Wer heute tankt, spürt den Preisschock sofort: Diesel kostet in Deutschland bis zu 2,50 Euro pro Liter, Superbenzin nahezu 2,40 Euro. Laut ADAC lag Diesel am Donnerstag bundesweit durchschnittlich bei 2,471 Euro je Liter – knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 wurde nach mehreren Rekordpreisen zwar leicht günstiger, kostete aber noch immer durchschnittlich 2,308 Euro.

Am heutigen Mittwoch, 30. September 2026, nimmt sich „Fakt ist! Aus Magdeburg“ genau dieser Lage an. Ab 20:45 Uhr geht es im MDR-Fernsehen und im Livestream um die hohen Spritpreise und den geplanten Tankrabatt. Die Wiederholung läuft am Donnerstag, 1. Oktober 2026, von 01:55 bis 02:55 Uhr.

Entlastung an der Zapfsäule, Kosten für alle

Die Bundesregierung will den Preis für Kraftstoff ab dem 1. Oktober um bis zu 17 Cent je Liter senken. Bund und Länder haben sich auf eine Entlastung von insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen verständigt. Konkret soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis Ende 2026 um 14 Cent pro Liter sinken. Weil dadurch auch die Umsatzsteuer niedriger ausfällt, ergibt sich eine Entlastung von knapp 17 Cent.

Der Tankrabatt soll zunächst bis zum Jahresende gelten – also drei Monate. Einen Rabatt in ähnlicher Höhe gab es bereits von Anfang Mai bis Ende Juni. Die Länder beteiligen sich diesmal mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag; anders als beim früheren Rabatt sollen sie damit die Hälfte der Kosten tragen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte erheblich.

Profitieren sollen alle, die tanken. Wer viel fährt oder ein Fahrzeug mit hohem Verbrauch bewegt, bekommt allerdings auch absolut mehr Entlastung. Das hilft Autofahrerinnen und Autofahrern mit langen Strecken ebenso wie Speditionen. Mittelständische Unternehmen werden ebenfalls entlastet, wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte.

Finanziert wird der Tankrabatt über eine Steuersenkung. Bezahlen müssen ihn damit letztlich die Steuerzahler – auch Menschen, die kein Auto, kein Motorrad und keinen Lastwagen nutzen. Wer mit der Bahn fährt oder ein Elektroauto nutzt, trägt die Kosten also über seine Steuern mit, profitiert aber nicht direkt. Genau deshalb wird das sogenannte Gießkannenprinzip kritisiert. Ökonomen halten die Maßnahme für teuer und wenig zielgenau; Monika Schnitzer lehnt pauschale Steuerrabatte ab und fordert gezielte Direktzahlungen.

Preisdeckel soll später folgen

Zusätzlich ist ein Tank- beziehungsweise Spritpreisdeckel geplant. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden, ein früherer Start ist noch offen. Der Staat soll vorübergehend Höchstpreise für Benzin und Diesel festlegen, solange die Krise anhält. Eine Behörde soll die maximal zulässigen Preise regelmäßig berechnen. Dabei sollen unter anderem Öl- beziehungsweise Brennstoffpreise, Transport-, Lagerungs-, Versicherungs- und Vertriebskosten sowie Verluste berücksichtigt werden. Den Mineralölunternehmen soll eine festgelegte Gewinnspanne bleiben.

Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern. Der Bund will dazu Gespräche mit der Mineralölwirtschaft über die Festlegung der Höchstpreise führen. Wie stark die Maßnahme wirkt, hängt letztlich von der noch nicht festgelegten Berechnungsmethode ab. Der Preisdeckel soll vor allem über die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne wirken und die Allgemeinheit voraussichtlich nicht zusätzlich belasten.

Vergleichbare Regelungen gibt es bereits in Luxemburg und Belgien. Die SPD fordert den Preisdeckel seit Längerem, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte ihn zunächst abgelehnt. Vor der Einigung verhandelten Bundeskanzler Merz und Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, die Preise würden kurzfristig durch die Steuersenkung und langfristig durch den Deckel weiter entlastet. Er sprach sich außerdem für eine Übergewinnsteuer aus, mit der sich die Ölkonzerne an der Finanzierung beteiligen sollen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte an, gegen hohe Aufschläge an Tankstellen vorzugehen und Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bevölkerung zurückzugeben. Auch auf EU-Ebene begrüßt die Bundesregierung Gespräche über Maßnahmen für die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Gemeint ist eine Übergewinnsteuer, für die sich Klingbeil ebenfalls auf europäischer Ebene einsetzt.

Wer wirklich entlastet wird

Auf dem Land ist das Auto für viele keine bequeme Option, sondern schlicht notwendig. Hohe Tankkosten treffen deshalb Menschen in ländlichen Regionen, Pendlerinnen und Pendler, Pflegedienste, Speditionen und weitere Branchen mit hohem Kraftstoffbedarf. In einer Befragung der MDRfragt-Gemeinschaft bezeichneten acht von zehn Teilnehmenden die Belastung durch die hohen Preise als problematisch. 89 Prozent forderten staatliche Maßnahmen gegen die Preissteigerungen.

Tankrabatt und Tankpreisdeckel gehören dort trotzdem nicht zu den bevorzugten Lösungen. Mehr Befragte befürworten ein schärferes Kartellrecht und eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Konkrete politische Pläne für diese beiden Maßnahmen gibt es laut Artikel allerdings nicht. Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere zielgerichtete Hilfen geprüft werden. Anfang 2027 sollen außerdem die Voraussetzungen für einkommensbezogene Direktzahlungen geschaffen werden.

Ob der Rabatt tatsächlich vollständig ankommt, lässt sich erst nachträglich feststellen. Frühere Untersuchungen des Bundeskartellamts und der Monopolkommission zeigten, dass Mineralölkonzerne Steuerentlastungen möglicherweise nicht komplett weitergeben. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts kam der frühere Rabatt bei Super E5 und E10 an den Tankstellen nahezu vollständig an. Beim Diesel wurden im Durchschnitt jedoch nur zwölf Cent je Liter weitergegeben, obwohl die Steuerentlastung 16,7 Cent betrug. Nach dem Ende des früheren Rabatts Ende Juni kletterten die Spritpreise wieder.

Auch der Anreiz zum Sparen fehlt bei beiden Maßnahmen. Tankrabatt und Preisdeckel machen weniger Verbrauch nicht attraktiver. Veronika Grimm kritisierte deshalb die Subventionierung von Verbrennerfahrzeugen zulasten der jüngeren Generation und forderte strukturelle Reformen statt kurzfristiger Schritte. Die Grünen nannten die Pläne zum Tankrabatt „Wahnsinn“ und warnten vor möglichen Zusatzgewinnen der Ölkonzerne. FDP-Chef Wolfgang Kubicki bezeichnete den Preisdeckel als „planwirtschaftliches Instrument“.

Warum der Sprit so teuer ist

Die Krise im Nahen Osten treibt die Kraftstoffpreise auf Rekordhöhen. Als Ursache nennt der Artikel den Iran-Krieg. Seit dem Angriff Israels und der USA auf Iran sei die Straße von Hormus faktisch blockiert; der Seeweg ist ein wichtiger Öltransportweg. Nach einer Offensive im Jemen kontrolliert die Huthi-Miliz laut Artikel außerdem die Meerenge Bab al-Mandab, einen weiteren Engpass für den internationalen Seehandel.

Knappere Raffineriekapazitäten treffen Diesel stärker als Benzin. Dazu kommt der Euro-Dollar-Wechselkurs. Seit August hat sich der Preisanstieg beschleunigt – an der Zapfsäule ist das keine abstrakte Kurve, sondern das kurze Stocken vor dem Bezahlen.

Für den Tankrabatt ist wegen des geplanten Starts am 1. Oktober ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren erforderlich. Das Bundesfinanzministerium soll den Koalitionsfraktionen eine Formulierungshilfe schicken, damit sie den Gesetzentwurf direkt im Bundestag einbringen können. Eine erste Beratung könnte am Mittwoch stattfinden, die Verabschiedung nach Ausschussberatungen am Freitag. Anschließend könnte der Bundesrat das Gesetz unmittelbar beschließen. Für den Preisdeckel besteht weniger Zeitdruck.

Die Bundesregierung rechnet mit Kosten von rund 2,5 Milliarden Euro. Der frühere zweimonatige Tankrabatt kostete den Bund rund 1,6 Milliarden Euro. Wie teuer die neue Regelung tatsächlich wird, hängt unter anderem von der getankten Menge und der rechtzeitigen Umsetzung ab.

Die Debatte im MDR

In „Fakt ist! Aus Magdeburg“ soll diskutiert werden, ob die Maßnahmen rechtzeitig kommen, ausreichen und gerecht sind – oder ob