Die Oak Germany Buyer GmbH, Muttergesellschaft von mobile.de, darf das deutsche Geschäft des Fahrzeugportals Carwow übernehmen. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion genehmigt, die zuvor unter dem Vorbehalt behördlicher Zustimmung stand. Für den Abschluss gelten außerdem die üblichen Bedingungen.

Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde ergänzen sich die Aktivitäten der beiden Unternehmen weitgehend und überschneiden sich nur geringfügig. mobile.de vermittelt vor allem Gebrauchtwagen von Händlern an private Käufer. Carwow konzentriert sich dagegen auf Neuwagen: Kundinnen und Kunden können Fahrzeuge verschiedener Marken konfigurieren und sich anschließend passende Angebote vermitteln lassen. Beide Portale vermitteln zudem Leasingverträge für Fahrzeuge.

Starke Plattformen, unterschiedliche Schwerpunkte

Kartellamtspräsident Andreas Mundt verwies auf die starke Marktposition von mobile.de, insbesondere bei der Gebrauchtwagenvermittlung. Durch die Übernahme von Carwow werde diese Stellung jedoch nicht wesentlich verstärkt. Als weiteren starken Wettbewerber nannte Mundt AutoScout24. Das britische Unternehmen Carwow hat seinen Sitz in London.

Die Vereinbarung soll die Reichweite, Ressourcen und Marktplatz-Erfahrung von mobile.de mit der Technologie und den Vertriebslösungen von Carwow.de für Neuwagen und Leasing verbinden. Hinzu kommt die Carwow-Auktionsplattform für den Händlereinkauf. Beide Unternehmen wollen ihre Investitionen in den deutschen Markt ausbauen und Innovationen beschleunigen. Gezielter Mehrwert soll für Händler und OEM-Partner entstehen – beim Neuwagenverkauf, im Leasing und beim Ankauf gebrauchter Fahrzeuge.

Carwow.de soll als eigenständige Geschäftseinheit und Marke mit eigenem lokalen Team weiterarbeiten. Die Leitung bleibt bei Philipp Sayler von Amende. Beziehungen zu Händlern, Herstellern und Geschäftspartnern sollen unverändert bestehen bleiben. Auch das Auktionsprodukt bleibt für Händler verfügbar: Es ermöglicht den Ankauf gebrauchter Fahrzeuge direkt von Privatpersonen in ganz Deutschland.

Bis zur behördlichen Genehmigung agieren mobile.de und Carwow.de vollständig eigenständig und ohne operative Integration. Nach dem Abschluss soll die weitere Nutzung der Marke Carwow in Deutschland über eine unbefristete Lizenzvereinbarung geregelt werden. Ob die Transaktion tatsächlich und zu den genannten Bedingungen abgeschlossen wird, ist allerdings nicht garantiert. Die Mitteilung enthält ausdrücklich zukunftsgerichtete Aussagen; mobile.de und verbundene Unternehmen übernehmen keine Verpflichtung, diese zu aktualisieren oder zu ändern.

Reichweite trifft Neuwagenkompetenz

Carwow-CEO John Veichmanis bezeichnete die Partnerschaft als wichtigen Meilenstein. mobile.de sei der passende Partner, um die Marke in Deutschland weiterzuentwickeln. Die Transaktion solle Carwow ermöglichen, den Fokus zu schärfen, Innovationen voranzutreiben und das Wachstum in Großbritannien und Spanien zu forcieren.

mobile.de-CEO Ajay Bhatia hob Carwows Unterstützung von Händlern und OEMs beim Neuwagenverkauf über eine transaktionsorientierte Customer Journey hervor. Als relevante Kompetenzen nannte er Leasing, Neuwagensuche, Fahrzeugkonfiguration und Build-to-Order. mobile.de wolle Carwow.de dabei unterstützen, seine bisherigen Leistungen mit dem Rückhalt von mobile.de fortzuführen.

mobile.de gilt als führender Fahrzeugmarkt in Deutschland. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren dort mehr als 1,6 Millionen Pkw, Nutzfahrzeuge, Motorräder und E-Bikes inseriert. Die Plattform wird von Privatkunden und Händlern genutzt und verzeichnete laut mobile.de-Google-Analytics-Tracking von Januar bis Dezember 2025 im Durchschnitt mehr als 140 Millionen Besuche pro Monat. Das Angebot reicht als „One-Stop-Shop“ vom Fahrzeugan- und -verkauf bis zu Finanzierungs- und Leasinglösungen.

Gegründet wurde mobile.de 1996. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von Adevinta, ebenso wie Kleinanzeigen.

Hinter Carwow steht die Carwow Group, die Medien- und Plattformmarken der Automobilbranche bündelt. Dazu gehören Carwow, Auto Express, Evo, DrivingElectric, Carbuyer und Driver Power. Die Gruppe bietet Informationen, Daten und unabhängige Bewertungen rund um den Fahrzeugkauf. Jährlich kommen rund 1,1 Milliarden YouTube-Aufrufe, mehr als 651 Millionen Kontakte über soziale Medien und 1,5 Millionen verkaufte Printmagazine zusammen.

Auf den digitalen Plattformen erreicht die Gruppe rund 17,7 Millionen monatliche Nutzer. Dort können Fahrzeuge recherchiert, gekauft, geleast oder verkauft werden. Carwow bringt Kunden mit Autohändlern, Fahrzeugherstellern und weiteren Partnern in Großbritannien, Deutschland und Spanien zusammen. Der Markteintritt in Deutschland erfolgte 2016 unter der Leitung von Philipp Sayler von Amende, der die Expansion auf dem deutschen Markt verantwortete.

Der Autokauf wird kleinteiliger

Auf dem deutschen Automarkt nehmen Alternativen zum klassischen Autokauf beim Händler zu. Einige Hersteller bieten häufiger Möglichkeiten für den direkten Fahrzeugkauf an. Mercedes-Benz verfolgte zuletzt den Verkauf eigener Niederlassungen an Händlergruppen. Gleichzeitig gewinnt Leasing an Bedeutung; auch Auto-Abos und Carsharing fließen in die Überlegungen und Prioritäten vieler Verbraucher beim Autokauf ein.

Der Umsatz im deutschen Neuwagenhandel sank 2024, unter anderem wegen des insgesamt schwächeren Automarkts. Der Neuwagenhandelsumsatz lag deutlich unter dem Höchstwert von 2019. Beim Handel mit gebrauchten Pkw zeigte die Kurve dagegen weiter nach oben: Der Umsatz erreichte fast 121 Milliarden Euro und damit den bislang höchsten Wert.

Der entsprechende Artikel wurde am 30. März 2026 von René Muschter veröffentlicht. Am 8. Oktober 2026 bleibt damit eine Frage offen, die im Alltag schnell sehr konkret wird: Wer findet das passende Auto – und wer bekommt am Ende den besseren Preis?