In Trier wird gerechnet. Angesichts von Krisen, Kriegen und Inflation überlegen viele Menschen genauer, wofür sie noch Geld ausgeben. Der SWR hat Passanten in der Fußgängerzone mit einem Plakat gefragt, wo sie sparen – bei Gastronomie, Kleidung, Freizeit oder Kosmetik. Die Antworten gingen auseinander: Eine Passantin sagte, sie spare an nichts. Ein anderer Mann erklärte, wegen der hohen Lebenshaltungskosten an allem zu sparen.

Sparen heißt dabei nicht bloß, weniger auszugeben. Es bedeutet auch, Prioritäten zu setzen. Am häufigsten trifft es das Ausgehen und Feiern. Essen gehen gilt für viele als Luxus, eine Passantin nannte die Gastronomie sogar „unbezahlbar“. Friseurbesuche werden seltener, ebenso Kosmetik und Wellness. Kino, Schwimmbad und Theater stehen ebenfalls auf dem Prüfstand.

Die Innenstadt bleibt trotzdem lebendig

Ganz verschwunden ist der Konsum aber nicht. Viele suchen gezielt nach günstigeren Angeboten: Kinotage mit Rabatt, Kleidung im Schlussverkauf oder Lebensmittel mit Rabatt, die gleich auf Vorrat gekauft werden. Weihnachtsgeschenke werden früh besorgt, teilweise mit 50 Prozent Rabatt. Aus „Das gönne ich mir“ wird dann oft: „Das gönne ich mir – aber günstiger“.

Wer durch die Trierer Innenstadt geht, sieht davon nicht immer viel. Restaurants und Terrassen sind besucht, Menschen kaufen Eis, volle Einkaufstüten baumeln an den Händen. Die City-Initiative Trier beobachtet dennoch, dass Kunden zurückhaltender sind und stärker auf Preise achten. Die Sommersaison im Einzelhandel verlief gleichzeitig gut. Auch beim Geschenkeeinkauf ist die Kauflaune vorsichtiger geworden.

Ladenbesitzer Sylvain Agassis zufolge trauen sich die Menschen derzeit nicht, viel Geld auszugeben. In der Gastronomie fallen die Erfahrungen unterschiedlich aus: Einige Betriebe berichten von deutlich weniger Gästen; manche Kunden sparen sogar beim zweiten Getränk. Restaurantinhaber Peter Brommschenkel sagt dagegen, sein Betrieb laufe hervorragend. Trierer und Touristen sorgten weiterhin für volle Tische.

Auch das Broadway-Kino meldet für 2026 wieder deutlich steigende Besucherzahlen. Sie nähern sich dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Das passt zum Bild der selektiven Ausgaben: Manche gehen weniger essen, besuchen aber weiterhin das Kino. Andere verzichten auf den Friseur, kaufen aber weiter ein. Wieder andere bestellen im Restaurant nur ein statt zwei Getränken. Im Stadtbild sieht man das nicht immer – im Portemonnaie schon.

Wirtschaftsdaten mit Licht und Schatten

Wie robust die Trierer Wirtschaft tatsächlich ist, zeigt der Wirtschaftsbericht 2025 des Amts für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Trier. Er enthält Daten zum Unternehmensbestand, zum Arbeitsmarkt, zu Pendlerbewegungen, Einkommen und Tourismus. Die Angaben beziehen sich überwiegend auf die Jahre 2023 und 2024.

Für 2023 weist der Bericht 4.367 rechtliche Einheiten und 4.848 Unternehmensniederlassungen aus. Gegenüber 2014 sank die Zahl der Niederlassungen um 518 beziehungsweise 9,7 Prozent. Im Grundstücks- und Wohnungswesen ging sie um 235 beziehungsweise 41,8 Prozent zurück. Als einen Grund nennt der Bericht unter anderem eine statistische Bereinigung.

Auch bei den Gewerbean- und -abmeldungen bleibt ein schiefer Eindruck zurück: 2024 wurden 917 Gewerbe angemeldet, der höchste Wert seit 2017. Gleichzeitig gab es 985 Abmeldungen. Der Saldo lag damit bei minus 68 Gewerben. Besonders häufig wurden Betriebe in Handel und Gastgewerbe sowie im Wohnungswesen abgemeldet; 38,9 Prozent aller Abmeldungen entfielen auf Handel und Gastgewerbe.

Zum 30. Juni 2024 gab es in Trier 55.954 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Gegenüber 2015 entspricht das einem Anstieg von knapp 4 Prozent. Am stärksten legten medizinische und nichtmedizinische Gesundheitsberufe zu: plus 1.010 Beschäftigte. Fertigungsberufe verloren dagegen 590, Handelsberufe 480 Beschäftigte.

Zwischen Luxemburg und den Stadtteilen

Der Trierer Arbeitsmarkt endet praktisch nicht an der Stadtgrenze. Täglich pendeln 8.880 Triererinnen und Trierer nach Luxemburg, in der Gegenrichtung kommen 110 Menschen nach Trier. Die Arbeitslosenquote in Trier lag bei 5,8 Prozent, doch die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind beträchtlich: In West/Pallien wurden 12,2 Prozent ausgewiesen, in Feyen/Weismark 4,3 Prozent. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen.

Beim mittleren Bruttomonatsentgelt lag Trier 2023 bei 3.638 Euro. Tarforst kam auf 3.906 Euro, West/Pallien und Biewer auf 3.118 Euro. Nach Berufsgruppen reichte die Spanne von durchschnittlich 4.549 Euro in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen bis zu 2.765 Euro im Lebensmittel- und Gastgewerbe.

Tourismus bringt zusätzlich Bewegung in die Stadt: Trier verzeichnete 468.645 Gästeankünfte und 876.416 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei zwei Nächten. Das erklärt ein Stück weit, warum Terrassen voll sein können, während Einheimische beim zweiten Getränk überlegen.

Der Wirtschaftsbericht stellt die Zahlen ausführlich dar, enthält laut dem zugrunde liegenden Artikel aber keine konkreten Maßnahmen oder Handlungsempfehlungen. In der offiziellen Kommunikation der Stadt seien vor allem positive Einzelzahlen hervorgehoben worden. Weniger prominent erschienen der negative Saldo bei Gewerbean- und -abmeldungen, der Rückgang im Grundstücks- und Wohnungswesen, die Unterschiede bei Arbeitslosigkeit und Einkommen zwischen den Stadtteilen, die hohe Zahl der Auspendler nach Luxemburg und die besondere Betroffenheit der 25- bis 35-Jährigen unter den Arbeitslosen.

Der SWR-Bericht über das Sparverhalten wurde am 29. September 2026 veröffentlicht. An diesem Tag zeigt sich in Trier ein widersprüchliches, aber ziemlich menschliches Bild: Eis in der Hand, Einkaufstasche am Arm, im Kopf trotzdem die Frage, ob der Restaurantbesuch noch drin ist. Mal ja. Mal nur mit Rabatt. Und manchmal bleibt es bei einem Getränk.