Wer am 8.10.2026 eine Nvidia Geforce RTX 5090 kaufen möchte, braucht inzwischen ein ziemlich dickes Portemonnaie. In Deutschland werden die Karten derzeit für mindestens 5.249 Euro angeboten. Das günstigste genannte Modell ist die Gigabyte Geforce RTX 5090 Gaming OC, erhältlich bei Cyberport oder Computeruniverse.

Zum Marktstart lag die unverbindliche Preisempfehlung noch bei 2.099 Euro. Praktisch erreicht wurde dieser Betrag – abgesehen von wenigen Founders-Edition-Exemplaren – kaum. Der aktuelle Preis liegt damit deutlich über dem Doppelten der ursprünglichen UVP und nähert sich einer Verdreifachung.

5.249 Euro für eine Grafikkarte

In den USA überschritt die RTX 5090 bereits Anfang September 2026 die Grenze von 5.000 US-Dollar. Nvidia führt auf seiner offiziellen Produktseite trotzdem weiterhin 2.099 Euro als UVP für die nicht verfügbare Founders Edition. Über Nvidias eigene Kaufoptionen werden Modelle sogar erst ab 5.365 Euro gelistet; dort ist die Asus TUF Gaming Geforce RTX 5090 OC das günstigste genannte Angebot.

Als Preistreiber gelten vor allem die 32 GiB GDDR7-VRAM der RTX 5090, weiterhin hohe RAM-Preise und die starke Nachfrage aus der IT-Industrie. Für KI-Rechenzentren ist die Grafikkarte interessant, und dort sitzt das Geld offenbar lockerer als im privaten Spielezimmer. In einer Reddit-Diskussion erklärte ein Nutzer bereits vier Monate zuvor, nicht mehr als 3.000 Euro für eine Grafikkarte ausgeben zu wollen, weil er sie hauptsächlich zum Spielen nutze. Andere wollen ihre bisherige Hardware weiterverwenden oder liebäugeln mit der RTX 5080.

Die RTX 5080 verfügt jeweils über etwa halb so viel VRAM, Speicherbandbreite und FP32-ALUs wie die RTX 5090. Dafür kostet sie aktuell ab 1.449 Euro – knapp ein Viertel des genannten RTX-5090-Preises. Die Zahlen stehen nebeneinander wie zwei Kassenbons aus völlig verschiedenen Welten.

QuakeCon: Schlange stehen für den Listenpreis

Auf der QuakeCon 2026 zeigte sich, wie groß die Lücke zwischen Listenpreis und Marktpreis geworden ist. Nvidia verkaufte dort Founders Editions der RTX-50-Serie zum ursprünglichen Listenpreis: Die RTX 5070 kostete 549 US-Dollar, die RTX 5080 999 US-Dollar und die RTX 5090 1.999 US-Dollar.

Hunderte PC-Spieler standen für die Karten an. Laut Tweaktown waren RTX 5090 und RTX 5080 innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Nvidia richtete für den Verkauf mit „Verified Priority Access IRL“ sogar ein Offline-Warteschlangensystem ein. Wer nicht rechtzeitig drankam, musste bei Amazon und anderen Händlern nachsehen – dort kosteten vergleichbare Karten teils über 4.000 US-Dollar.

Der GPU-Preismonitor von Tom’s Hardware führte die günstigste verfügbare RTX 5090 zuletzt mit rund 4.381 US-Dollar. Das war mehr als das Doppelte des MSRP. Auch die RTX 5070 lag über ihrem Einführungspreis. Von einer kurzfristigen Entspannung wird nicht ausgegangen, solange KI-Anwendungen große Teile der globalen Speicherproduktion beanspruchen.

GDDR7 wird zum Flaschenhals

GDDR7 kommt in der gesamten RTX-50-Serie zum Einsatz. Branchenberichte sprechen davon, dass die Vertragspreise großer DRAM-Hersteller um bis zu 90 Prozent gestiegen sind. KI-Rechenzentren und Unternehmenskunden beanspruchen zudem große Teile der Produktionskapazitäten. Die RTX 5090 bringt 32 GB GDDR7 mit – doppelt so viel Speicher wie viele Mittelklassekarten.

Nvidia informierte seine Board-Partner im Mai 2026 über eine zusätzliche Preiserhöhung von rund 300 US-Dollar für die RTX-5090-SKU. Laut ComputerBase soll Nvidia die Gesamtproduktion der RTX-50-Serie im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 bis 40 Prozent reduziert haben. Als Grund gelten durch hohe Speicherkosten belastete Margen im Gaming-Segment.

Selbst wenn die Fabrikpreise sinken sollten, dürfte es Monate dauern, bis davon etwas bei den Endkunden ankommt. Das kennt man aus anderen Lieferketten: Am Anfang geht es schnell nach oben, nach unten tröpfelt es – wenn überhaupt.

Der Druck reicht über Grafikkarten hinaus. Browserbasierte Spiele, mobile Anwendungen und Cloud-Dienste benötigen weniger lokale Hochleistungshardware und könnten dadurch an Bedeutung gewinnen. Für Online-Gaming- und iGaming-Anbieter werden skalierbare Serverarchitekturen, Edge-Computing und optimierte Rendering-Prozesse als Reaktionen auf steigende Infrastrukturkosten genannt. Mobile-First-Angebote und hardwareunabhängige Nutzererlebnisse können dabei zu Wettbewerbsvorteilen werden.

Der Speichermarkt wird auf KI getrimmt

Hinter der Grafikkartenknappheit steckt ein größerer Umbau. Der Speichermarkt verschiebt sich 2026 strukturell in Richtung KI-Infrastruktur. Besonders gefragt sind High Bandwidth Memory (HBM), Server-DRAM und Enterprise-SSDs. Hersteller verlagern Produktionskapazitäten, fortschrittliche Prozessknoten und Entwicklungsbudgets in diese Bereiche. Bei konventionellem DRAM, NAND und älteren Speicherprodukten entstehen dadurch Preis- und Verfügbarkeitsrisiken.

Samsung und SK hynix bauen ihre HBM-Produktion und Investitionen deutlich aus. Samsung meldete im Februar den Start der Massenproduktion von HBM4 sowie die Auslieferung kommerzieller Produkte und erwartet für 2026 mehr als eine Verdreifachung seiner HBM-Umsätze gegenüber 2025. SK hynix spricht von einer Phase des „AI memory supercycle“. HBM3E soll 2026 ein zentraler Speicher für KI-Server bleiben, während parallel der Übergang zu HBM4 vorbereitet wird. Für HBM4E wird ein weiterer Technologiesprung mit höherer Bandbreite erwartet.

Das bindet Wafer, Advanced-Package-Kapazitäten, Entwicklungsbudgets und Fertigungskapazitäten, die in anderen Segmenten fehlen. SK hynix erwartet, dass die Verknappung bei klassischem DRAM durch diese Umschichtung die Profitabilität des Speichermarkts erhöht.

Für das erste Quartal 2026 wurden beim konventionellen DRAM Preissteigerungen von 90 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal prognostiziert, bei NAND-Flash von 55 bis 60 Prozent. Server-DRAM sollte um rund 90 Prozent zulegen, Enterprise-SSDs um 53 bis 58 Prozent. Anfang März lagen die DRAM-Spotpreise laut Bericht bereits über den Vertragspreisen. Der durchschnittliche Spotpreis für DDR4 1Gx8 mit 3200 MT/s wurde mit 33,02 US-Dollar angegeben; Spotpreise für 512Gb-TLC-NAND-Wafer stiegen innerhalb einer Woche um 14,7 Prozent.

NAND wird zunehmend von KI-Anwendungen und Rechenzentren nachgefragt. Enterprise-SSDs könnten 2026 zur größten NAND-Anwendung werden, während Hersteller Angebot von Client-SSDs zu Datacenter-SSDs verlagern. Hochkapazitive und kostengünstige QLC-Produkte bleiben begrenzt verfügbar. Für KI-Datenhaltung und Inferenz-Infrastruktur wird NAND damit ebenfalls knapp.

Alte Speicher, neue Probleme

Auch bei Legacy-Speichern verschärft sich die Lage. DDR4 könnte 2026 um bis zu 50 Prozent teurer werden. Mehrere Anbieter bereiten den Ausstieg aus DDR4 vor oder setzen bestehende End-of-Life-Pläne um. DDR3 bleibt ebenfalls angespannt verfügbar. Besonders betroffen sind Industrie, Automotive, Medizintechnik und Embedded-Systeme mit langen Produktlebenszyklen.

Die weltweite MLC-NAND-Kapazität soll 2026 um 41,7 Prozent sinken. Samsung führt MLC-Produkte mit letzten Auslieferungen im Juni 2026 aus. Kioxia, SK hynix und Micron beschränken die MLC-NAND-Produktion im Wesentlichen auf Bestandskunden. Für Industrie-, Automotive-, Medizin- und Netzwerktechnik zählen Schreibzyklen, Zuverlässigkeit und Langzeitverfügbarkeit – Eigenschaften, die sich nicht einfach per Mausklick ersetzen lassen.

Selbst der Smartphone-Markt bekommt die Entwicklung zu spüren. Die weltweite Smartphone-Produktion soll 2026 um 10 Prozent auf rund 1,135 Milliarden Geräte sinken. Höhere Speicherpreise erhöhen Produktions- und Verkaufskosten. Gleichzeitig soll die durchschnittliche Smartphone-Speicherkapazität um 4,8 Prozent steigen, weil kleine NAND-Kapazitäten auslaufen und On-Device-KI mehr Speicher verlangt.

Der Markt gilt trotz realer Knappheit