Sachsens Schnellladepark an der A13: In fünf Minuten 100 Kilometer, aber nicht zum Schnäppchentarif
Wer mit einem Elektroauto über die A13 fährt, kann am Parkplatz Wiesenholz West bei Thiendorf inzwischen schnell nachladen. Sachsens jüngster öffentlicher Schnellladepark ist dort in Betrieb gegangen. Sechs Ladepunkte stehen bereit, eine Tankstelle oder einen Gasthof sucht man allerdings vergeblich.
Projektleiter Ralf Kaulbarsch zufolge reicht ein Ladestopp von fünf bis sechs Minuten für ungefähr 100 Kilometer zusätzliche Reichweite. Das klingt angenehm flott – gerade dann, wenn draußen der Wind über den Parkplatz zieht und im Auto langsam die Geduld dünn wird.
Mehr Ladepunkte, aber noch Lücken
Der Standort ist Teil des „Deutschlandnetzes“. Mit staatlichen Fördermitteln sollen 9.000 zusätzliche Schnellladepunkte entstehen. Der Bund stellt dafür rund 1,8 Milliarden Euro bereit. Das Ziel: Elektroautos sollen künftig überall schnell geladen werden können, auch an abgelegenen Orten.
In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gibt es inzwischen mehr als 15.000 öffentliche Ladepunkte. Etwa ein Drittel davon sind Schnellladepunkte, in Mitteldeutschland sind es rund 5.000. Der ADAC sieht darin einen deutlichen Fortschritt. Bestehende Lücken könnten durch das Deutschlandnetz geschlossen werden, zugleich müsse der Ausbau angesichts der steigenden Zahl von Elektroautos weitergehen.
Ganz dicht ist das Netz aber noch lange nicht. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie gibt es in 30 Prozent der deutschen Gemeinden keinen öffentlichen Ladepunkt. Besonders wichtig seien Schnelllademöglichkeiten, an denen Fahrzeuge in etwa 30 Minuten oder etwas länger vollständig geladen werden können.
Neue Standorte im Deutschlandnetz
Die Standortliste des Deutschlandnetzes weist für Juli 2026 mehrere weitere Inbetriebnahmen aus. In Bühl in Baden-Württemberg betreibt Fastned seit dem 01.07.2026 einen Standort für 12 Fahrzeuge. Ebenfalls seit dem 01.07.2026 ist Fastned in Isny im Allgäu aktiv; dort können 8 Fahrzeuge laden.
In Delitzsch, Sachsen, ging am 07.07.2026 ein von TotalEnergies betriebener Standort für 12 Fahrzeuge in Betrieb. Es folgten Soltau in Niedersachsen mit EWE Go HOCHTIEF am 10.07.2026 und einer Kapazität von 8 Fahrzeugen sowie Walsrode, ebenfalls Niedersachsen, mit E.ON Drive seit dem 15.07.2026 und Platz für 8 Fahrzeuge.
Auch Nordrhein-Westfalen ist vertreten: In Kamen betreibt TotalEnergies seit dem 15.07.2026 einen Standort für 8 Fahrzeuge. In Laatzen, Niedersachsen, nahm Eviny am 16.07.2026 einen Ladeplatz für 4 Fahrzeuge in Betrieb. Selm in Nordrhein-Westfalen kam am 18.07.2026 hinzu, dort betreibt EWE Go HOCHTIEF einen Standort für 8 Fahrzeuge.
Tempo kostet – vorerst
Viele Elektroautofahrer ärgern sich dennoch über die Preise beim spontanen Laden an öffentlichen Schnellladesäulen. Der Energie- und Mobilitätsexperte Markus Hackmann hat die Wirtschaftlichkeit der Schnelllader untersucht. Gerade Anlagen in abgelegenen Regionen rentieren sich demnach oft erst nach vielen Jahren.
Das Problem liegt auch im Verhältnis von Angebot und Nachfrage: Die Zahl der Schnellladepunkte ist schneller gewachsen als der Bestand an Elektroautos. Weil die Auslastung derzeit gering ist, müssen Anbieter höhere Preise verlangen. Steigt die Auslastung, könnten die Ladepreise sinken.
Viele Standorte werden voraussichtlich erst dann wirtschaftlich rentabel, wenn deutlich mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. Bis dahin bleibt der kurze Stopp am Schnelllader eine praktische Sache – aber nicht unbedingt eine günstige. Wer an einem abgelegenen Parkplatz ohne Gasthof und Tankstelle wartet, merkt das besonders schnell.
