Eigentum ohne Platz: Warum der Traum vom Eigenheim in Deutschland teurer wird
Wer in Deutschland vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung träumt, braucht derzeit vor allem eines: viel Eigenkapital. Genau daran scheitert der Wunsch bei immer mehr Menschen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt zur Miete. In Rumänien ist das Bild fast umgekehrt: Dort besitzen über 90 Prozent der Menschen ein eigenes Zuhause.
Der hohe rumänische Eigentumsanteil hat einen historischen Grund. Nach der politischen Wende wurden Plattenbauwohnungen günstig an die bisherigen Mieter verkauft. Eigentum war damit plötzlich erreichbar – allerdings sagt die Eigentumsquote allein noch nichts über die Qualität des Wohnens aus.
Viele Eigentümer, aber großer Sanierungsbedarf
Matthias Günther vom Pestel-Institut weist darauf hin, dass zahlreiche Gebäude in Osteuropa renovierungsbedürftig seien. Rumänische Eigentümer hätten häufig nicht genug Geld für Instandhaltungen. Ohne staatliche Förderung sei der langfristige Erhalt vieler Wohnungen kaum möglich. 2016 flossen laut Günther fast 43 Millionen Euro EU-Mittel in die Wärmedämmung von Plattenbauten in Westrumänien.
Gleichzeitig hat Rumänien die höchste Quote überbelegter Wohnungen in der Europäischen Union: 40 Prozent der Wohnungen gelten dort als überbelegt. In Deutschland lebten 2025 knapp 12 Prozent der Menschen beengt. Das klingt zunächst nach einem klaren Vorteil – bis man genauer hinschaut. Eine hohe Eigentumsquote kann eben mit dünnen Wänden, wenig Platz und aufgeschobenen Reparaturen einhergehen.
Auch die Schweiz zeigt, dass wenig Wohneigentum nicht automatisch wenig Wohlstand bedeutet. Nur 36 Prozent der Schweizer besitzen ein eigenes Zuhause, die Schweiz ist damit europäisches Schlusslicht. Deutschland folgt mit knapp 42 Prozent. Bayern liegt mit 45,8 Prozent darüber.
Der Traum vom Eigenheim wird teurer
In Deutschland können viele Familien nicht genug Eigenkapital ansparen. Dazu kommen Bauzinsen von aktuell etwa 4 Prozent, die innerhalb weniger Jahre um drei Prozentpunkte gestiegen sind. Bei einem Kredit über 400.000 Euro verursacht eine solche Zinssteigerung rund 1.000 Euro zusätzliche Monatsbelastung. Das ist kein Betrag, den man mal eben aus dem Ärmel schüttelt.
Teuer wird es bereits vor dem ersten Spatenstich: Kaufnebenkosten für Notar, Grundbuch und Makler können je nach Bundesland bis zu 12 Prozent des Kaufpreises betragen. Nach dem Kauf müssen Eigentümer außerdem Geld für mögliche Sanierungen zurücklegen. Eine Immobilie als Altersvorsorge funktioniert laut Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung deshalb nur, wenn diese laufenden Kosten von Anfang an berücksichtigt werden.
Viele Familien sparen laut Verband Wohneigentum stark, etwa beim Urlaub, und erreichen den Immobilienkauf trotzdem nicht. Verbandspräsident Peter Wegner fordert verlässlichere, an aktuelle Preise angepasste Förderprogramme, eine niedrigere Grunderwerbsteuer und geringere Kaufnebenkosten.
Förderangebote gibt es zwar. Bayern bietet ein Zinsverbilligungsprogramm an, außerdem unterstützt das Bundesprogramm „Jung kauft Alt“ den zinsgünstigen Kauf älterer Immobilien. Der Verband Wohneigentum kritisiert Förderprogramme jedoch als kompliziert und unzuverlässig, weil sie verändert, gekürzt oder kurzfristig beendet würden. Seit der Abschaffung des Baukindergelds 2021 gebe es laut Pestel-Institut keine wirksame Wohneigentumsförderung mehr.
Aktionsplan gegen hohe Baukosten
Ein im Juni vorgestellter Aktionsplan des Bundes soll die Baukosten senken. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen schneller werden, Normen und technische Anforderungen reduziert. Franz Xaver Peteranderl von der Handwerkskammer für München und Oberbayern begrüßt den Ansatz, bezweifelt aber einen nachhaltigen Effekt auf die Bautätigkeit in Bayern. Hohe Bauzinsen könnten die Wirkung des Aktionsplans abschwächen.
Der Blick auf die Preisentwicklung erklärt die Nervosität am Bau: Seit 2000 stiegen die Herstellungskosten für Wohnungen laut Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen um 160 Prozent. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um 64 Prozent. Zwischen Beton, Grundstück und Finanzierung klafft damit längst eine Lücke, die viele Haushalte nicht mehr schließen können.
Für die Einordnung der europäischen Vergleichszahlen bietet Eurostat die interaktive Veröffentlichung „Housing in Europe“, herausgegeben vom Statistischen Amt der Europäischen Union. Die Daten in den Visualisierungen sind bis zum jeweils angegebenen Referenzjahr direkt mit der Eurostat-Onlinedatenbank verknüpft. Die Begleittexte wurden Ende November 2025 fertiggestellt und spiegeln den Datenstand zu diesem Zeitpunkt wider.
Weitere Informationen zu Metadaten sind über die Links „access to dataset“ unter den jeweiligen Visualisierungen abrufbar. In der geöffneten Datenbank stehen über ein Symbol oben rechts erklärende Metadaten-Texte zur Verfügung. Zusätzliche Kennzeichnungen, sogenannte Flags, erläutern bestimmte Dateneigenschaften und definieren sie. Die vollständige Übersicht der Flags ist über die jeweiligen Datensatz-Links auf der Eurostat-Website verfügbar. Veröffentlichungs- und Aktualisierungstermine aller statistischen Indikatoren finden sich im Eurostat-Veröffentlichungskalender; Fragen zu den Daten können an den Eurostat-Nutzersupport gerichtet werden.
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