Auf den Baustellen in Deutschland werden die Folgen des Kriegs im Nahen Osten spürbar – nicht nur beim Blick auf die Tankrechnung. Seit Beginn des USA-Iran-Konflikts im Februar 2026 ist die Straße von Hormus in den Mittelpunkt gerückt. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Rest der Welt und zählt zu den wichtigsten Engpässen des globalen Seeverkehrs.

Rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte wurden dort nach Einschätzung von Energieexperten abgewickelt. Neben Rohöl, Erdgas und Flüssigerdgas passieren auch Ölprodukte, Chemikalien, Industriematerialien und weitere Güter die Passage. Wenn dieser Verkehr stockt, bleibt das nicht irgendwo weit draußen auf dem Wasser – die Rechnung landet später bei Industrie, Logistik, Landwirtschaft und eben auch bei Bauunternehmen.

Die Meerenge wird zum Nadelöhr

Die Straße von Hormus ist 167 Kilometer lang, an ihrer schmalsten Stelle aber nur 39 Kilometer breit. Viel Platz für Ausweichmanöver gibt es dort also nicht. Schon begrenzte Störungen können den Schiffsverkehr erheblich einschränken.

Formal ist die Meerenge laut Joint Maritime Information Center weiterhin offen. Seit Beginn der groß angelegten US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar nutzen jedoch nur noch sehr wenige Fracht- und Tankschiffe die Passage. Gegenseitige Angriffe der USA und des Iran schränkten die Schifffahrt erheblich ein; infolge des anhaltenden Kriegs ist der Verkehr stark zurückgegangen. Praktisch wirkt das wie eine Blockade.

Beeinträchtigt wurden dadurch Energie- und Rohstofftransporte aus den Golfstaaten. Die Preise für Rohöl und Erdgas zogen deutlich an. Auch Schiffstreibstoff, die sogenannten Bunkerpreise, wurde teurer, weil höhere Rohölpreise weitere Ölprodukte verteuern. Das verteuert wiederum den gesamten internationalen Seeverkehr. Die Frachtraten für Öl, Ölprodukte und Erdgas erreichten den höchsten Stand seit mindestens Ende 1998 – nicht nur die Ware kostet mehr, sondern auch ihr Transport.

Diesel, Kerosin und Gas mit kräftigem Aufschlag

Seit Ende Februar stiegen die Energiepreise nach Angaben der Bundesregierung deutlich. Diesel und Kerosin verteuerten sich teilweise um bis zu 100 Prozent, Rohöl wurde etwa 50 Prozent teurer. Bei Gas und Flüssigerdgas wurden teilweise Preissteigerungen von bis zu 162 Prozent verzeichnet. Für Baufirmen schlägt das zuerst bei Transporten, Maschinen und Baustellenlogistik durch. Ein Bagger fährt zwar nicht mit Schlagzeilen, aber sehr wohl mit Diesel.

Die Bundesregierung weist zugleich darauf hin, dass neben den Entwicklungen im Persischen Golf auch weitere geopolitische Faktoren auf die Preise einwirkten. Deutschland bezog im vergangenen Jahr rund 6,1 Prozent seiner Rohölimporte aus der Golfregion, hauptsächlich aus dem Irak. Den größten Teil der deutschen Rohölversorgung liefern laut Bundesregierung Norwegen, die USA, Libyen und Kasachstan.

Trotz dieser vergleichsweise begrenzten direkten Abhängigkeit wurden die gestiegenen Weltmarktpreise auf die Auseinandersetzungen im Nahen Osten zurückgeführt. Der globale Markt kennt eben keine saubere Trennlinie zwischen „weit weg“ und „betrifft uns nicht“. Was an der Küste des Persischen Golfs ausfällt, kann wenige Wochen später in der Kalkulation eines Bauprojekts auftauchen.

Vom Gaspreis bis zum Dünger

Die Folgen reichen über Energie und Transport hinaus. Erdgas wird für die Herstellung mehrerer Düngersorten benötigt. Steigen die Gaspreise, können deshalb auch die Kosten für Düngemittel zunehmen. Ein erheblicher Teil der weltweiten Düngemittelproduktion befindet sich in Ländern rund um den Persischen Golf. Für Deutschland entstehen daraus mögliche Zusatzbelastungen bei Vorprodukten, Fracht und Beschaffung – vor allem in Industrie, Logistik und Landwirtschaft.

Besonders abhängig von einem ununterbrochenen Transit sind LNG, Polyethylen und Düngemittel. Polyethylen steckt in Verpackungen, Folien und zahlreichen industriellen Produkten. Wenn Lieferungen ausbleiben oder sich verteuern, geraten Beschaffungspläne ins Rutschen. Auf Baustellen zeigt sich das mitunter unspektakulär: ein später eintreffendes Produkt, ein neuer Liefertermin, ein Nachtrag in der Tabelle. Und plötzlich hängt der Bauzeitenplan an einer Frachtrate.

Die Krise in der Straße von Hormus wird als eine der größten globalen Lieferkettenunterbrechungen der vergangenen Jahrzehnte beschrieben. Betroffen sind Energieflüsse, Rohstoffpreise, Industrieproduktion sowie die Beschaffungs- und Preisstrategien von Unternehmen. Täglich passieren große Mengen an Energie- und Rohstofflieferungen die Meerenge; sie zählt zu den Seewegen mit dem höchsten globalen Handelsvolumen.

Schäden, Infrastruktur und neue Vorsicht

Nach Angaben des Berichts haben die bereits verzeichneten Industrieschäden ein Volumen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar erreicht. Beschädigt wurde auch kritische LNG-Infrastruktur, darunter die Anlage Ras Laffan in Katar. Rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Lieferungen sind laut dem Artikel direkt betroffen.

Unabhängig davon, wie stark die militärischen Aktivitäten schwanken, bestehen maritime Einschränkungen und daraus resultierende Lieferengpässe fort. Die Störung trifft deshalb nicht nur Schiffe: Auch Infrastruktur, Produktionskapazitäten und die globale Preisbildung geraten unter Druck. Maßnahmen wie die Freigabe strategischer Erdölreserven und Versicherungsprogramme reichen laut dem Bericht strukturell nicht aus, um die Störungen auszugleichen.

Für Unternehmen bedeutet das mehr als eine tägliche Beobachtung des Ölpreises. Empfohlen wird, die Beschaffung zu diversifizieren, Lieferanten außerhalb der Golfregion zu identifizieren und Abhängigkeiten bis zur zweiten Lieferantenebene zu erfassen. Dazu kommen höhere Sicherheitsbestände für Materialien mit hohem Risiko und großer Auswirkung, angepasste Preismodelle zur Weitergabe gestiegener Energiekosten sowie ein eigenes Resilienzteam, das Störungen überwacht und bewältigt.

Auch die Risikomodellierung soll ausgebaut werden: Expositionen bewerten, Szenarien laufend und in Echtzeit aktualisieren. Klingt sperrig, ist aber im Alltag recht greifbar. Wer weiß, welche Lieferung bei einem Ausfall zuerst fehlt, kann früher reagieren – statt im letzten Moment Ersatz zu suchen und dafür jeden Preis zu akzeptieren.

Der einordnende Bericht stammt von Ambrose Conroy, CEO und Gründer, sowie Justin Fortier, Direktor für Marketing und Forschung. Veröffentlichungsdatum ist der 2. April 2026. Für die Bauwirtschaft bleibt am 17.10.2026 vor allem eines spürbar: Nicht nur Materialpreise zählen, sondern auch Treibstoff, Fracht, Vorprodukte und die Frage, wie lange eine Lieferkette noch stillhält, bevor auf der Baustelle die Maschinen zwar bereitstehen, aber der Nachschub fehlt.