Wer seinen Heizöltank füllen muss, schaut derzeit besser zweimal hin. Der richtige Zeitpunkt hängt stark von den schwankenden Heizölpreisen ab – und die lassen sich nicht zuverlässig auf einen einzigen günstigen Kalendertag festnageln. Eine Übersicht zeigt die Preisentwicklung in Deutschland jeweils für die vergangenen 365 Tage. Die Daten stammen von der Vermittlungsplattform FastEnergy aus Dingolfing.

Heizöl ist eng an den Rohölpreis gekoppelt. Politische Entscheidungen in den Exportländern spielen hinein, ebenso die weltpolitische Lage, etwa der Nahostkonflikt. Naturkatastrophen können Lieferketten und Förderung beeinträchtigen, auch der Euro-Wechselkurs wirkt sich aus. Bis der Brennstoff beim Endkunden ankommt, kommen außerdem Kosten und Margen für Logistik, die CO₂-Abgabe, Energiesteuer und 19 Prozent Mehrwertsteuer hinzu.

Warum Herbst und Winter oft teurer werden

Auch Angebot und Nachfrage geben den Takt vor. Mit dem Beginn der Heizsaison steigt der Preis üblicherweise im Herbst. Besonders kalte Winter können Heizöl zusätzlich verteuern. Dann bestellen viele Haushalte gleichzeitig, während Lieferfirmen und Logistik stärker ausgelastet sind. Das merkt man nicht nur am Preis, sondern mitunter auch an der Geduld, die man bis zum Liefertermin braucht.

In den vergangenen Jahren war Heizöl häufig zu Jahresbeginn günstiger als im Hochsommer. Viele Haushalte hatten ihre Tanks dann bereits gefüllt, die Nachfrage war also geringer. Ob dieses Muster wieder eintritt, bleibt offen: Der günstigste Kaufzeitpunkt hängt auch von der internationalen Lage ab, und die künftige Preisentwicklung ist schwer vorherzusagen.

Regionale Unterschiede machen die Sache noch unübersichtlicher. Entscheidend sind unter anderem die Nähe zu Raffinerien und Pipelines sowie der Wettbewerb vor Ort. Eine Karte zeigt deshalb die aktuellen Preisunterschiede zwischen den Bundesländern. Wer nicht dringend bestellen muss, vergleicht also besser mehrere Anbieter – ein kurzer Blick kann sich lohnen.

Ölheizung vor allem in Bayern verbreitet

Deutschlandweit wird etwa ein Viertel der Wohngebäude mit Öl beheizt. Das geht aus der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 hervor. In Bayern ist Öl besonders verbreitet und dort noch vor Erdgas der häufigste Energieträger: 37 Prozent der Wohngebäude werden mit einer Ölheizung beheizt.

Der Rohölpreis wirkt sich übrigens nicht nur auf den Tank im Keller aus. Auch die Preise an den Tankstellen für Benzin und Diesel hängen davon ab. Zuletzt waren sie vergleichsweise niedrig, zuletzt zeichnete sich jedoch eine gegenläufige Entwicklung ab. Für Autofahrer und Hausbesitzer bleibt der Blick auf den Energiemarkt damit gleichermaßen interessant – und manchmal etwas nervös machend.

Langfristige Kurven statt Bauchgefühl

Für eine längerfristige Orientierung bietet die HeizOel24-Datenbank tägliche Heizöl-Preisnotierungen aus den vergangenen 20 Jahren. Die Werte werden nach Monaten zusammengefasst und als Monatsdurchschnittspreise ausgewertet. Gerade vor dem Heizölkauf können solche Durchschnittswerte helfen, saisonale Preisschwankungen besser einzuschätzen.

Häufig waren Januar und Februar die günstigsten Monate für den Heizölkauf. Eine Garantie ist das aber nicht: Die Preisentwicklung unterscheidet sich von Jahr zu Jahr. Über eine Jahresauswahl lassen sich verschiedene Zeiträume vergleichen, was die Schwankungen sichtbar macht, die in einem einzelnen Chart schnell untergehen.

Ein Vorteil gegenüber leitungsgebundener Energie wie Erdgas, Fernwärme oder Strom bleibt der frei wählbare Kaufzeitpunkt. Heizöl kann zu einer günstigen Marktphase getankt werden – sofern der Tank noch nicht leer ist und der Platz im Kalender für die Lieferung reicht. Genau da liegt der kleine Haken: Wer zu lange wartet, kann am Ende ausgerechnet dann bestellen müssen, wenn draußen die Heizkörper laufen und viele andere ebenfalls Nachschub brauchen.