Energiepreisschock setzt Deutschlands Bauwirtschaft unter Kostendruck
Für die Baubranche kommt die nächste unangenehme Nachricht aus dem internationalen Energiehandel: Deutschlands Importpreise sind im August 2026 um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Erwartet worden war ein Plus von 8,0 Prozent. Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im Dezember 2022.
Auch im Monatsvergleich zog das Preisniveau an. Gegenüber Juli erhöhten sich die Importpreise um 1,0 Prozent. Der wichtigste Preistreiber war Energie: Sie verteuerte sich binnen Jahresfrist um 43,0 Prozent und gegenüber Juli um 7,5 Prozent. Vorleistungsgüter kosteten 11,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 0,6 Prozent mehr als im Juli.
Energie verteuert Material, Transporte und Produktion
Als Ursache für die höheren Energiepreise gelten insbesondere die Auswirkungen des Iran-Kriegs und dadurch teureres Öl. Deutschland ist wegen seiner hohen Rohstoff- und Energieimportabhängigkeit besonders stark von internationalen Energiemärkten abhängig. Das merkt die Industrie nicht erst an der Tankstelle: Höhere Energie- und Vorleistungspreise können die Kosten von Industrie und anderen Unternehmen erhöhen.
Seit dem Ausbruch des Irankriegs Ende Februar sind die Preise für Heizöl und Kraftstoffe stark gestiegen. Die höheren Energiepreise wirken sich außerdem auf Gütertransporte und Erzeugerpreise aus. Für Bauunternehmen bedeutet das zusätzlichen Druck bei Transporten, Maschinenbetrieb und jenen Materialien, deren Herstellung viel Energie verschlingt. Ob auf der Baustelle gerade ein Bagger läuft oder im Werk Stahl, Dämmstoff und andere Vorprodukte verarbeitet werden – der Preisaufschlag kann an mehreren Stellen durchschlagen.
Unternehmen federn solche Kosten häufig zunächst über bestehende Verträge, Lagerbestände oder geringere Gewinnmargen ab. Bei Kraftstoffen zeigen sich Preiswirkungen meist schneller. Bei Lebensmitteln kann es wegen der Produktions-, Verarbeitungs- und Lieferketten länger dauern. Ein im Artikel erwähnter tagesschau-Beitrag thematisierte deshalb mögliche verzögerte Auswirkungen steigender Energie- und Agrarrohstoffpreise auf Lebensmittel.
Haushalte verlieren unterschiedlich viel Kaufkraft
Eine Studie des Münchner ifo Instituts untersucht die Folgen des Preisanstiegs seit Beginn des Irankriegs für Haushalte in Deutschland. Die Konsumausgaben deutscher Haushalte steigen infolge der Krise im Nahen Osten im Jahr 2026 voraussichtlich um rund 16,8 Milliarden Euro.
Die Belastung verteilt sich allerdings sehr ungleich. Die einkommensschwächsten zehn Prozent verlieren durchschnittlich 2,87 Prozent ihres verfügbaren Einkommens an Kaufkraft. Bei den einkommensstärksten Haushalten sind es 0,65 Prozent, über alle Haushalte hinweg 1,15 Prozent. Laut ifo-Forscherin Tiphaine Wibault können ärmere Haushalte einem weit entfernten Preisschock schlechter ausweichen.
Auch ältere Menschen sind stark betroffen. Ihnen steht kein Lohneinkommen als finanzieller Puffer zur Verfügung, zugleich geben sie einen überdurchschnittlichen Anteil ihres Budgets für Heiz- und Energiekosten aus. Anders als während der Energiekrise 2022 gibt es laut ifo keinen europäischen Preisdeckel für diesen Preisschock. Die höheren Kosten tragen die Haushalte daher weitgehend selbst, besonders jene mit niedrigen Einkommen.
Für die Analyse verglichen die Wirtschaftsexperten Konjunkturprognosen vor und nach Beginn des Kriegs und berechneten daraus Kaufkraftverluste für verschiedene Haushaltstypen. Das klingt trocken, zeigt sich im Alltag aber ziemlich direkt: an der Zapfsäule, bei der Heizöllieferung und später womöglich beim Einkauf.
Inflation könnte im September über drei Prozent steigen
Rekordpreise für Diesel und Benzin könnten die deutsche Inflationsrate im September über 3,0 Prozent treiben. Das wäre der höchste Wert seit Ende 2023. Das Statistische Bundesamt wollte dazu am 30. September erste Daten veröffentlichen.
Importpreise beeinflussen tendenziell auch die Verbraucherpreise und damit die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Anhaltend hohe Energiepreise könnten den Rückgang der Inflation bremsen und die Kaufkraft der Haushalte beeinträchtigen. Höhere Zinsen würden zwar die Nachfrage dämpfen, geopolitisch verursachte Energieengpässe könnten sie aber nicht beheben.
Ein geplanter Tankrabatt könnte den Anstieg der Kraftstoffpreise vorübergehend abmildern. Laut einem im Artikel erwähnten n-tv-Bericht kostete die Einfuhr fossiler Brennstoffe die EU seit Beginn des Iran-Kriegs zusätzlich mehr als 100 Milliarden Euro. Offen bleibt, wie lange der Energieschub anhält und in welchem Umfang Unternehmen die höheren Kosten an Verbraucher weitergeben.
Für die Bauwirtschaft bleibt damit vieles eine Frage des Timings: Manche Belastungen landen sofort in der Kalkulation, andere tauchen erst auf, wenn Verträge auslaufen, Lagerbestände leer sind oder Nachunternehmer neue Preise nennen. Und während auf der Baustelle der Dieselgeruch in der warmen Luft hängt, sind die Folgen für Lebensmittel, Haushaltsbudgets und Investitionen noch nicht überall angekommen.
