Heute, am 8.10.2026, schaut die Bau- und Technikwelt nach Südkorea. Samsung Electronics hat im dritten Quartal dank sprunghaft gestiegener Speicherchip-Preise ein vorläufiges Rekordergebnis erzielt. Der operative Gewinn lag bei rund 107 Billionen südkoreanischen Won, umgerechnet etwa 71 Milliarden Euro. Im Jahresvergleich entspricht das nahezu einer Verneunfachung.

Auch beim Umsatz ging es kräftig nach oben: Vorläufig meldete Samsung rund 195 Billionen Won – mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Ganz zufrieden waren die Anleger trotzdem nicht. Beide Werte blieben unter den Erwartungen, die Samsung-Aktie verlor in Seoul knapp 2 Prozent. Im Gesamtjahr 2026 hat sich der Kurs allerdings mehr als verdoppelt.

Rechenzentren treiben die Nachfrage

Samsung ist der weltweit größte Speicherchiphersteller und zugleich ein Konkurrent Apples im Smartphone-Geschäft. Der südkoreanische Rivale SK Hynix verzeichnete an der Börse 2026 sogar noch stärkere Kursgewinne. Zusammen bringen Samsung und SK Hynix mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des südkoreanischen Leitindex Kospi auf die Waage.

Hinter dem Boom stehen vor allem neue Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Sie verschlingen große Mengen an IT-Hardware und Speicherchips. Besonders gefragt sind schnelle HBM-Chips, also High Bandwidth Memory. Die Preise für Speicherchips sind insgesamt stark gestiegen. Samsung will die detaillierten Quartalszahlen am 29. Oktober veröffentlichen.

Der Engpass ist längst nicht mehr nur ein Thema für Serverräume. Der weltweite Speichermarkt ist massiv unterversorgt, weil KI-Rechenzentren große Mengen abnehmen. Autos, Spielekonsolen, PCs, Smartphones und eben Rechenzentren konkurrieren um dieselben Lieferungen. Ein bestimmter DRAM-Typ verteuerte sich von Dezember 2025 bis Januar 2026 um 75 Prozent; Händler und Zwischenhändler passten ihre Preise teilweise täglich an.

HBM statt Standardspeicher

Samsung, SK Hynix und Micron haben seit dem Start von ChatGPT große Teile ihrer Produktion, Forschung und Investitionen auf HBM umgestellt. Der Speicher steckt in KI-Beschleunigern von Nvidia und AMD. Für Standard-DRAM in Smartphones, PCs und anderen Geräten bleibt dadurch weniger Kapazität übrig. TrendForce erwartet, dass die HBM-Nachfrage 2026 um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigt. HBM dürfte dann rund 23 Prozent der weltweiten DRAM-Wafer-Produktion ausmachen, nach 19 Prozent im Jahr 2025.

Wie hungrig KI-Systeme sind, zeigt ein Blick auf Nvidias Blackwell-Beschleuniger: Er enthält 192 Gigabyte RAM, etwa sechsmal so viel wie ein leistungsstarker PC. Ein NVL72-System mit 72 Blackwell-Chips kommt auf 13,4 Terabyte RAM. Das entspricht dem Speicher von ungefähr 1.000 hochwertigen Smartphones oder mehreren hundert leistungsstarken PCs.

Alphabet, OpenAI, Amazon, Microsoft und Meta kaufen große Mengen Nvidia-KI-Beschleuniger samt umfangreicher Speicherbestückung. Für Hersteller von Unterhaltungselektronik wird die Lage damit ungemütlich. Laut GF Securities beträgt das Defizit bei DRAM derzeit etwa 4 Prozent, bei NAND rund 3 Prozent. Niedrige Lagerbestände einzelner Branchen könnten die tatsächliche Lücke noch vergrößern.

Die großen Technologiekonzerne legen weiter nach. Meta, Microsoft, Amazon und Alphabet steigerten ihre Rechenzentrumsausgaben von 217 Milliarden US-Dollar 2024 auf etwa 360 Milliarden US-Dollar 2025. Für 2026 werden rund 650 Milliarden US-Dollar geschätzt. Alphabet plant für dieses Jahr Investitionen von bis zu 185 Milliarden US-Dollar, Amazon könnte bis zu 200 Milliarden US-Dollar investieren. Analyst Mark Li von Bernstein erwartet deshalb einen „parabolischen“ Preisanstieg bei Speicherchips.

Die Knappheit kommt bei den Kunden an

Lenovo-Chef Yang Yuanqing rechnet damit, dass die strukturelle Unterversorgung mindestens bis Ende 2026 anhält. Neue Speicherchipfabriken entstehen nicht über Nacht: Bau und Ausstattung dauern Jahre. Samsung, SK Hynix und Micron können ihre Produktion also nicht kurzfristig ausreichend erhöhen. Micron-Manager Manish Bhatia bezeichnete das Ungleichgewicht als das größte seiner 25-jährigen Branchenerfahrung. Möglich, dass die anhaltende KI-Nachfrage den bisherigen Boom-und-Bust-Zyklus der Speicherindustrie überlagert.

Die Folgen reichen bis in die Einkaufsabteilungen der Autoindustrie. Tesla, Apple und weitere Großunternehmen erklärten seit Jahresbeginn 2026, dass der DRAM-Mangel ihre Produktion oder Margen beeinträchtigen könnte. Apple-Chef Tim Cook warnte vor sinkenden iPhone-Margen. Micron nannte den Engpass „beispiellos“. Tesla-Chef Elon Musk sagte, Tesla müsse möglicherweise eine eigene Speicherchipfabrik bauen.

Auch bei Smartphones wird gerechnet und gestrichen. Xiaomi, Oppo und Transsion senken ihre Versandziele für 2026; Oppo reduzierte seine Prognose laut chinesischen Medien um bis zu 20 Prozent. Qualcomm und Arm warnten vor weiteren negativen Auswirkungen. Bei günstigen Smartphones könnte DRAM künftig bis zu 30 Prozent der Materialkosten ausmachen – Anfang 2025 waren es 10 Prozent. Xiaomi, Samsung und Dell warnten vor steigenden Elektronikpreisen im Jahr 2026.

Im Sunin Plaza in Seoul, einem Zentrum für Selbstbau-PCs, ist die Nachfrage deutlich zurückgegangen. Kunden verschieben ihre Käufe, weil sie weitere Preissteigerungen erwarten. Micron hatte 2025 nach rund 30 Jahren seine Crucial-Marke für Consumer-Speichersticks eingestellt. Laut Falcon-Northwest-Chef Kelt Reeves löste das Hamsterkäufe aus. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines maßgeschneiderten Falcon-Northwest-PCs stieg 2025 um 1.500 auf rund 8.000 US-Dollar.

Bei Spielekonsolen wird ebenfalls vorsichtig kalkuliert. Sony erwägt laut informierten Kreisen, die nächste PlayStation von 2028 auf 2029 zu verschieben. Nintendo prüft eine Preiserhöhung für die Switch 2 im Jahr 2026. Schon 2025 hatte die Nachfrage nach der Switch 2 und Speicherkarten zur Marktverknappung beigetragen. Cisco verwies beim schwachen Gewinnausblick auf die Speicherchip-Knappheit.

Zwischen Rekordgewinnen und Rückschlagrisiko

Von der Entwicklung profitieren neben Samsung und SK Hynix auch Micron. Microns Umsatz im Geschäftsjahr bis August 2026 dürfte sich mehr als verdoppeln. Der Umsatz von SK Hynix hatte sich 2024 mehr als verdoppelt und könnte 2026 erneut auf das Doppelte steigen. Gleichzeitig belastet der Mangel laut Counterpoint die Elektronik-, Telekommunikations- und Automobilindustrie das gesamte Jahr über. Im Automobilsektor gibt es Anzeichen für Panikkäufe, während Smartphone-Hersteller teilweise auf kostengünstigere Speicherchips wechseln.

Anders als bei der Covid-bedingten Knappheit einfacher Auto- und Stromchips entsteht die aktuelle Krise durch die Verlagerung der Speicherindustrie auf KI-Anwendungen. Die Preise steigen bereits, bevor die angekündigten Rechenzentrumsprojekte der großen Technologiekonzerne vollständig umgesetzt sind. Kleinere Hersteller und preisempfindliche Produktsegmente geraten dadurch stärker unter Druck; wer ausreichend planen und bezahlen kann, sichert sich eher Speicher.

An den Börsen lief es für KI-Aktien drei Jahre lang überwiegend bergauf. Investitionspläne von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft im Billionenbereich trieben Halbleiter- und Infrastrukturwerte auf neue Höchststände. Doch steigende Anleiherenditen verteuern inzwischen die Finanzierung. Die hohen KI-Ausgaben lassen sich zunehmend nicht mehr vollständig aus laufenden Cashflows finanzieren.

Hinzu kommt eine unangenehme Frage: Günstigere chinesische KI-Modelle weisen darauf hin, dass leistungsfähige KI möglicherweise mit deutlich weniger Rechenleistung auskommt. Dann könnten neu geschaffene Kapazitäten künftig nicht die erwarteten Renditen erzielen. Eine Kombination aus höheren Finanzierungskosten, möglichen Überkapazitäten und enttäuschenden Cashflows würde besonders hoch bewertete KI-Unternehmen treffen. Frühere Gewinner des KI-Booms könnten bei einer Korrektur zu besonders starken Verlierern werden.

Für Samsung bleibt vorerst das Bild eines Konzerns mit glänzenden Zahlen, aber rauem Wind im Rücken. In den Fabriken zählen steigende Preise und volle Auftragsbücher; bei Smartphone- und PC-Herstellern werden derweil Versandziele gekürzt, Verträge neu verhandelt und Käufe verschoben. Samsung soll Lieferverträge für Speicherchips inzwischen etwa vierteljährlich statt jährlich überprüfen. Der Druck bleibt also – nicht nur auf die Chips