Tankrabatt verliert an Wirkung: Spritpreise steigen schon wenige Tage nach der Entlastung
Der Tankrabatt verliert bereits wieder an Wirkung. Wenige Tage nach seiner Einführung lagen die Spritpreise am Sonntag, 4. Oktober 2026, bundesweit schon etwas über dem Startniveau. Super E10 kostete im Tagesdurchschnitt 2,137 Euro pro Liter – 2,3 Cent mehr als am Donnerstag. Diesel lag bei 2,253 Euro und damit 0,9 Cent höher.
Der ADAC erklärte, ein Teil der anfänglichen Entlastung sei innerhalb weniger Tage wieder verloren gegangen. Die Energiesteuersenkung habe zwar zunächst für einen deutlichen Preisrückgang gesorgt, dieser Vorteil werde aber bereits kleiner. Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer fühlt sich das an der Zapfsäule ernüchternd an: Der Zähler läuft, der Betrag steigt – und der Rabatt scheint irgendwie davonzurinnen.
Unter zwei Euro wird es vielerorts knapp
Kurz nach Beginn der Steuersenkung war E10 an vielen Tankstellen zeitweise für weniger als 2 Euro erhältlich. Am Montagvormittag waren solche Preise vielerorts nicht mehr zu finden. In Berlin, Hamburg und Stuttgart zeigte die ADAC-App kurz vor dem Mittag kein E10-Angebot unter 2 Euro. In Leipzig und Köln gab es vereinzelt noch Preise darunter.
In München bot mindestens jede dritte Tankstelle E10 zumindest zeitweise für weniger als 2 Euro an. Am Donnerstag war das noch bei mehr als der Hälfte der Tankstellen der Fall. Auch die niedrigsten Tagespreise lagen damit über dem Niveau vom Donnerstag. Daten des Spritpreisportals Tankerkönig zeigten, dass besonders der Donnerstagvormittag bundesweit deutlich günstiger war als die folgenden Vormittage.
Für den Anstieg bei Super E10 gebe es laut ADAC keine offensichtliche Erklärung. Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs hätten sich nur geringfügig verändert. Aus Verbrauchersicht sei der erneute Preisanstieg deshalb schwer nachvollziehbar. Nach einem Ansturm auf eine besonders günstige Tankstelle in Bamberg kam es dort zu Folgen, die im Artikel nicht näher beschrieben werden.
17 Cent Entlastung – aber wie viel kommt an?
Bund und Länder hatten sich wegen der hohen Spritpreise auf einen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel verständigt. Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Der Bund senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis Ende 2026. Benzin und Diesel werden dadurch jeweils um 14 Cent je Liter günstiger; einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von 17 Cent je Liter.
Von Anfang Mai bis Ende Juni hatte bereits ein Tankrabatt in gleicher Größenordnung gegolten. Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen. Wie viel der Steuersenkung tatsächlich bei den Kundinnen und Kunden landet, lässt sich allerdings nur schwer beurteilen: Kraftstoffpreise schwanken wegen verschiedener Einflussfaktoren, und sie waren bereits vor Beginn des Tankrabatts gefallen.
Verglichen mit den Tagesdurchschnittspreisen vom 28., 29. oder 30. September lagen die Sonntagswerte bei E10 um 10,5 bis 13,9 Cent niedriger. Diesel war 13,7 bis 17,2 Cent günstiger. Wirtschaftsforscher bewerteten den Tankrabatt dennoch als Maßnahme mit begrenzter Wirkung und kritisierten, dass vor allem die Falschen davon profitierten.
Der Mineralölwirtschaftsverband en2x erklärte, die angeschlossenen Tankstellengesellschaften hätten die Steuersenkung wie angekündigt sofort weitergegeben. Ohne Tankrabatt wären die Preise an den Stationen der Verbandsmitglieder seit Anfang Oktober zu jedem Zeitpunkt 17 Cent pro Liter höher gewesen, sagte ein Verbandssprecher. Für den gesamten deutschen Markt mit rund 14.000 Tankstellen könne der Verband aber keine Aussage treffen; seine Mitglieder repräsentierten etwa die Hälfte davon.
Zusätzlich seien die Einkaufspreise für Kraftstoffe am Weltmarkt zuletzt unabhängig vom Rohölpreis gestiegen. Laut en2x war dies bereits bei der Einführung früherer Tankrabatte im Sommer 2022 und Frühjahr 2026 der Fall. Auch damals war umstritten, ob die Entlastung vollständig an die Kundschaft weitergegeben wurde. En2x hatte eine vollständige Weitergabe behauptet. Verbraucherschützer und Wirtschaftsforschungsinstitutionen, darunter das Ifo-Institut, das Bundeskartellamt und die Monopolkommission, kamen für die Gesamtheit der Tankstellen zu gegenteiligen Ergebnissen.
Spritpreisdeckel spätestens ab 2027
Der Zeitpunkt für den Spritpreisdeckel ist noch offen. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden. Als Vorbilder gelten Regelungen in Luxemburg und Belgien. Der Preisdeckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern. Vorgesehen wäre ein Höchstpreis für Benzin und Diesel, der sich unter anderem an der Entwicklung der Ölpreise, an Transport- und Vertriebskosten sowie an der Händlermarge orientiert.
Die SPD fordert den Spritpreisdeckel seit längerer Zeit. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich dagegen ausgesprochen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte an, gegen hohe Preisaufschläge an Tankstellen vorzugehen.
Die Bundesregierung prüft außerdem, sogenannte Krisenprofite von Mineralölkonzernen an Bürgerinnen und Bürger zurückzugeben. Vor der Einigung hatten Merz und Vertreter SPD- sowie CDU-geführter Länder am Donnerstagabend verhandelt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, die Preise würden kurzfristig gesenkt und durch einen Spritpreisdeckel weiter entlastet. Zusätzlich sei eine Übergewinnsteuer geplant, an deren Finanzierung sich Ölkonzerne beteiligen sollen.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) sagte, die Energiesteuersenkung komme auch mittelständischen Betrieben zugute. Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere zielgerichtete Maßnahmen geprüft werden. Zudem sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus geschaffen werden.
Die Bundesregierung unterstützt Gespräche auf EU-Ebene über Maßnahmen für die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Gemeint ist eine Übergewinnsteuer, für die sich insbesondere Finanzminister Klingbeil auch auf EU-Ebene einsetzt.
Rekordpreise und ein genauer Blick auf den Markt
Die Krise im Nahen Osten treibt die Kraftstoffpreise in Deutschland auf neue Rekordhöhen. Der Dieselpreis erreichte am Donnerstag laut ADAC einen neuen Höchststand: 2,471 Euro pro Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 wurde nach mehreren Rekordpreisen leicht günstiger und kostete durchschnittlich 2,308 Euro pro Liter.
Die Monopolkommission veröffentlichte vom 20. Mai bis 12. Juni 2026 täglich aktualisierte Auswertungen zur Entwicklung der Kraftstoffpreise nach Einführung des Tankrabatts. Grundlage waren jeweils die Werte des Vortags. Die Grafiken verglichen die Preisentwicklung in Deutschland mit jener in Frankreich und Großbritannien und zeigten außerdem, in welchem Umfang die Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde.
Die Auswertungen wurden fortlaufend ergänzt und ermöglichten die Beobachtung der Preisentwicklung im Zeitverlauf. Orangefarbene Darstellungen zeigten die Weitergabe der Steuersenkung, graue Linien markierten die Zeit vor Ausbruch des Krieges sowie die Einführung der 12-Uhr-Regel. Diese Vergleichswerte dienten der Einordnung der allgemeinen Marktentwicklung. In der Zusammenschau machten die Grafiken sichtbar, wie viele Faktoren auf die Kraftstoffpreise in Deutschland einwirken – und warum die Rechnung an der Zapfsäule manchmal schneller steigt, als man schauen kann.
