Gasspeicher nur zu 57,6 Prozent gefüllt: Gasversorgung sicher, Preise unter Druck
Die deutschen Gasspeicher waren Ende September zu rund 57 Prozent gefüllt. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur sind es genauer 57,6 Prozent beziehungsweise 142,6 TWh. Das liegt deutlich unter den Füllständen vergleichbarer Zeiträume vergangener Jahre und auch unter den politischen Zielmarken. Beunruhigend klingt das erst einmal schon.
Ein unmittelbares Versorgungsrisiko für den Winter sieht Stephan Haupt, Geschäftsführer der Handels- und Vertriebstochter des Leipziger Gasversorgers VNG, dennoch nicht. Die vorhandenen Vorräte reichten für einen normalen Winter aus. Auch die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung weiterhin als gering ein: Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet.
Speicher sind nur noch ein Teil des Systems
Die Behörde hat am 29. September 2026 ihre aktuelle Einschätzung veröffentlicht und dazu interaktive Grafiken bereitgestellt. Die Alarmstufe des deutschen Notfallplans Gas, die seit dem 23. Juni 2022 galt, wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgehoben. Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe.
Für die Versorgung zählt längst nicht nur, was unterirdisch gespeichert ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, vorhandener Infrastruktur und Gasnachfrage. Vom 21. bis 27. September 2026 flossen 15,1 TWh über Pipelines nach Deutschland, weitere 1,9 TWh kamen über deutsche LNG-Terminals. Deren durchschnittliche Auslastung lag bei 41,2 Prozent.
Deutschlands Gasversorgung hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Zusätzliche Flüssiggas-Terminals gingen in Betrieb, neue internationale Lieferverträge wurden abgeschlossen und die europäische Vernetzung wurde verstärkt. Gasspeicher sind deshalb nicht mehr das einzige Mittel, um Verbrauchsspitzen in kalten Wintermonaten abzufedern. Der Preis dafür: Deutschland hängt stärker von den Entwicklungen am internationalen Gasmarkt ab. Schon Störungen in internationalen Lieferketten können Preisschwankungen auslösen, auch wenn tatsächlich kein Gas fehlt.
Warum bislang weniger eingespeichert wurde
Die täglichen Einspeicherungen waren zuletzt teilweise weiterhin niedrig. Nach Angaben der Bundesnetzagentur hängt das mit den Absicherungsstrategien der Gashändler zusammen und stellt keine kritische Gefahr für die sichere Gasversorgung dar. Für die Versorgungssicherheit sei es nicht zwingend erforderlich, die Speicherfüllstandsziele bis November zu erreichen.
Die Wintervorsorge und die Speicherbefüllung liegen grundsätzlich in der Verantwortung der Gashändler. Sie müssen ihre Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Versorgern, der Industrie und weiteren Kunden erfüllen und sich dafür ausreichend absichern. Dafür nutzen sie Pipeline- und LNG-Importe sowie bereits eingespeicherte Gasmengen – und optimieren ihre Beschaffung nach den Preisen.
Im Sommer wurde wegen der hohen Preise vergleichsweise wenig Gas eingespeichert. Auf dem Weltmarkt ist nach Angaben der Bundesnetzagentur ausreichend Gas verfügbar, außerdem bestehen genügend Importmöglichkeiten. Ein vergleichsweise niedriger Speicherfüllstand am Ende des Winters ist dennoch wahrscheinlich.
Die Behörde stellt online Daten zu täglichen Gasflüssen, zur Auslastung der LNG-Terminals sowie zu Speicherfüllständen und deren täglichen Veränderungen bereit. Abrufbar sind außerdem der Gasverbrauch von Industrie, Haushalten und Gewerbe, der Gesamtverbrauch, monatliche und wöchentliche Verbrauchsveränderungen und Mittelwerte, monatliche und wöchentliche Durchschnittstemperaturen, Großhandelsgaspreise in Euro pro Megawattstunde sowie die Gasförderung in Deutschland in Gigawattstunden pro Tag.
Das größere Risiko liegt bei den Preisen
Eine Versorgungskrise könnte entstehen, wenn mehrere Risiken gleichzeitig eintreten: ein langanhaltender Kälteeinbruch, weitere Ausfälle bei Gasimporten und technische Störungen an wichtiger Infrastruktur. Ein einzelnes Problem muss also nicht gleich das Licht ausknipsen. Mehrere Baustellen zur selben Zeit wären allerdings eine andere Geschichte.
Das Preisniveau im Großhandel hat sich laut Stephan Haupt seit Beginn der jüngsten Krise im Nahen Osten mehr als verdoppelt. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Entwicklungen dort fortlaufend. Preisveränderungen auf den Weltmärkten wirken sich auch auf die europäischen Großhandelspreise aus. Solange der Ausgang der Konflikte im Nahen Osten unklar bleibt, müssen Verbraucher mit höheren Gaspreisen rechnen.
Ob und in welchem Umfang diese Veränderungen bei den Kunden ankommen, hängt unter anderem von der Dauer des Konflikts, der Beschaffungsstrategie der Lieferanten und den vertraglichen Regelungen ab. Haushalte mit älteren, günstigen Lieferverträgen profitieren weiterhin von diesen Konditionen. Wer jetzt einen neuen Anbieter sucht oder einen auslaufenden Vertrag ersetzen muss, wird dagegen mit deutlich höheren Preisen konfrontiert.
Für Haushaltskunden bleibt das Preisniveau erhöht, deshalb ist ein sparsamer Umgang mit Gas weiterhin sinnvoll. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage fortlaufend. Im Heizkeller, beim Blick auf die nächste Rechnung und vielleicht auch beim kurzen Dreh am Thermostat dürfte das Thema ohnehin ganz von selbst präsent bleiben.
