte zu Kunstvermittlung, Fotografie und Ausstellungspraxis. Als „Critical Friends“ erarbeiteten die Studierenden eigenständige Zugänge zu den Ausstellungsthemen. Sie bieten Besucherinnen und Ausstellenden Raum für Gespräche, Gedanken und Reflexion und übernehmen dabei überwiegend eine zuhörende Rolle.
Aus Münster beteiligt waren Amira Aicha Aabaslama, Paul Arnoldy, David Blum, Merle Borgmann, Yves Deitermann, Anna Maria Engeln, Henrik Fechler, Niklas Arthur Heinen, Johann Laurin Held, Maike Hüpgen, Darius Merlin Konrad, Anna Sofia Korflür, Annika Madles Krüdewagen, Elisabeth Malcew, Nura Mir Yousef, Lena Nyhuis, Henri Schlößer, Jan Schulze Farwick, Birte Stolte, Anna-Lena Terwey, Lisa Amelie Treutler und Esad Yigit.
Was wirklich bewegt
Der Wettbewerb lädt junge Menschen dazu ein, Geschichten aus ihrem eigenen Alltag zu erzählen – Geschichten, die für das persönliche Leben wichtig sind. Auf der Wettbewerbsseite werden Gewinner-Serien und weitere Einreichungen aus vergangenen Jahren gezeigt. Die Fotostorys sollen die eigene Realität darstellen und den Austausch über persönliche Themen fördern. Zugleich können sie dazu anregen, gemeinsam Alternativen für Probleme zu entwickeln.
Nicht die beeindruckendsten oder perfektesten Bilder stehen im Mittelpunkt, sondern das, was die Teilnehmenden wirklich bewegt. Dafür gelten klare Spielregeln: Zugelassen sind ausschließlich echte Fotos. KI-generierte Bilder sind ebenso ausgeschlossen wie ausgetauschte Hintergründe, hineinkopierte Menschen oder Gegenstände und auffällige Filter.
Im KIT – Kunst im Tunnel in Düsseldorf lässt sich diese Haltung bis zum 15. November 2026 ansehen. Manchmal reicht dafür ein Bild aus dem Alltag. Manchmal braucht es eine ganze Serie, ein Gespräch und ein bisschen Zeit davor.
