Für die Bauwirtschaft wird der Herbst teurer: Die Inflation in der Eurozone ist im September 2026 im Jahresvergleich auf 3,8 Prozent gestiegen. Eurostat bestätigte damit seine erste Schätzung, genau mit diesem Wert hatten auch Analysten gerechnet. Es ist die höchste Inflationsrate seit September 2023.

Noch im August lag die Teuerungsrate bei 3,2 Prozent, im Juli bei 2,9 Prozent. Damit entfernt sich die Preisentwicklung weiter vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent anstrebt. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und private Bauherren bleibt das spürbar – etwa bei Energie, Transport und der Kalkulation neuer Projekte.

Energie als Preistreiber

Den kräftigsten Schub lieferten die Energiepreise. Sie erhöhten sich im September im Jahresvergleich um 18,9 Prozent. Als Hintergrund werden die Folgen des Kriegs zwischen dem Iran und den USA genannt: Öltransporte aus Fördergebieten am Persischen Golf wurden beeinträchtigt. Eine nachhaltige Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht absehbar.

Das schlägt nicht nur an der Tankstelle durch. Höhere Kosten für Treibstoff, Heizung und Strom wandern entlang der Lieferkette weiter – vom Transport von Baustoffen bis zum Betrieb schwerer Maschinen. Auf der Baustelle merkt man das oft nicht mit einem großen Knall, sondern in vielen kleinen Rechnungszeilen.

Die EZB hatte die Leitzinsen zuletzt im September wegen der erhöhten Inflation angehoben. Der Einlagenzins stieg um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Dieser Einlagesatz gilt als wichtigster EZB-Leitzins und liegt derzeit ebenfalls bei 2,50 Prozent. Für Baufinanzierungen und Investitionen bleibt Geld damit ein nicht ganz nebensächlicher Kostenfaktor.

Deutschland liegt unter dem Euroraum-Wert

In Deutschland stieg die nach dem europäischen Verbraucherpreisindex HVPI gemessene Inflationsrate auf 3,3 Prozent. Im September kamen Spanien auf 5,0 Prozent, Italien auf 4,2 Prozent und Frankreich auf 3,4 Prozent.

Die Kerninflation, bei der die besonders schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, bewegte sich deutlich ruhiger: Sie stieg lediglich von 2,4 Prozent im August auf 2,5 Prozent im September. Der starke Sprung bei der Gesamtinflation hängt also vor allem am Energieschub.

Warum die Länder unterschiedlich stark betroffen sind

Die harmonisierte Inflation im Euroraum lag im September 2026 bei 3,8 Prozent. Grundlage dafür ist der Harmonisierte Verbraucherpreisindex, kurz HVPI. Er ist ein EU-weit einheitlich definierter Maßstab für die Verbraucherpreisinflation, dient der EZB zur Messung ihres Inflationsziels und macht Vergleiche zwischen den Ländern des Euroraums auf derselben Grundlage möglich.

Trotzdem entwickeln sich die Preise nicht überall gleich. Alle 21 Euroraum-Mitglieder haben denselben EZB-Leitzins, ihre Warenkörbe, Energiemixe und wirtschaftlichen Entwicklungsstände unterscheiden sich aber. Einkommensschwächere und schneller aufholende Länder – darunter Staaten im Baltikum und Bulgarien – weisen tendenziell höhere Inflationsraten auf, besonders wenn Energie- und Lebensmittelpreise kräftig schwanken. Große, wirtschaftlich reife Volkswirtschaften liegen dagegen eher näher am Euroraum-Durchschnitt.

Eurostat veröffentlicht die HVPI-Daten monatlich: Zu Monatsbeginn kommt eine Schnellschätzung, etwa zur Monatsmitte folgt der endgültige Wert. Bei euroflation werden die Daten täglich aus der offiziellen Quelle aktualisiert; der endgültige Monatswert ersetzt dort die Schnellschätzung. Für den Septemberwert steht damit eine Zahl im Raum, die auch für die weitere Zinsdebatte Gewicht hat: 3,8 Prozent – und beim Bauen schaut derzeit ohnehin jeder genauer auf jede einzelne Zahl.