Eiskugelpreise in NRW steigen auf 1,92 Euro – zwischen 50 Cent in Bochum und 3,70 Euro in Düsseldorf
Der Frühling naht, viele Eisdielen in Deutschland haben bereits geöffnet – und bei mildem Wetter stehen die Menschen wieder mit klebrigen Fingern und großen Erwartungen vor den Auslagen. In Nordrhein-Westfalen ist die Kugel 2026 erneut teurer geworden. Laut einer Erhebung des „4U“-Magazins kostet sie derzeit durchschnittlich 1,92 Euro.
Im Jahr 2025 waren es noch 1,81 Euro, also 11 Cent beziehungsweise 6 Prozent weniger. 2024 lag der Durchschnitt bei 1,72 Euro. Was nach einer kleinen Differenz klingt, summiert sich bei einer Familie mit mehreren Kugeln und vielleicht noch einem Becher oder Hörnchen ziemlich schnell.
Zwischen 50 Cent und 3,70 Euro
Die Spannweite in NRW ist beträchtlich. „Gelato49“ in der Düsseldorfer Innenstadt verlangt für eine Kugel „Dubai“-Eis 3,70 Euro. Das ist dort der Preis für eine Premiumsorte; eine gewöhnliche Kugel kostet bei Gelato49 2,20 Euro. Im Eiscafé Roma in Düsseldorf stieg der Preis von 1,70 Euro im Vorjahr auf 1,90 Euro.
Ganz anders sieht es bei „Monikas Eis zum Mitnehmen“ in Bochum aus: Eine kleine Kugel kostet dort weiterhin 50 Cent. In Köln verlangt das Eiscafé Stella D’oro unverändert 2 Euro. Laut den Recherchen des WDR-Magazins „Markt“ ist Dortmund mit durchschnittlich 1,57 Euro pro Kugel am günstigsten unter den genannten NRW-Städten. Münster und Aachen liegen mit jeweils 2,03 Euro an der Spitze, während Bielefeld, Bonn und Köln im Mittelfeld liegen.
Auch bundesweit wurde die Zwei-Euro-Marke 2025 vielerorts bereits überschritten. Damals lag der Durchschnittspreis laut Coupons.de bei 1,81 Euro pro Kugel. Für das Frühjahr beruht dieser Wert auf einer Erhebung bei 176 Eisdielen in 60 deutschen Städten.
Große Unterschiede von Berlin bis Bayern
In Berlin kostet die Kugel bei Summertime Ice Cream und KiezEis unverändert 2,50 Euro. Baden-Württemberg meldet ebenfalls kräftige Bewegungen: Laut SWR erhöhte rund die Hälfte der Eisdielen ihre Preise um 10 bis 20 Cent. In Tuttlingen und Heidenheim werden 1,80 Euro verlangt, in Heidelberg 2,20 Euro. Beim Eiscafé Mica in Stuttgart kostet die Kugel 2,50 Euro – 20 Cent mehr als im Vorjahr. Die Premiumsorte Pistazie kommt in Heilbronn auf 3,80 Euro.
In Halle (Saale) kostet eine Kugel im Eiscafé San Marco 1,60 Euro, im Eiscafé InnFernow in Fürstenberg (Brandenburg) ebenfalls 1,60 Euro. Beide Eisdielen haben ihre Vorjahrespreise gehalten.
Oberbayern ist mit durchschnittlich 2,04 Euro pro Kugel die teuerste Region Bayerns. Unterfranken liegt bei 1,69 Euro, bayernweit beträgt der Durchschnitt 1,83 Euro. In der Manufaktur Eiskönigin in Königsberg (Unterfranken) gibt es die Kugel für 1,50 Euro. In München verlangt Gelateria – Lorenzo Corno mit 2,70 Euro am meisten.
Der Branchenverband Uniteis verweist auf den Standort, die Größe der Terrasse und den Personalaufwand. Eine Eisdiele mit großer Terrasse und viel Personal im Zentrum Münchens hat schlicht höhere Kosten als ein Betrieb auf dem Land. In touristischen Gebieten werden höhere Preise laut Uwe Koch von der Eisfachschule Werl eher akzeptiert. In Vorstädten und ländlichen Regionen achten Betreiber dagegen stärker auf preisbewusste Stammkunden.
Milch günstiger, Personal und Mieten teurer
Bei den Zutaten ist das Bild nicht einheitlich. Zucker, Schokolade und Nüsse sind teilweise teurer geworden. Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent wie beim Kakao 2025 wurden allerdings nicht erneut verzeichnet. Milch wurde um 7,4 Prozent günstiger, die Strompreise sanken seit Mai 2025 um 5 Prozent. Als Gründe für höhere Preise werden dennoch Milch, Zucker, Personal, Mieten und Energie genannt – je nach Betrieb schlägt eben nicht jeder Posten gleich stark zu Buche.
Koch nennt außerdem die Erntebedingungen und Transportkosten bei Naturprodukten, höhere Mieten in Großstädten, gestiegene Personalkosten infolge des höheren Mindestlohns sowie Angebot und Nachfrage. Auch der Branchenverband Uniteis spricht von insgesamt gestiegenen Lebensmittelpreisen und hält die jährliche Diskussion über den Eispreis für unverhältnismäßig.
Beim Kakao war der Kostenschub besonders heftig. Schlechte Ernten, unter anderem wegen Dürreperioden, trieben den Preis nach oben. Eine Tonne Kakao kostete 2024 bis zu 12.000 Euro und war damit bis zu sechsmal teurer als wenige Jahre zuvor. Eishersteller können darauf reagieren, indem sie den Kakaogehalt reduzieren oder die Preise erhöhen.
In Lennestadt im Sauerland bietet Gregor Heimes 24 Sorten für 1,70 Euro pro Kugel an. Die gestiegenen Lohn- und Materialkosten kennt auch er, seine Preise hat er in diesem Jahr bislang aber nicht erhöht. Anderswo wird aufgerechnet, Cent für Cent, während die Kühltruhe brummt und hinter der Theke die nächste Bestellung wartet.
Teuer heißt nicht automatisch handgemacht
Eine hohe Rechnung garantiert laut Koch nicht automatisch handwerklich hergestelltes Eis. Einige Eisdielen verwenden Fertigpulver, das lediglich mit Milch, Sahne oder Wasser angerührt wird. Pulver-Eis muss deshalb nicht schlecht schmecken; im direkten Vergleich seien die Qualitätsunterschiede zu handwerklich hergestelltem Eis jedoch erkennbar.
Mögliche Hinweise auf Fertigprodukte sind appetitliche, wellenförmige Berge, zu denen das Eis in der Auslage aufgetürmt wird, eine sehr cremige oder fettige Konsistenz und übermäßige Süße, die andere Aromen überdeckt. Manchmal merkt man es erst beim zweiten Löffel. Oder daran, dass Pistazie eigentlich nur süß schmeckt.
Die Düsseldorfer Eisdiele Unbehaun verkauft seit fast 120 Jahren hausgemachtes Eis. Dort kostet eine Kugel ab 70 Cent im Hörnchen und ab 90 Cent im Becher. Wegen der niedrigen Preise ist das Geschäft stark besucht, manche Kunden kommen regelmäßig, andere sogar täglich. Unbehaun will das Eis weiterhin günstig anbieten, damit es für alle erschwinglich bleibt, und begrenzt das Angebot dafür auf fünf Sorten.
In deutschen Touristenmetropolen und Innenstädten kostet eine Kugel inzwischen bis zu drei Euro. Für manche Familien ist der gemeinsame Eisbesuch damit eine erhebliche finanzielle Belastung. Gleichzeitig sind die Kugeln größer geworden: In den 1960er-Jahren wogen sie etwa 25 bis 30 Gramm, heute bringen sie durchschnittlich 80 bis 100 Gramm auf die Waage. Der Löffel ist also nicht nur teurer, sondern auch deutlich schwerer – und schmilzt bei Sonne trotzdem genauso schnell.
